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M&A-Deals: Unternehmen unterschätzen den Faktor IT

IT als Erfolgsfaktor: Nicht jedes Unternehmen stuft den Bereich als entscheidend für den Ausgang eines M&A-Deals ein.
Thinkstock / Getty Images

In der Idealvorstellung eines M&A-Deals trägt die IT zu Synergien bei: Die Kosten sinken durch Skaleneffekte, integrierte Geschäftsprozesse führen zu niedrigeren Aufwendungen. Von dieser Vision sind jedoch viele Transaktionen in der Realität noch weit entfernt, sagen die Autoren der gemeinsamen Studie „Dear CFO, why IT does matter within M&A transactions“ von Deloitte und der TU München, an der 56 IT- und M&A-Verantwortliche aus Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe teilgenommen haben (Details zur Methodik im Infokasten am Ende dieses Artikels).

Rund drei Viertel der Befragten gaben an, dass die IT in ihrem Unternehmen vorwiegend als Servicefunktion wahrgenommen werde. Ein Interesse des Top-Managements an IT-Themen konnten lediglich gut 30 Prozent der Befragten erkennen. Dazu passt es, dass viele Unternehmen die IT in die frühen Stadien eines M&A-Deals nicht richtig einbinden. Nur 56 Prozent der Befragten hatten IT-Themen zu Beginn des Due-Diligence-Prozesses auf dem Radar. Dies kann ein Fehler sein: „Unsere Studie zeigt, dass die IT ein besonders effektiver Hebel für Synergieeffekte ist. Die Gelegenheit, die IT in einer frühen Phase des M&A-Prozesses einzubeziehen, wird jedoch in vielen Fällen verpasst", sagt Peter Ratzer, Partner und Leiter Technology bei Deloitte.

IT-Kosten steigen oft nach M&A-Deals

Einsparungen im IT-Sektor sind entsprechend selten: Der Studie zufolge lagen die IT-Kosten bei etwa jedem vierten Befragten kurz nach einer Transaktion auf dem gleichen Niveau wie zuvor. 12 Prozent konnten die IT-Kosten kurzfristig senken, innerhalb von drei Jahren gelang dies rund 17 Prozent. Viele Studienteilnehmer mussten hingegen höhere Kosten hinnehmen: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass die IT-Kosten kurzfristig gestiegen seien. Im Laufe der Zeit verbessern sich die Kostenstrukturen dann wieder. Drei Jahre nach dem Abschluss eines M&A-Deals sank die Zahl derer, die höhere IT-Kosten tragen mussten, auf 20 Prozent.

Den Befragungsergebnissen nach sind IT-Funktionen wesentliche Treiber von Synergien. Einige Unternehmen scheinen dies ebenfalls so zu sehen und haben die IT als Erfolgsfaktor für Transaktionen identifiziert. Immerhin gut ein Drittel der Befragten gab an, innerhalb der IT-Abteilungen ausgewiesenes M&A-Personal zu beschäftigen. Doch diese Unternehmen sind noch in der Minderheit. 60 Prozent der Befragten gaben an, die IT sei in die Ausarbeitung von M&A-Strategien nicht involviert. Entsprechend wenig sind die Themen in vielen Unternehmen personell vernetzt. 53 Prozent der Befragten räumten ein, dass das IT-Personal in ihrem Unternehmen nicht ausreichend für M&A-Prozesse geschult werde.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Über die Studie

Für die Studie haben Deloitte und die TU München zwischen Mai und Juli dieses Jahres M&A- und IT-Experten aus deutschen Unternehmen befragt. 56 Teilnehmer beantworteten den Fragebogen vollständig, von ihnen haben 34 ein Unternehmen im Rahmen einer Post-Merger-Integration nach einem Zukauf in eine bestehende Einheit integriert, 22 Teilnehmer haben sich über einen Carve-out von einem Unternehmensteil getrennt. Zu einzelnen Fragen wurden bis zu 88 Antworten ausgewertet

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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