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Restrukturierungsnews: Borgers, Eterna, KfC Uerdingen

Der Autozulieferer Borgers hat seine Finanzen neu geordnet. Auch ein neues Management ist an Bord. Bildquelle: Golf_MHNK.stock.adobe.com

Borgers refinanziert und beruft neues Management

Der Autozulieferer Borgers hat seine Kreditlinien neu geordnet. Neben Altkrediten zählte dazu auch ein durch eine Bund-Länder-Bürgschaft besichertes Corona-Darlehen vom April 2020. Durch die finanzielle Restrukturierung soll die langfristige Fortführung der Gruppe, die in der Coronakrise hohe Verluste angehäuft hat, sichergestellt werden. Die Refinanzierung, die von Latham & Watkins beraten wurde, begleitete noch das Managementteam aus Restrukturierer Ralf Schmitz (CRO) und Stephan Happe (CFO), das seit 2019 im Amt war.

Inzwischen hat Borgers seinen Vorstand neu besetzt, seit Juli führen Matthias Häberle (CFO), Jürgen Otto (CEO) und Andreas Rummert (COO) das Unternehmen. CEO Otto war zuvor seit 2019 CEO der Dräxlmaier Group, davor arbeitete er 25 Jahre lang bei dem Zulieferer Brose. CFO Häberle war unter anderem Finanzchef des Anlagenbauers ALD Vacuum Technologies in Hanau und war im Vorstand des Automobilzulieferers Veritas, der 2020 in die Insolvenz ging und nun verkauft werden soll. Rummert ist seit März 2020 bereits Geschäftsführer der Automotive-Sparte von Borgers.

Eterna will über ein StaRUG-Verfahren sanieren. Quelle: Eterna

Eterna wird erster großer StaRUG-Fall

Der Hemdenhersteller Eterna wird das erste große Unternehmen in Deutschland, das öffentlich in ein StaRUG-Verfahren geht. Dem Restrukturierungsplan zufolge stehen dem Finanzinvestor Quadriga als Hauptgesellschafter und auch den Anleihegläubigern allerdings harte Einschnitte bevor. Die Gläubiger der 25 Millionen Euro schweren Anleihe mit Restlaufzeit bis 2024 sollen eine Abfindungsquote von 10 Prozent erhalten.

Finanziert wird diese über den Hauptgesellschafter Quadriga, der mehr als 80 Prozent an Eterna hält und seit 2015 engagiert ist. Die Quadriga-Investoren verzichten zudem auf Gesellschafterdarlehen über 32,3 Millionen Euro und stellen frisches Eigenkapital über 4 Millionen Euro für die Umlauffinanzierung bereit. Wenn die beteiligten Gläubiger dem Restrukturierungsplan zustimmen, könnte das Verfahren Mitte September beendet werden.

KfC Uerdingen muss ins Insolvenzverfahren

Der Fußballklub KFC Uerdingen 05 hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Krefeld gestellt. Der Schritt sei „unausweichlich“ geworden, nachdem ein „fest zugesagtes Darlehen“ doch nicht bereitgestellt worden sei. Dieses sei ein wichtiger Baustein der Saisonplanung gewesen. Der Verein will dennoch am Spielbetrieb in der Regionalliga teilnehmen, auch wenn der Insolvenzantrag mit dem Abzug von neun Punkten bestraft wird. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Christoph Niering (Kanzlei Niering, Stock, Tömp). Die Kanzlei hat unter anderem bereits die Sanierung von Alemannia Aachen und Fortuna Köln begleitet.

Der Traditionsverein soll spätestens bis zum Ende der Winterpause über einen Insolvenzplan entschuldet werden. Laufende Einnahmen aus Sponsoring, Zuschauereinnahmen, Spenden oder dem Verkauf von Fanartikeln sollen ausschließlich der Fortführung des Vereins dienen und nicht für die Abfindung der Insolvenzgläubiger verwendet werden. Parallel prüfe das Insolvenzteam, ob und in welchem Umfang sich Vermögensgegenstände verwerten lassen, die dann zur Finanzierung des Insolvenzverfahrens und zur Ausschüttung einer Quote an die Gläubiger verwendet werden könnten.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Im Insolvenzverfahren über mehrere Gesellschaften der Unternehmensgruppe des TV-Kochs Alfons Schuhbeck ist Max Liebig (Kanzlei Jaffé) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Er betreut den Catering-Betrieb „Schuhbeck’s Partyservice“, die Gaststättenbetreiber „Am Platzl“ und „Orlando“ sowie die Schuhbeck Holding und den Gewürzhandel „Schuhbecks Gewürze“. Die operativen Geschäfte laufen in allen Betrieben weiter, die Gehälter der insgesamt rund 120 Mitarbeiter sind über die Insolvenzgeldvorfinanzierung bis September gesichert. Gespräche über mögliche Sanierungslösungen für die betroffenen Unternehmen laufen Liebig zufolge bereits. Konkrete Ergebnisse ließen sich noch nicht absehen.

