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Der CRO – Rettungsengel oder Totengräber?

Ist der CRO in einer Krise rettender Engel oder doch eher Gegner? Um helfen zu können, muss er in die Strukturen richtig eingebunden sein.
denisismagilov - stock.adobe.com

Gerät ein Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage, stehen häufig Restrukturierungen an, um die Krise zu überwinden und eine drohende Insolvenz abzuwenden. Häufig genutzte Mittel sind dabei etwa Betriebsänderungen, mit denen oft auch ein Personalabbau verbunden ist. Mitunter kann auch der „Werkzeugkasten“ des StaRUG helfen.

„Der CRO wird im Unternehmen zum Teil als ‚ungebetener Gast‘ angesehen.“

Bei der Restrukturierung muss sich ein Unternehmen entscheiden, ob es eigenständig ein Sanierungskonzept erstellt oder eine unternehmensfremde Person hinzuzieht. Oft ist dies ein Interimsmanager, der Chief Restructuring Officer (CRO). Ein solcher externer Manager leitet die Sanierung und kann umfassend Einfluss nehmen – deshalb stößt er häufig auf Widerstand und wird von den im Unternehmen etablierten Personen zum Teil als „ungebetener Gast“ angesehen. Doch zu Unrecht: Gerade bei existenziellen Krisen kann der Einsatz eines CROs sehr sinnvoll sein. Das gilt insbesondere, wenn eine komplexe Restrukturierung mit tiefgreifenden, strukturverändernden Maßnahmen erforderlich ist.

Wie ein CRO eingesetzt wird

CROs sind häufig Führungskräfte, die sich auf die Restrukturierung von Unternehmen spezialisiert haben. Sie sind als Einzelberater oder in einem Beratungsunternehmen tätig. Die Restrukturierer schließen mit dem zu sanierenden Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum einen Vertrag ab – häufig ist dies ein Dienstleistungs- oder Geschäftsbesorgungsvertrag. Während dieser befristeten Beschäftigung ist der CRO dann in der Regel ein Mitglied der Geschäftsführung oder des Vorstands. Bestimmte Schwerpunkte sind möglich: Der Vertrag kann beispielsweise vorsehen, dass der CRO für die Laufzeit des Vertrages die Geschäftsführung der Gesellschaft in allen Fragen der Restrukturierung übernimmt.

Zu den Aufgaben des Interimsmanagers gehören etwa die Umsetzung der geplanten Sanierungsmaßnahmen, die operative Steuerung der Gesellschaft und die Kommunikation mit Geldgebern. Ein CRO sollte daher durch die Geschäftsordnung mit besonderen Befugnissen, etwa mit Vollmachten und Vetorechten, ausgestattet werden, um die Restrukturierung auch ausreichend beeinflussen zu können. Die CROs füllen in der Regel auch für den Erfolg von Turnaround-Maßnahmen kritische Funktionen wie Finanzen und Controlling aus.

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Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Die Einsatzdauer eines CROs richtet sich nach den konkreten Anforderungen des jeweiligen Unternehmens und hängt beispielsweise von der Art des Unternehmens und den geplanten Sanierungsmaßnahmen ab. Der Einsatz kann nur wenige Monate dauern, mitunter benötigt ein Unternehmen aber auch eine jahrelange Unterstützung durch den CRO.

Welche Vorteile kann ein CRO bringen?

Befindet sich das Unternehmen in einer akuten und fortgeschrittenen Krise, ist der Einsatz eines CRO ein effizientes Mittel, um schnelle Unterstützung für die Unternehmensführung zu sichern. Denn erfahrungsgemäß ist es in Krisenzeiten schwierig, Manager von außen zu finden, die dauerhaft in das angeschlagene Unternehmen wechseln möchten. Das kann an der finanziellen Perspektive, einer Vielzahl an notwendigen Sanierungsmaßnahmen oder dem hohen Handlungs- und Zeitdruck liegen. Auch Unternehmensberater sind oft keine Lösung, da diese in der Regel ausschließlich auf die Beratung zur Restrukturierungsplanung spezialisiert sind – nicht aber auf deren konkrete operative Umsetzung. Deshalb bietet sich der Einsatz eines CROs als Restrukturierungsexperte an.

„Der CRO kann gegenüber den Gesellschaftern deutlich freier auftreten.“

Ein weiterer Vorteil: Als externer Dienstleister ist der CRO gerade nicht in die Unternehmensstruktur eingebunden. Daher kann er gegenüber der Geschäftsführung und den Gesellschaftern deutlich freier und flexibler auftreten als ein unternehmensinterner Krisenmanager. Zudem hat der CRO umfangreiche Erfahrung in der Krisenbewältigung und kann so das Führungspersonal des angeschlagenen Unternehmens dabei unterstützen, Lösungsstrategien zu entwerfen und zu implementieren. Dies ist besonders wichtig, wenn das Vertrauen in das bestehende Management sowie in dessen Fähigkeiten zur Krisenbewältigung bereits gelitten hat.

CROs sollten Haftung im Blick behalten

Es liegt in der Natur der Sache, dass beim Einsatz eines CROs bereits ein erhöhtes Insolvenzrisiko für das zu restrukturierende Unternehmen besteht. Damit steigt auch das Haftungsrisiko des Managers. Neben vertraglichen Haftungsausschlüssen, soweit diese möglich und zulässig sind, können CROs ihr Risiko auch durch den Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Organe und leitende Angestellte (D&O-Versicherung) begrenzen.

Weitere Möglichkeiten sind eine Betriebshaftpflichtversicherung und eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Diese sollten Vermögensschäden wegen Schlechterfüllung eines Vertrags sowie Sach- und Personenschäden der Gesellschaft sowie von Kunden der Gesellschaft abdecken.

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