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Restrukturierungsnews: Rubie‘s, Eyemaxx, Schuhbeck

Es wird wieder gefeiert: Nach dem Corona-Einbruch hat der Karnevalsartikelhändler Rubies’s Deutschland neue Eigentümer gefunden. Foto: karepa - stock.adobe.com
Es wird wieder gefeiert: Nach dem Corona-Einbruch hat der Karnevalsartikelhändler Rubies’s Deutschland neue Eigentümer gefunden. Foto: karepa - stock.adobe.com

Rubie’s Deutschland wird verkauft

Der Karnevalsartikelhändler Rubies’s Deutschland hat neue Investoren gefunden. Die Gruppe setzt mit 150 Mitarbeitern in fünf deutschen Gesellschaften und zwei ausländischen Töchtern rund 30 Millionen Euro um. Durch die Absage von Karnevals-, Oktoberfest- und Halloweenveranstaltungen während der Pandemie war der Umsatz massiv eingebrochen, Ende Mai beantragte der Händler die Insolvenz in Eigenverwaltung. Vorläufige Sachwalterin war Marion Rodine (Runkel Rechtsanwälte), Generalbevollmächtigter war Christoph Enkler (Brinkmann & Partner). Advant Beiten hat insolvenzrechtlich beraten. Den Investorenprozess begleitete die Unternehmensberatung Restrukturierungspartner.

An dessen Ende standen Vereinbarungen mit mehreren Investoren: Der operative Geschäftsbetrieb in Deutschland inklusive der Marken Konfetti, Mottoland und Jofrika Cosmetics wird von der MCC Germany Holding übernommen, dort soll einer Mitteilung zufolge „der Großteil der Arbeitsplätze“ erhalten bleiben. Die Betriebsimmobilien in Troisdorf und in Bergisch Gladbach sicherte sich die nordrhein-westfälische Pütz Gruppe. Die tschechische Tochter Peter Dreck wird im Zuge eines Management Buy-outs weitergeführt. Für Rubie‘s Netherlands laufen noch Verhandlungen.

Eyemaxx stellt Insolvenzantrag in Österreich

Der Immobilienkonzern Eyemaxx will sich über ein Verfahren in Österreich sanieren. Das Unternehmen konnte Ende Oktober die Zinsen für seine Anleihe nicht bezahlen. Eyemaxx Real Estate hat neben dem Standort in Aschaffenburg auch einen Verwaltungssitz im österreichischen Leopoldsdorf sowie neben der deutschen Börsennotiz ein Zweitlisting an der Börse Wien. Als Grund für die Schieflage werden Verzögerungen bei Projektentwicklungen und gestiegene Baukosten genannt. Der Konzern war bereits im Frühjahr ins Straucheln geraten.

Inzwischen hat das Gericht in Korneuburg in Österreich das beantragte „Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ eröffnet. Demnach bietet das Unternehmen den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent innerhalb von drei Jahren. Eyemaxx hat allein am Anleihemarkt drei Bonds im Gesamtvolumen von 135 Millionen Euro ausstehen. Parallel machen sich Beratungshäuser und Anlegerschützer unterdessen für einen Fremdinsolvenzantrag in Deutschland stark. Sie fürchten, das österreichische Verfahren sei „sehr zum Nachteil der Anleihegläubiger“.

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Schuhbeck-Kerngesellschaften finden Investor

Weniger als einen Monat nach Eröffnung der Insolvenzverfahren sind die operativen Kerngesellschaften der Schuhbeck Gruppe im Zuge einer übertragenden Sanierung an neue Eigentümer übergegangen. Die Geschäftsaktivitäten werden künftig in der neuen Gesellschaft Schuhbeck’s Company gebündelt. Laut Insolvenzverwalter Max Liebig (Jaffé Rechtsanwälte) bleiben 90 Arbeitsplätze erhalten. Details zum Investor wurden nicht bekannt.

Die übertragende Sanierung umfasst die Aktivitäten der insolventen Betriebe Schuhbeck’s Partyservice (Catering und Eventgastronomie), Schuhbecks Am Platzl (betreibt die Gaststätte „Südtiroler Stubn”), Schuhbecks Gewürze (betreibt drei Einzelhandelsgeschäfte sowie den Handel mit Gewürzen). Nicht fortgeführt wird der Betrieb der Gaststätte „Orlando“ in München.

Eterna kann seine Restrukturierung umsetzen. Foto: Eterna

Eterna-Gläubiger stimmen Restrukturierungsplan zu

Der Restrukturierungsplan des Hemdenherstellers Eterna ist gerichtlich bestätigt und damit rechtskräftig. Gläubiger und Anteilseigner hatten ihn zuvor einstimmig angenommen. Der Plan sieht für die Restrukturierung unter anderem eine Kapitalerhöhung vor, Gesellschafter Quadriga sowie Neu-Investor Robus stellen frische Mittel bereit. Laut Geschäftsführer Henning Gerbaulet sei nun „eine stabile Finanzierung der Eterna Gruppe bis Ende 2025 sichergestellt“.

