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Microsoft drängt in den Markt für Tablet-PCs

Microsoft

Wie nervös ist Microsoft? Sehr nervös! Zum Start von Microsofts neuem Tablet-PC wurden weder Informationen über Preise und interne Vorgaben noch über einen Termin für den Verkaufsstart angegeben. Die IT-Presse war darüber nicht gerade glücklich. Doch jenseits dieser Irritationen stellt sich eine größere Frage und vielleicht die Erklärung für den schrulligen Start. Für wen ist Surface gedacht? Wie sieht die Zielgruppe aus?

Der Versuch Surface als ernsthaften iPad-Konkurrenten zu etablieren ist eine Herkulesaufgabe. In den letzten Jahren hat man eine Menge gut designter und entwickelter Android-Tablet-PCs wie das Galaxy Tab von Samsung oder Sony’s Tablet S auf den Markt kommen sehen. Alle haben die Dominanz von Apple’s iPad nicht wirklich gefährden können. Darüber hinaus muss Microsoft, will es einen erfolgreichen Tablet-PC für Verbraucher anbieten, zwei weitere Dinge aufbauen: erstens einen guten App-Store und zweitens, eine gute Verbindung mit Medien und Content-Providern. Das erste würde bedeuten, den derzeitigen App-Entwicklern Anreize zu bieten, Apps für Microsoft zu entwickeln statt für Apple oder Google. Das birgt für talentierte Programmierer keine schwierige Entscheidung. Für das zweite bräuchte Microsoft Content-Partner in einer Qualität und Masse, dass sie mit Amazon, Google und Apple in den Bereichen Musik, Bücher und Filme für Tablet-PCs, konkurrieren könnten. Angesichts der bisherigen Bilanz ist Microsoft nicht der aussichtsreichste Kandidat, das Fundament für erfolgreiche Zusammenarbeit zulegen. Zusammenarbeit, die notwendig ist wenn man ein Tablet-Pc für Verbraucher langfristig und erfolgreich anbieten will.

Nur Chancen auf dem B2B-Markt

Damit bleibt Microsoft nur noch die Wahl, in den B2B-Markt zu gehen. Ein Marktsegment, das noch nicht vollständig vom iPad beherrscht wird. Der König der Verbraucher-IT ist Apple, aber Microsoft hat immer noch genug Gewicht im Markt, um Unternehmen eine neuen Produktlinie aufzuzwängen. Da Unternehmen mehr und mehr nach der BYOD (Bring-your-own-device)-Methode verfahren, müssen die IT-Abteilungen hart an Informationssicherheitssystemen für die Tablet-PCs und Smartphones der Mitarbeiter arbeiten. Ein mobiles Gerät von Microsoft, das sich nahtlos in die Unternehmens-IT-Struktur integrieren ließe, wäre höchstwillkommen. Da Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 8 herausgebracht hat, stehen die Chancen für Surface gut. Es kann gut sein, dass Surface der Lieblings-Tablet-PC von Unternehmen wird, da es Mitarbeitern ermöglicht, sowohl an ihren Tischen als auch unterwegs mit dem IT-System des Unternehmens zu arbeiten. Manche mögen auf die Erfahrungen von Research in Motion’s gescheitertem Versucht mit Playbook verweisen, aber Samsung, Apple’s stärkster Konkurrent, plant auch eine Reihe von profigeeigneten Tablet-PCs unter dem Label „Note“.

Um sich auf das B2B-Geschäft zu konzentrieren, muss Microsoft auf sein riesiges Netzwerk an Hardware-Partnern zurückgreifen. Partner wie Acer, Asus, HP, Dell und Lenovo, die über die letzten Jahre Microsoft-Laptops und Computer produziert haben. Tatsächlich bietet Microsoft, wie es beim Start von Surface bekannt gab, seinen Partnern die Möglichkeit den Tablet-PC als Originalhersteller zu produzieren. Zusätzlich dazu wird das Unternehmen die Tablet-PC-Hardware auch selbst herstellen. Microsoft eifert dabei Apple nach, das schon immer Hard- und Softwareproduktion kontrolliert.

Aber Microsoft kann nicht beides haben. Entweder das Unternehmen kopiert Apple und produziert das Surface auf vertikal-integrierte Art, wobei es dabei sein Partnernetzwerk verkleinern wird oder es macht das was Microsoft schon immer getan hat: es gibt die Herstellungslizenzen für den Tablet-PC an die Partner. Diese Entscheidung ist das größte Problem, das Microsoft lösen muss. Bis dahin sollten CFOs abwarten und beobachten.

ritobaan.roy[at]cfo-insight.com