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Vor Gericht: Susensoftware hält SAP’s AGB-Klauseln für „illegal“

Ist bald der Weg frei für billigere Softwarelizenzen? Susensoftware zieht gegen SAP vor Gericht.
Thinkstock / Getty Images

Der Vermarkter gebrauchter Software, Susensoftware aus Herzogenaurach, zieht vor Gericht. Heute verhandelt das Landgericht Hamburg den Fall. Dabei geht es um die Frage, ob gebrauchte Softwarelizenzen ohne Einschränkungen weiterverkauft werden können. CFOs dürfte eine Entscheidung zugunsten Susensoftware freuen. Mittlerweile arbeiten laut Onvista über 230.000 Unternehmen in 120 Ländern mit SAP-Software. Sie könnten mit den gebrauchten Lizenzen bares Geld sparen. Für SAP steht dagegen sein hochmargiges Geschäftsmodell auf dem Spiel. Sollte der Weiterverkauf erlaubt werden, müsste der Walldorfer IT-Konzern wohl das Servicegeschäft intensivieren.

Bislang verhindert der Softwareriese SAP den uneingeschränkten Weiterverkauf durch seine allgemeinen Geschäftsbedingungen. „Ich halte einige AGB-Klauseln für illegal, während viele Rechtsanwälte von ‚rechtswidrig‘ oder ‚unwirksam‘ sprechen“, begründet Axel Susen, Geschäftsführer von Susensoftware, die Klage. Die Herzogenauracher klagen wegen Wettbewerbsbehinderung. „Die AGB scheinen so einseitig vorteilhaft für die SAP zu sein, dass im Markt die Hoffnung keimt, Richter in Deutschland könnten sich trauen, die SAP einmal in ihre Schranken zu verweisen“, heißt es in einer Ende Juli veröffentlichten Stellungnahme von Susensoftware.

SAP-Konkurrent Oracle scheiterte gegen UsedSoft

Der Streit um gebrauchte Software-Lizenzen schwelt schon lange und das nicht nur bei Susensoftware. In einem ähnlichen Fall ging der amerikanische SAP-Rivale Oracle gegen UsedSoft vor, das Unternehmen handelt ebenfalls mit gebrauchten Lizenzen. Nach mehr als sechs Jahren landete der Fall im Juli 2012 wieder beim Oberlandesgericht München, nachdem der Europäische Gerichtshof entschieden hatte, dass Softwarelizenzen unter bestimmten Bedingungen weiterverkauft werden dürfen. Daher rechnet sich nun wohl auch Susensoft reelle Chancen gegen SAP aus.

Die Großen der Softwarebranche wie Oracle und SAP befürchten hingegen empfindliche Umsatzeinbußen und sehen ihre Urheberrechte verletzt. Auf Anwenderseite dürften wohl vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zu den Gewinnern. Denn fraglich ist, ob große Unternehmen, die häufig mit komplexen und speziell auf sie zugeschnittenen IT-Systemen arbeiten, tatsächlich von gebrauchten Lizenzen profitieren können.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de