Unternehmen fahren Schulden wieder zurück

Weltweit haben börsennotierte Unternehmen ihre Verschuldung wieder stark zurückgefahren, ergab der Kearney Restructuring Score, in den Daten von über 68.000 börsennotierten Unternehmen aus 152 Ländern eingeflossen sind. Basis waren die Finanzzahlen zum 30. Juni dieses Jahres. Die Nettoverschuldung der börsennotierten Unternehmen lag im zweiten Quartal 2021 sogar um 15 Prozent unter dem Stand von Herbst 2019 und damit unter dem Vor-Pandemie-Level.

Im Vergleich zum pandemiegetriebenen Höchststand im Frühjahr 2021 hat sich der Restructuring Score global in den letzten vier Quartalen stark erholt und fiel von damals 5,5 auf jetzt noch 4 Punkte. Bei einem Score unter 4 besteht geringer Handlungsbedarf, ein Wert von über 7 zeigt dringenden Handlungsbedarf an. Durch die aktuelle Chip- und Rohstoffkrise könnte der Score allerdings bald wieder steigen.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Eurotech Schwäbisch Gmünd mit 142 Mitarbeitern hat Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Jochen Sedlitz von Grub Brugger bestellt. Ein Sanierungskonzept liegt bereits vor, auch eine Investorenlösung soll nun geprüft werden. Spätestens im ersten Quartal 2022 soll Eurotech das Insolvenzverfahren wieder verlassen können. Juristisch wird Eurotech bei dem Insolvenzantrag von Armin Schneider (Schneider Solutio Rechtsanwaltsgesellschaft) begleitet.

Das E-Mobility-Unternehmen ACM Adaptive City Mobility aus München hat Insolvenzantrag gestellt. Aufgrund der Corona-Pandemie habe sich die Präsentation des Elektrofahrzeugs City One stark verzögert, hieß es zur Begründung. Als Insolvenzverwalter ist Michael Jaffé (Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter) eingesetzt. ACM will nun einen strategischen Partner finden, um sein Produkt zur Serien- und Produktionsreife zu bringen. Die im April gestartete erste Phase der Serienentwicklung des City One soll weitergeführt werden.

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Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Christoph Schulte-Kaubrügger (White & Case) ist vorläufiger Insolvenzverwalter des Berliner Stromanbieters Lition Energie. Das Unternehmen versorgt rund 20.000 Kunden mit Gas und Ökostrom. Schulte-Kaubrügger will nun die Fortführungsmöglichkeiten prüfen.

Der Logistiker Franke Spedition und Lagerung ist insolvent. Hintergrund der finanziellen Schieflage seien verstärkter Wettbewerbsdruck und die Folgen der Corona-Pandemie, hieß es zur Begründung. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christian Willmer (WillmerKöster) bestellt.

Distressed M&A-Deals

Für den fränkischen Automobilzulieferers Bolta-Werke wird ein strukturierter Investorenprozess eingeleitet. Das Unternehmen brauche einen Investor, der Kapital für Investitionen in die Neuaufstellung zur Verfügung stelle, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm (Schultze & Braun) mit. Das Unternehmen beschäftigt am deutschen Standort in Diepersdorf rund 1.000 Mitarbeiter, weltweit sind rund 2.400 Beschäftigte für die Bolta-Gruppe tätig. Die ausländischen Gesellschaften sind nicht von der Insolvenz betroffen.

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist auf Investorensuche. Foto: Markus Mainka – stock.adobe.com

Ein internationaler Investorenprozess soll eine Perspektive für den insolventen Flughafen Frankfurt-Hahn bringen. Erste potentielle Investoren hätten sich bereits aus Eigeninitiative gemeldet, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner (Brinkmann & Partner). Der Investorenprozess werde nun „kurzfristig“ implementiert.

Der Standort und die Arbeitsplätze des Deilinger Unternehmens Hermle Schleiftechnik bleiben im Zuge einer übertragenden Sanierung erhalten. Das Geschäft geht auf die neu gegründete Gesellschaft Hermle Schleiftechnologie über, hinter der Gerhard Hermle sowie Investor Matthias Fischer, Geschäftsführer des Wettbewerbers Wafi Stahltechnologie, stehen. Hermle Schleiftechnik hatte im Juli Insolvenzantrag gestellt, Insolvenzverwalter war Dirk Pehl von Schultze & Braun. Den Investorenprozess begleitete die Unternehmensberatung Restrukturierungspartner.

Die Dorstener Metallbetriebe Hötten Industrie & Services und CHV werden fortgeführt. In einem Investorenprozess setzte sich AS Drives & Services durch, das die Betriebe im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernimmt. Den M&A-Prozess begleitete die Beratung Deal Artist. Die beiden vormals zur Höver-Gruppe gehörenden Unternehmen hatten Ende Juni die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, nachdem zuvor bereits die Höver-Gruppe Insolvenz angemeldet hatte. Die Betriebe waren über Patronatsvereinbarungen und Bürgschaften verflochten. Vorläufiger Sachwalter beider Betriebe war Biner Bähr (White & Case), Sanierungsgeschäftsführer war Norbert Ruthemeyer von der Beratung „Das Werk“.

