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FINANCE-Resterampe: Graf Zahl gewinnt Cewe-Machtkampf

Bei Cewe tobte in den vergangenen Wochen ein Machtkampf. Foto: Cewe
Bei Cewe tobte in den vergangenen Wochen ein Machtkampf. Foto: Cewe

Zahlen-Machtkampf bei Cewe

Der Online-Fotohändler Cewe hat jedes Jahr in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Viele beschenken ihre Lieben mit den Fotobüchern des Unternehmens. Die wenigsten dürften jedoch von dem Machtkampf mitbekommen haben, der in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen tobte. Rolf Hollander, der langjährige Cewe-CEO, war zuletzt Vorsitzender des Kuratoriums und hatte sich Anfang Dezember in dieser Funktion für weitere vier Jahre wählen lassen. Und dies, obwohl er mit 71 Jahren die Altersgrenze schon überschritten hatte.

Diese Bestellung sei nichtig, weshalb Hollanders Amtszeit am 31. Dezember geendet habe, hieß es in einer Mitteilung von Cewe. Als Beleg gab es darüber hinaus gleich zwei „unabhängige rechtliche Gutachten“. Sicher ist sicher.

Hollander sieht das offenbar anders. Laut FAZ ließe sich die Altersgrenze aushebeln, wenn das Kuratorium mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmt. In der Abstimmung hatte Hollander, der selbst nicht abstimmen durfte, drei von fünf Stimmen erhalten. Also 60 Prozent, was bekanntlich weniger als zwei Drittel sind.

Kurios: Laut FAZ sollen Hollanders Juristen gerechnet haben, dass zwei Drittel von fünf ja genau genommen 3,3 von fünf seien. Abgerundet hätte der langjährige Cewe-Manager also die geforderte Zweidrittelmehrheit erreicht. Gäbe es doch nur Teilzeitmitglieder in dem Kuratorium.

Die FAZ rechnet indes nicht mit einem Rechtsstreit. Denn Hollanders Nachfolger als Cewe-CEO, Christian Friege, hat den Fotobuchhändler verlassen. Seine Nachfolgerin, Coty-Managerin Yvonne Rostock, hatte Hollander noch selbst ausgewählt. Der Posten im Kuratorium könnte für ihn somit verzichtbar geworden sein.

Ein Banker pinkelt im Flugzeug

Bankern eilt nicht der ehrenhafteste Ruf voraus. Bei vielen mag das unberechtigt sein, was ein Mitarbeiter der US-Großbank Wells Fargo gemacht haben soll, ist aber durchaus als verstörend zu bezeichnen. Der laut Augenzeugenberichten stark angetrunkene Shankar Mishra soll während eines Flugs von New York nach Neu-Delhi auf eine 72-jährige Mitreisende uriniert haben.

Die Passagierin habe sich bei der Fluggesellschaft daraufhin beschwert, die Polizei ermittelt nun. Der 34-jährige Mishra soll abgetaucht sein. Über einen Anwalt habe er mitgeteilt, man habe die Angelegenheit geregelt und für die Reinigung der Kleidung und des Gepäcks der Passagierin bezahlt. Also doch ein Ehrenmann.

Der Vorfall ist in englischen Medien als „Pee-Gate“ bekannt. Wells Fargo teilte mit, man habe höchste Maßstäbe an das Benehmen seiner Angestellten. Die Vorwürfe gegen den Manager Shankar Mishra, der als Vice President für die US-Amerikaner aktiv war, seien „zutiefst verstörend“. Mishra wurde von seinen Aufgaben mittlerweile entbunden.

CFO klaut 5 Millionen Dollar über SPACs

Cooper Morgenthau drohen mehrere Jahre im Gefängnis. Er war bis vor kurzem CFO der African Gold Acquisition Corp., einem Special Purpose Acquisition Company (SPAC), das auf Zukäufe afrikanischer Goldminen spezialisiert ist. Der Fonds ist rund 414 Millionen Dollar schwer. Morgenthau soll zunächst rund 1 Million US-Dollar aus dem Geldtopf entwendet haben, um eigene Investments in Krypto-Assets und sogenannte „Meme-Aktien“ (mehr Infos dazu hier) zu tätigen.

Morgenthau hatte kein glückliches Händchen, wie die US-Börsenaufsicht schreibt: „Seine Handelsstrategie war nicht erfolgreich“, sagte die SEC, „er verlor schnell alle gestohlenen Gelder, die er investierte.“ Um seinen Diebstahl zu verschleiern, soll Morgenthau zwei weitere SPACs involviert haben. Alles in allem klaute er 5 Millionen Dollar auf diese Weise.

Morgenthau hat den Diebstahl mittlerweile gestanden. Dem 35-Jährigen drohen nun 20 Jahre im Gefängnis. Zudem muss er die gestohlenen Mittel zurückzahlen und hat in gleicher Summe eine Strafe zu zahlen.

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist der 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.