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Flughafen Frankfurt-Hahn stellt Insolvenzantrag

Der Flughafen Frankfurt-Hahn stellt einen Insolvenzantrag. Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com

Der Regionalflughafen Frankfurt-Hahn hat beim Amtsgericht Bad Kreuznach Insolvenz beantragt. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, ist der erfahrene Restrukturierer Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Er übernimmt diese Position auch für die HHN Airport Technology und die HHN Aviation Security sowie für das Unternehmen JFH Jet Fuel Hahn, für die ebenfalls Insolvenzanträge gestellt wurden. Er wolle nun „die Möglichkeiten für die Sanierung des Unternehmens ausloten“, teilte Plathner mit. Der Betrieb laufe in vollem Umfang weiter.

Zu den Hintergründen der Insolvenz wurde zunächst nichts bekannt – auf der Homepage des Flughafens selbst findet sich zu der Insolvenz keine Mitteilung. Allerdings hat der Flughafen stark unter der Coronakrise gelitten. Von den Rekordjahren mit bis zu 4 Millionen Flugpassagieren war der Flughafen aber auch schon vor der Pandemie schon entfernt, der Kernanbieter Ryanair hatte sein Flugangebot stark reduziert. Erschwerend hinzu kam zuletzt auch noch die wirtschaftliche Schieflage des chinesischen Mutterkonzerns.

Insolvenz-Drama um Frankfurt-Hahn

Haupteigentümer des im Hunsrück gelegenen Regionalflughafens ist seit 2017 der chinesische HNA-Konzern, der 82,5 Prozent der Anteile hält. Die übrigen Anteile liegen beim Land Hessen. Der Großkonzern HNA war Anfang des Jahres unter einem hohen Schuldenberg zusammengebrochen, Gläubiger stellten einen Insolvenzantrag gegen HNA. Eine finanzielle Unterstützung des Regionalflughafens durch den Haupteigentümer dürfte spätestens seitdem keine Option mehr sein.

Im Sommer hatte bereits ein nicht bekannt gewordener Gläubiger Insolvenzantrag gegen den Flughafen Hahn gestellt, diesen jedoch nach einigen Tagen wieder zurückgezogen. Der Antrag dieses Mal stammt offenbar vom Flughafen selbst – laut Insolvenzbekanntmachungen wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung „des Vermögens der Antragstellerin“ angeordnet.

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Das Airport-Management hatte zuletzt noch Medien zufolge betont, man sei ohne Beihilfen und Kurzarbeit durch die Pandemie gekommen. Für Hoffnung sorgten zuletzt Zuwächse im Frachtgeschäft, dennoch war der Ausblick verhalten: Im Bundesanzeiger findet sich mit Datum Juni 2020 die Prognose, dass ein positives Konzernjahresergebnis zwar bis zum Jahr 2024 erreicht werden könne. Das Erreichen des Planziels stehe jedoch „in starker Abhängigkeit von der Dauer der Corona-Pandemie“ und hing auch von der Stellung der Hahn-Gesellschafter ab: „Da die FFHG weiterhin von ihrer Muttergesellschaft finanziell unterstützt werden muss, ist sie in ihrer eigenständigen Entwicklung beeinträchtigt“, hieß es dort. Die Insolvenz des chinesischen Großeigners dürfte demnach nicht spurlos am Flughafen vorbeigehen.

Coronakrise setzt Flughäfen zu

Der Flughafen Hahn ist nicht der einzige regionale Flughafen, der mit der Coronakrise schwer zu kämpfen hat. So hat sich zum Beispiel der Regionalflughafen Paderborn in den vergangenen Monaten durch eine Insolvenz in Eigenverwaltung neu ausgerichtet.

Auch die großen Geschäftsflughäfen leiden: Der Flughafen Düsseldorf hat erst vor kurzem seine Restrukturierung abgeschlossen. Der Frankfurter Flughafen verbrannte phasenweise 460 Millionen Euro in einem Quartal.  

Bereits 2014 durchlief der Regionalflughafen in Zweibrücken ein Insolvenzverfahren. Auch damals war Plathner Insolvenzverwalter. Das Zweibrücker Gelände ging damals für einen nicht genannten Preis an die Trierer Immobilienentwicklungsgesellschaft Triwo. Der Flughafen stellte den kommerziellen Linienverkehr Ende 2014 ein und dient heute als Sonderlandeplatz.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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