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Technologie als Renditehebel

Zu viele Unternehmen sehen die Technologie selbst als den Hauptfaktor für eine verbesserte Effizienz. Doch das ist zu kurz gegriffen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Warum erreichen so viele Technologie-Upgrades ihre Ziele nicht? Wie kann es sein, dass die breiten Möglichkeiten moderner Technologien immer noch nicht kritischen Nutzerbedürfnissen gerecht werden? Warum sind so viele langjährige IT- und Technologieprojekte bei ihrem Abschluss bereits wieder veraltet oder bringen keinen finanziellen Mehrwert?

Eine Antwort liefert die Herangehensweise an die IT. Zu viele Unternehmen sehen die Technologie selbst als den Hauptfaktor für eine verbesserte Effizienz. Sie nehmen keine weiteren Analysen der Prozesse vor, die von der IT unterstützt werden sollen, oder untersuchen nicht genau, wie die eigentlichen Nutzer die neuen Technologien anwenden werden.

Viele führen eine ganze Reihe von technologischen Verbesserungen durch, anstatt genau die Hebel anzuvisieren, die die gewünschten Ergebnisse erzielen könnten. Manchmal besteht sogar eine Diskrepanz zwischen dem, was der CIO für notwendig hält und dem, was der CFO erreichen muss. Und allzu oft wird eine sorgfältig geplante Entwicklung zur Behebung eines bestimmten Problems so langsam umgesetzt, dass sich die Unternehmensanforderungen bereits wieder verändert haben und die Lösung nicht mehr ausreicht.

ERP ist nicht mehr der Königsweg

Eine umfassende, mehrjährige Implementierung ist nicht mehr die einzige Option bessere Technologien zum Einsatz zu bringen. Diese großen Projekte können die tatsächlichen Geschäftsziele bisweilen sogar untergraben. Obwohl ERP-Systeme durchaus ihre Berechtigung haben, adressieren sie nicht immer alle Anforderungen des Unternehmens und sind mitunter nicht in der Lage, Ziele wie Einfachheit, Effizienz oder Einsatzgeschwindigkeit zu fördern. ERP-Systeme sind auch oftmals teure Individuallösungen, wenig intuitiv für den Anwender und resultieren häufig in hochfragmentierten Backend-IT-Systemen und „Daten-Inseln“, die kostenaufwendig und schwierig weiterzuentwickeln sind.

Vielen Unternehmen gelingt es nicht, ihre Prozesse gründlich zu untersuchen, bevor sie mit Technologie-Upgrades oder neuen Entwicklungsprojekten beginnen. Dabei können die folgenden drei Schritte helfen: Zunächst gilt es die wichtigsten Ziele zu definieren und zu bestimmen, welche Kennzahlen gemessen werden sollten, um wirkliche Ergebnisse voranzutreiben. Im zweiten Schritt sollte die aktuelle Performance gemessen, Benchmarks gesetzt und mögliche Lücken identifiziert werden. Zuletzt kann man festgelegen, welche Technologie oder Prozesseingriffe nötig sind, um diese Lücken zu schließen. Ein Prozess-basierter Blick auf die Technologie ermöglicht es Unternehmen, sich auf wenige, aber wesentliche Teile einer Lösung zu konzentrieren.

Automatisierung: kein Allheilmittel

Sobald ein zielorientierterer Rahmen definiert ist, sind Unternehmen besser in der Lage fortschrittliche Technologien zu ihrem Vorteil zu nutzen: neue punktuelle Lösungen, Workflows, Wrappers und andere Instrumente, wie zum Beispiel Cloud-basierte oder mobile Lösungen. Unternehmen können mit Hilfe von Automatisierungen Abweichungen zwar reduzieren und Prozesse industrialisieren, aber es sollte klar sein, dass Automatisierung kein Allheilmittel ist.

Workflows in herkömmlichen Lösungen sind in ihrer Form oft zu starr für die Verwendung durch große, dezentrale Anwendergruppen, insbesondere in high-end Funktionen wie der finanziellen Planung und Analyse (FP&A), dem Risiko-Management und dem Controlling. In einer globalen Wirtschaft sind Instrumente zur Zusammenarbeit und Analyse, die intuitiv und anwenderfreundlich sind, unerlässlich.

Zum Glück sind moderne Technologien heute viel agiler als in der Vergangenheit. Cloud-basierte Lösungen, mobile Erweiterungen und „Systems of Engagement“ können traditionellen „Systems of Records“, wie zum Beispiel ERP-Systemen oder Data Warehouses, aufgesetzt werden und erhöhen trotz begrenztem Aufwand die Effizienz.

Die rasche technologische Entwicklung bedeutet nicht, dass Unternehmen Technologien pauschal und übereilt annehmen sollten. Gut durchdachtes, Prozess-basiertes Design und Transformationsmanagement können die neuesten Technologien zielgerichtet nutzbar machen – für die Prozessanalyse und den Fokus auf die Wertschöpfung aus Prozessen – bei gleichzeitigem Spielraum für Entwicklungen, die künftigen Anforderungen gerecht werden.

redaktion[at]finance-magazin.de

Stephan Göppert ist Vice President Germany bei Genpact und seit 2011 für die lokale Kundenbetreuung verantwortlich.

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