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SAP S/4 Hana: Die große Welle kommt

Die Hana-Welle baut sich auf: Viele Unternehmen stellen in den kommenden Jahren auf SAP S/4 Hana um.
Norbert Steinhauser, SAP SE

Ein großer Teil der Unternehmen und ihre Finanzabteilungen stehen vor einer substantiellen Umstellung: Sie müssen in den kommenden Jahren auf das ERP-System SAP S/4 Hana wechseln, da der Softwarekonzern den Support für ältere Versionen 2027 auslaufen lässt. Die ERP-Migration ist bei weitem kein trivialer Schritt, bietet Hana doch neue Möglichkeiten und kann den Weg in eine Analysewelt ebnen: SAP verspricht Echtzeit-Reportings, exaktere Cashflow-Prognosen und nutzerfreundlichere Anwendungen. Doch gleichzeitig ist der Aufwand eines konzernweiten, über viele Jahre gewachsenen ERP-Systems teils enorm.

Als sei ein solches Großprojekt allein nicht schwierig genug, hat die Coronakrise der SAP-Migration vielerorts einige Steine in den Weg gelegt. Speziell Konzerne, die noch gar nicht richtig begonnen hatten, haben Hana-Projekte nun noch weiter nach hinten auf der Prioritätenliste geschoben. Doch in den kommenden Monaten wird das Thema vermutlich deutlich an Fahrt aufnehmen. 

SAP S/4 Hana: Konzerne bevorzugen Greenfield

„Die nächsten 24 bis 36 Monate werden die große Zeit der Umstellung“, prognostiziert Marco Lehmann, Head of ERP Consulting bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. Studien untermauern Lehmanns Einschätzung: Laut einer Analyse von KPMG und Lünendonk planen 87 Prozent der SAP-Kunden, ihr ERP-System bis 2025 vollständig umzustellen. Zwischen 2021 und 2023 wollen sieben von zehn Konzernen mit dem Roll-out beginnen.

KPMG-Experte Lehmann beobachtet, dass die Pandemie merklich zu einem Umdenken bei Unternehmen geführt hat, wie sie die Migration auf S/4 Hana stemmen wollen: „Viele Unternehmen überdenken ihr Geschäftsmodell jetzt noch einmal grundlegend. Sie tendieren damit stärker zu einem Greenfield-Approach, während viele vor zwei Jahren noch klar den Brownfield-Ansatz bevorzugten.“ Unternehmen nutzen die -Einführung entsprechend, um ihre Systemlandschaft noch einmal neu zu denken, nehmen sich mehr Zeit für die Migration ihrer Systemlandschaft. 

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Lehmann zufolge haben Unternehmen in den vergangenen Monaten krisenbedingt gelernt, wie schnell und stark sich ihre Geschäftsmodelle verändern können. Prozessketten und Dienstleister seien durcheinandergewürfelt worden. „Darauf müssen Unternehmen sich einstellen und sich auch technisch anders aufstellen, wie vielen jetzt klargeworden ist.“

Die Frage der richtigen Systemlandschaft ist allerdings komplex und von Konzern zu Konzern unterschiedlich. Nicht für alle bietet sich eine enge Orientierung am SAP-Standard an, wie E.on und CFO Marc Spieker ihn beispielsweise gewählt haben. „Die Architektur wird komplexer“, sagt Lehmann. „Man kann verschiedene externe Anbieter in die Sytemlandschaft einbinden und muss nicht für alle Funktionen ausschließlich die SAP nutzen.“

Hier offenbart sich ein interessanter Konflikt von SAP: Auf der einen Seite wollen die Walldorfer möglichst viele ihrer Kunden auf ihre Plattform ziehen. Nicht umsonst hat der Dax-Konzern etwa seine Treasury-Module gründlich überarbeitet. Auf der anderen Seite soll auch kein Kunde abspringen, der beispielsweise im Cash Management auf ein anderes Softwarehaus setzen möchte. 

ERP-Migration: Public versus Private Cloud

Ein weiteres Thema, dass SAP und CFOs laut Berater Lehmann umtreibt, ist die Cloud. SAP wirbt offensiv mit seiner deutlich schnelleren Datenbank-Technologie. Unternehmen sind beim Gang in die Datenwolke aber häufig zögerlich, da man die wertvollen Daten auf dem Firmengelände behalten will.

Vereinfacht wiedergegeben gibt es neben dem klassischen On Premise-Ansatz zwei Optionen: Die Public und die Private Cloud. Während in der Public Cloud-Variante alle wesentlichen Funktionen vom Systemanbieter vorgeben werden, kann der Kunde bei der Private Cloud-Version die Konfiguration weitgehend selbst vornehmen und lediglich den Betrieb und die Datenhaltung durch einen Cloud Provider vornehmen lassen. 

„In der Public Cloud verzichten Unternehmen auf Individualität.“ 

Marco Lehmann, KPMG

„In der Public Cloud verzichten Unternehmen auf Individualität, können aber viele Prozesse standardisieren und das Aktualisierungs- und Betriebsthema auf den Systemanbieter verlagern“, kommentiert Lehmann.

In der Realität tendierten Unternehmen derzeit regelmäßig zu Hybrid-Architekturen, also einer Mischform aus On Premise-Variante, Private und Public Cloud. „Eine allgemeingültige Formel für die richtige oder bessere Architektur gibt es nicht wirklich“, sagt Lehmann.

Entsprechend der jeweiligen Rahmenbedingen wie dem Geschäftsmodell, der Geschäftspartnerintegration oder der Komplexität der Unternehmensprozesse müsse entschieden werden, welche der möglichen Varianten für welche Funktionen und Unternehmensteile in Frage kommen und die bestmögliche sowie effizienteste Unterstützung bieten.

„Insbesondere klassische Produktionsunternehmen finden sich dabei immer noch eher im On Premise- und Private Cloud-Umfeld wieder, während junge und dienstleistungsorientierte Unternehmen eher auf die Public Cloud setzen.“

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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