Die Situation beim Eisenwerk Erzgebirge 1566 bleibt schwierig, teilte Insolvenzverwalter Dirk Herzig von Schultze & Braun nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit. Es sei „bislang jedwede Unterstützung von den Eigentümern des Unternehmens, die zur Prevent-Gruppe gehören, ausgeblieben“. Herzig hofft, dass die Kunden einen Beitrag zur Sanierung leisten werden – allerdings forderten die Kunden auch einen Sanierungsbeitrag der Prevent-Gruppe. Ein Interimsmanager von der Beratungsgesellschaft Sycon soll in der kommenden Zeit die Produktionsabläufe koordinieren und effizienter gestalten, um die Kostenstrukturen zu verbessern. Damit soll das Unternehmen für eine Übernahme attraktiver werden.

Distressed M&A-Deals

Der App-Entwickler Nous Wissensmanagement aus Wien übernimmt den Geschäftsbetrieb den Berliner Anbieter von Audioführungen Antenna Audio im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Das Unternehmen wird als Nous Audio weitergeführt, alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Insolvenzverwalter war Florian Linkert von der Kanzlei BBL.

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Distressed M&A

Die Coronakrise bringt einen Boom an Distressed M&A-Deals. Die wichtigsten Besonderheiten bei den Transaktionen und aktuelle Fälle gibt es hier im Überblick.

Die Hamburger Beteiligungsgesellschaft CE Capital Partners will den Geschäftsbetrieb der Stahlgießerei der Friedrich Wilhelms-Hütte Eisenguss übernehmen. Die für die Erbringung von Dienstleistungen und Verwaltungsaufgaben zuständige Gesellschaft Friedrich Wilhelms-Hütte GmbH geht ebenfalls auf CE Capital Partners über. Die Unternehmen hatten im Juni 2020 Schutzschirmverfahren gestartet, Sachwalter war Jan Roth (Kanzlei Wellensiek). Der Verkauf an die neuen Eigentümer wird zum 1. September vollzogen. Die Restrukturierung begleitete Dirk Andres (Kanzlei AndresPartner) als Geschäftsführer. Die Investorensuche begleitete Starkpartners Consulting aus Meerbusch. Über den Kaufpreis und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde Stillschweigen vereinbart. Für CE Capital setzte Klaus Schmitz-Cohnen die Transaktion um.

Die Johanniter übernehmen den insolventen Ambulanten Pflegedienst Melitta Schauland in Wittenberg. Die 30 Arbeitsplätze bleiben laut Insolvenzverwalter Stephan Poppe (Kanzlei Eckert Insolvenzrecht) erhalten. Unternehmensberater Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) hat den Investorenprozess begleitet. Die Johanniter betreiben in Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits mehr als 30 Pflegedienste. Der Betriebsübergang erfolgt zum 1. Oktober.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Goerlich Kunststofftechnik kann sein Schutzschirmverfahren beenden. Das Amtsgericht Dresden hat den Insolvenzplan bestätigt. Die Sanierung wurde durch finanzielle Beiträge des bisherigen Alleingesellschafters sowie zweier neuer Gesellschafter möglich, zur Höhe der Beträge wurde nichts bekannt. Sachwalterin des Verfahrens war Bettina Schmudde (White & Case). Das Unternehmen war vor einem Jahr unter den Schutzschirm gerückt. Als Generalbevollmächtigter begleitete Jochen Sedlitz (Kanzlei Menold Bezler) den Kunststofftechnikspezialisten. 

Hussel kann die Eigenverwaltung beenden. Quelle: Hussel

Die Gläubigerversammlungen haben den Insolvenzplänen der zur Deutsche Confiserie Gruppe gehörenden Unternehmen Arko, Hussel und J. Eilles zugestimmt. Die Unternehmen hatten im Januar die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Sachwalter waren Dietmar Penzlin (Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin) und Tjark Thies (Reimer Rechtsanwälte), beraten haben Markus Kohlstedt und Rainer Eckert (beide Eckert Rechtsanwälte). Das Verfahren soll nun zeitnah beendet werden.

Der Fleischwarenlieferant WFS Wurst-Fleischwaren-Service aus dem hessischen Mörfelden-Walldorf hat nach rund neun Monaten sein Insolvenzverfahren beendet. Nachdem die Gläubigerversammlung den Insolvenzplan einstimmig angenommen hat, hob das Amtsgericht Darmstadt das Insolvenzverfahren auf. Möglich wurde die Sanierung auch durch finanzielle Beiträge des bisherigen geschäftsführenden Gesellschafters, genaue Summen wurden nicht bekannt. Als Chief Insolvency Officer war Franz-Josef Hansen (Bachmann, Hansen, Schuhmann & Partner) eingesetzt. Sachwalter war Alexander Höpfner (AC Tischendorf Rechtsanwälte). Die Eigenverwaltung wurde beraten durch Marc Schneider und Nick Piepenburg (Turnaround Management Partners) sowie Gregor Mönster (Moenster Consult).