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Distressed M&A

Die Coronakrise bringt einen Boom an Distressed M&A-Deals. Die wichtigsten Besonderheiten bei den Transaktionen und aktuelle Fälle gibt es hier im Überblick.

Der Geschäftsbetrieb der Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik, die nach eigenen Angaben zu den größten Alkoholproduzenten Deutschlands zählt, wurde im Rahmen eines Asset Deals an einen namentlich nicht genannten Investor übertragen. Insolvenzverwalter war Kai Dellit (HWW), betriebswirtschaftlich begleitete Dr. Wieselhuber & Partner die zweieinhalb Jahre dauernde Betriebsfortführung.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Das Eigenverwaltungsverfahren von Baldwin Technology in Friedberg, einer Tochter der Baldwin Technology Company in den USA, ist abgeschlossen. Die Gläubiger erhalten eine Ausschüttung von 100 Prozent. Der Gesellschafter hat einer Mitteilung zufolge „wesentlich zur Sanierung beigetragen und so die Fortführung des Geschäftsbetriebs gesichert“, Details wurden jedoch nicht bekannt. Baldwin Technology hat die Produktion in Friedberg eingestellt und fokussiert sich dort auf Service, Forschung und Entwicklung, Engineering und Vertrieb. Die Produkte werden künftig von der Schwestergesellschaft Ahlbrandt System gefertigt. Sachwalter der deutschen Gesellschaft war Christian Plail (SGP Schneider Geiwitz), die Geschäftsführung wurde von einem Team um Philip Konen (Pluta) beraten. Den Mutterkonzern beriet Johann von Keussler (Von Keussler Rechtsanwälte).

Das Eigenverwaltungsverfahren über die Gießerei Focast Lüneburg wurde aufgehoben. Die Gläubiger hatten dem von dem Unternehmen vorgelegten Insolvenzplan zuvor bereits zugestimmt. Die zur Ogepar Unternehmensgruppe gehörende Gießerei kann damit die Gussproduktion in Lüneburg mit künftig noch rund 100 Mitarbeitern fortsetzen. Während des Verfahrens ergänzte Hans Fritsche (Kanzlei KSB Intax v. Bismarck) die Geschäftsleitung als Sanierungsgeschäftsführer. Sachwalter war Boris Freiherr von dem Bussche.

Die Charlotte Eismanufaktur muss den Betrieb einstellen. Zuvor hatten sich die letzten verbliebenen Investoren aus dem M&A-Prozess zurückgezogen. Der Betrieb hatte zuletzt noch rund 20 Mitarbeiter. Insolvenzverwalter war Andreas Liebaug von Schultze & Braun.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Ein Gericht in den Niederlanden hat den Unternehmensteil Tennor Holding B.V. des Investors Lars Windhorst für insolvent erklärt und einen Insolvenzverwalter bestellt. Windhorst, in Deutschland insbesondere durch sein Investment in den Fußballklub Hertha BSC bekannt, will gegen die Entscheidung vorgehen. Ein Sprecher teilte gegenüber Medien mit, das Unternehmen sei nicht insolvent, man habe bei Gericht bereits Einspruch eingelegt. Mit dem Antragsteller habe man sich außergerichtlich geeinigt. Der Investor war im Sommer bereits ins Visier der Bafin geraten, die Unregelmäßigkeiten bei einem Vehikel vermutete. Auch diese Vorwürfe wies Windhorst entschieden zurück.

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Insolvenz

Welche Formen der Insolvenz gibt es? Welche Unternehmen sind betroffen? Die wichtigsten Praxistipps und aktuelle Fälle finden Sie hier.

Die Finanzierungsberatung Maturus Finance ist dem Beraternetzwerk „Die Sanierungsexperten“ beigetreten, das Unternehmen in Krisensituationen berät. Maturus soll die Beratung zum Thema alternative Finanzierung verstärken.

Die österreichische Autobank stellt ihren Gläubigern eine hohe Befriedigungsquote in Aussicht. Laut Insolvenzverwalter sei eine Quote von 100 Prozent erreichbar. Vorrangige Gläubigerin ist die Einlagensicherung Austria, die bis Herbst 2023 vollständig befriedigt sein soll. Bis Jahresende 2023 sollen die weiteren Gläubiger folgen.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Nils Derksen, bisher Principal Associate bei Freshfields Bruckhaus Deringer, wird Partner im Bereich Restrukturierungs- und Insolvenzrecht bei Loschelder. Derksen war seit 2014 bei Freshfields und berät im Schwerpunkt zu Insolvenzverfahren, Gesellschaftsrecht und M&A. Unter anderem begleitet er den Insolvenzverwalter von Solarworld beim Verkauf mehrerer in- und ausländischer Assets und DER Touristik beim Erwerb von Teilen aus der Insolvenzmasse der Thomas-Cook-Gesellschaften.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.