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Zurück zu den IT-Grundlagen

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Zukunft der Eurozone ist ungewiss. Trotz positiver Meldungen in den vergangenen Tagen, sind ein Grexit oder ein Auseinanderfallen der Währungsunion immer noch mögliche Szenarien. Sie bringen Themen wie Währungs- und Kontrahentenrisiken auf den Schreibtisch eines jeden CFOs. Was würde die Einführung einer neuen Drachme für ihr Geschäft bedeuten? Dennoch spiegelt sich das nicht in der IT-Landschaft wider. Anbieter von IT-Lösungen verneinen unisono, dass diese Fragen ihre Kunden umtreiben.
 
“Das Wort Grexit ist mir von Kundenseite noch nicht explizit begegnet”, sagt Martin Bellin, Geschäftsführer der Bellin GmbH. Dennoch bemerkt er in den vergangenen Wochen auf Anfrageseite ein verstärktes Informationsbedürfnis vor allem in Basisfragen des Treasury sowie dem Liquiditäts- und Währungsmanagement. „Ich kann aber nicht sagen, ob das unmittelbar mit dem möglichen Grexit zusammenhängt. Fakt ist, dass die Sensibilität auf Kundenseite deutlich gestiegen ist“, sagt er. Dem stimmt auch Paul Bramwell vom Bereich Treasury Solutions von SunGard zu: „Wir spüren keinen signifikanten Anstieg bei den Anfragen nach Treasury-Management-Systemen aber wir bekommen mehr Fragen von unseren Kunden wie sie ihre Systeme anpassen können, wenn wieder die alten Währungen eingeführt würden.“ Während der Einstieg in die Gemeinschäftswährung organisiert abgelaufen ist, wäre der Ausstieg laut Bramwell ein großes Problem. Für einen möglichen Grexit sollten Corporates daher sicherstellen, dass sie Zugang zu allen Informationen über den Ort und die Liquidität ihrer Assets in Ländern haben, die ein potentieller Ausstiegskandidat aus dem Euro sind.

Kernaufgabe der Finanzabteilung

Demgegenüber sind andere klassische IT-Themen, wie das Kontrahentenrisiko, lange nicht mehr so präsent wie unmittelbar nach der Lehman-Pleite. Anbieter haben bereits Lösungen dafür entwickelt. Zwar wird es immer wichtiger, Länderrisiken genau zu beobachten, aber dabei geht es anders als 2008-2009 eher um das große Ganze. „Wir wissen nicht, was genau passieren würde, wenn ein Land die Eurozone verlässt, sagt auch Jacqui Drew, Senior Solution Consultant bei Reval. Wenn Unternehmen Risiken, sei es durch Banken oder andere Unternehmen, in den Ländern ausgesetzt sind, die aus dem Euro austreten könnten, ist das Ausfallrisiko natürlich besonders hoch.

Solche Risiken zu steuern wird eine Kernaufgabe in der Finanzabteilung. „Daher ermutigen wir unsere Klienten dazu, Kontrahentenrisiken mittels verschiedener Quellen einzuschätzen.“ Ein guter Indikator sei eine Kombination aus CDS-Spreads und Bewertungen der Ratingagenturen. Zusätzlich bekommen Reval-Kunden automatische Updates für ihre Treasury- und Risikomanagement-Systeme, denn das system ist eine SaaS-Lösung.

Jedoch kann auch das beste Rating keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Dessen werden sich Unternehmen zunehmend bewusst.  „2008 kam plötzlich das Thema Bankenliquidität auf, 2009 gab es einen regelrechten Hype zur Bonitätsklassifizierung der Banken aus Unternehmenssicht, der ist jetzt wieder in den Hintergrund getreten“, sagt Bellin. Denn die Krise ist so massiv, dass die Bonität einzelner Banken wenig Aussagekraft für den CFO hat. Sollte der Grexit kommen, „müssen CFOs Schuldtitel in neuen Währungen begeben mit potentiell schlechteren Währungs- und Kreditrisiken“, sagt Bramwell. Das könnte zu unerwarteten Gewinnen, Verlusten oder auch zu nicht abgesicherten oder bislang unerkannten Risiken führen.

Statt einzelner IT-Themen wie Kontrahentenrisiko oder Liquiditätsmanagement treten daher die Basisprobleme wieder in den Vordergrund und damit auch klassische Treasury-Instrumente. Die Frage, die die Finanzabteilungen derzeit am meisten umtreibt, ist, wie das Standardgeschäft bestmöglich ablaufen kann, ganz ohne Schnickschnack.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de