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Lichtmiete-Vorstand Sieger geht – mit Brandbrief

Nach nur einem Monat hat Gert Sieger gibt den Vorstandsposten bei der Deutschen Lichtmiete wieder ab.
Nach nur einem Monat hat Gert Sieger gibt den Vorstandsposten bei der Deutschen Lichtmiete wieder ab. Foto: amnat - stock.adobe.com

Der erst Anfang März angetretene neue Vorstand der Deutschen Lichtmiete, Gert Sieger, will seinen Posten nach nur einem Monat schon wieder niederlegen. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf ein Schreiben Siegers. „Das hier ist eine hoch toxische Umgebung, sozusagen das geistige Tschernobyl Deutschlands“, soll Sieger darin drastisch formuliert haben. Der neue Vorstand hatte zu Beginn noch große Pläne gehegt: Das Geschäftsmodell der Lichtmiete könne in einigen Jahren an die Börse geführt werden, lautete seine Vision bei seinem Amtsantritt.

Sieger folgte als Vorstand auf Unternehmensgründer Alexander Hahn. Die Deutsche Lichtmiete, die über Mittelstandsanleihen und Direktinvestitionen insgesamt rund 200 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt hat, sorgt seit Monaten mit einem Hin und Her bei der Restrukturierung für Aufsehen. Nach einer Razzia im Dezember, bei der offenbar auch Konten behördlich gesperrt wurden, stellte das Unternehmen zum Jahreswechsel erstmals Insolvenzantrag. Diesen nahm Gründer Hahn wenige Wochen später überraschend zurück. Kurz darauf stellten einige Investoren und Gläubiger ihrerseits einen erneuten Insolvenzantrag gegen die Lichtmiete – und auch Sieger wurde offenbar aktiv.

Gert Sieger macht Behörden schwere Vorwürfe

Der Vorstand soll sich bei Gericht darum bemüht haben, eine Insolvenz in Eigenverwaltung umsetzen zu können. Das Gericht bestellte aber stattdessen einen starken Insolvenzverwalter. Ein solcher erhält bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren die volle Verfügung etwa über Konten und Waren. Das Management des Unternehmens rückt unter einem starken Verwalter an die Seitenlinie.

Vorstand Sieger sieht die Deutsche Lichtmiete offenbar als Opfer übereifriger Behörden: Es gebe „befremdliche Umstände“ rund um die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, zitiert das „Handelsblatt“ aus einem Schreiben Siegers an die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU). Die Behörde gehe unverhältnismäßig hart gegen das junge Unternehmen vor, das nach Siegers Dafürhalten lediglich an „Kinderkrankheiten“ leide und „den Kapitalbedarf wahrscheinlich unterschätzt“ habe, wie das „Handelsblatt“ zitiert. Die Ministerin solle im Sinne des Unternehmens intervenieren.

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Der Staatsanwaltschaft wirft Siegert vor, sie habe das Geschäftsmodell der Deutschen Lichtmiete schlichtweg nicht verstanden und ihm zudem ein Gespräch verweigert. Die Gutachter der Strafverfolger hätten zur Deutschen Lichtmiete „kompletten Blödsinn“ geschrieben, zitiert die Zeitung den scheidenden Vorstand.

In Siegers Lebenslauf findet sich bereits eine Station, bei der man eine sehr hohe Meinung zu dem Vermieter von Lichtquellen vertrat: Sieger war mehrere Jahre für die KFM Deutsche Mittelstand AG tätig, die die Deutsche Lichtmiete AG noch vor gut einem Jahr als „attraktiv“ bewertete und über einen Fonds auch in die Anleihen der Oldenburger investierte.

Staatsanwaltschaft prüft mögliche Insolvenzverschleppung

Das Intermezzo auf dem Vorstandsposten, obgleich es nur kurz war, könnte für Sieger nun ein folgenschweres Nachspiel haben: Die Staatsanwaltschaft prüft dem „Handelsblatt“ zufolge, ob möglicherweise eine Insolvenzverschleppung vorliegt. Sie prüft den Verdacht, dass Sieger schon bei seiner Berufung von einer andauernden Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Unternehmens gewusst haben könnte. In diesem Fall hätte er umgehend einen Insolvenzantrag stellen müssen, geschehen ist dies aber erst rund eine Woche nach dem Amtsantritt. Sieger weist die Vorwürfe dem Bericht zufolge zurück.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Umfeld der Deutschen Lichtmiete inzwischen gegen acht Personen, es geht um Verdachtsfälle wegen Betrug, Insolvenzverschleppung und Geldwäsche. Um dem insolventen Unternehmen eine Perspektive zu bieten, soll die Investmentbank Rotschild einen Käufer suchen. Bislang – so fürchten die Investoren – könnten den Insolvenzforderungen von rund 200 Millionen Euro lediglich Werte im Volumen von 20 bis 25 Millionen Euro gegenüberstehen.

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