Der Maschinenbauer Rieter aus Winterthur in der Schweiz übernimmt die Geschäftsbereiche Accotex und Temco von Saurer Technologies sowie das Geschäft mit automatischen Spulmaschinen von Saurer Spinning Solutions. Dazu wird Rieter sich mit 57 Prozent an Saurer Netherlands, der niederländischen Muttergesellschaft von Saurer Technologies und Saurer Spinning Solutions, beteiligen und die Bereiche ausgründen. Die Ausgliederung soll innerhalb von etwa sechs Monaten erfolgen, anschließend erhält Saurer die 57 Prozent der an Saurer Netherlands von Rieter zurück. Der Kaufpreis für die drei Geschäfte beträgt 300 Millionen Euro ohne liquide Mittel und Schulden. Saurer Technologies und Saurer Spinning Solutions hatten vor wenigen Wochen Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Mit dem Deal wird dieser Antrag nun zurückgenommen. Während der Sanierung wurde Saurer Technologies von der Unternehmensberatung Falkensteg begleitet. Vorläufiger Sachwalter war Jan-Philipp Hoos (White & Case). Heuking Kühn Lüer Wojtek hat das Verfahren rechtlich beraten. Hogan Lovells war als Berater von Saurer Netherlands involviert.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Seit dem Start der Corona-Hilfsprogramme hat die KfW zwischen dem 23. März 2020 und dem 31. Juli 2021 insgesamt 58,6 Milliarden Euro an Darlehen ausgereicht. Das geht aus dem Halbjahresbericht der Bank hervor. Der Großteil der Hilfen wurde von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Anspruch genommen und entfiel auf Darlehen mit Volumina von bis zu 3 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2021 lag die Nachfrage mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro deutlich unter dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, als Unternehmen sich Hilfen über 33,8 Milliarden Euro sicherten.

Der Flughafen in Hamburg erhält 47,3 Millionen Euro Staatshilfe aus einem Hilfspaket für die wichtigsten deutschen Flughäfen, das Bund und Länder aufgelegt haben. Die Summe wird je hälftig vom Bund und der Hansestadt Hamburg getragen.

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Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Der Werkzeugmaschinenhersteller EMAG-Gruppe hat ein Sanierungskonzept verhandelt, um seine Finanzierung neu zu ordnen. Dieses umfasst eine Sanierungsvereinbarung mit insgesamt 17 Kreditinstituten und 40 Schuldscheingläubigern, die zum 31. Juli vollzogen wurde. Details zu der Vereinbarung und zum Volumen der betroffenen Finanzierungen sind nicht bekannt. Latham & Watkins hat bei der Erstellung des Sanierungskonzepts beraten. Die EMAG GmbH & Co. KG als Muttergesellschaft der EMAG-Gruppe hat älteren Geschäftsberichten zufolge 2015 ein Schuldscheindarlehen über 177,5 Millionen Euro aufgenommen, das 2017 um weitere 23,5 Millionen Euro erweitert wurde und in mehreren Tranchen bis 2025 rückführbar war. EMAG durchläuft seit 2020 ein Restrukturierungsprogramm und hat unter anderem Geschäftsbereiche zusammengelegt und 125 Arbeitsplätze am Standort Salach gestrichen.

Der WSF steigt bei der Lufthansa aus. Quelle: Lufthansa

Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) will bis zu 29,9 Millionen Lufthansa-Aktien verkaufen. Er hatte die Papiere im Sommer 2020 deutlich unter dem aktuellen Lufthansa-Aktienkurs für einen Nennwert von 2,56 Euro übernommen, um die Lufthansa in der Coronakrise zu stabilisieren. Die neben weiteren Staatshilfen gewährte direkte Beteiligung an der Airline hatte zuletzt bei 20 Prozent der Anteile gelegen und könnte auf bis zu 15 Prozent absinken.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat im Rahmen des Europäischen Garantiefonds einen Garantievertrag mit der Berenberg Bank abgeschlossen. Die EIB stellt der Bank eine Garantie über 75 Prozent des Erstverlustrisikos für ein Portfolio von Betriebsmittelkrediten im Maximalvolumen von 250 Millionen Euro bereit. Es handelt sich um die erste Transaktion unter dem Dach des Europäischen Garantiefonds in Deutschland. Hengeler Mueller hat die EIB bei der Transaktion beraten.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Der Insolvenzrechtler Andreas Lang ist neu im Stuttgarter Büro der Kanzlei Buse. Er war zuletzt in eigener Praxis tätig und arbeitete zuvor unter anderem für Anchor, Brinkmann & Partner sowie Schultze & Braun. Dem Fachportal „Juve“ zufolge umfasst der Bereich Restrukturierung bei Buse bundesweit elf Partner.

Gleich mehrere auf Restrukturierungen und Insolvenzrecht spezialisierte Juristen verlassen die Kanzlei Menold Bezler und heuern bei Grub Brugger an. Wie Grub Brugger mitteilte, kommen Frank Schäffler, Jochen Sedlitz und Jasmin Urlaub als Partner neu an Bord. Mit ihnen wechseln auch die Assoziierten Partner Felix Rebel und Sebastian Mielke sowie die Associates Ulrich Lägler, Sebastian Schottmüller und Philipp Schwarz. Ob Menold Bezler Nachbesetzungen in dem Bereich plant, ist bislang nicht bekannt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de   

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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