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NPL: Alles nicht so schlimm wie erwartet

Der NPL-Bestand soll in diesem Jahr wachsen, aber nicht so stark wie erwartet. Foto: Maks_Lab - stock.adobe.com
Der NPL-Bestand soll in diesem Jahr wachsen, aber nicht so stark wie erwartet. Foto: Maks_Lab - stock.adobe.com

Risikomanager haben für dieses Jahr einen deutlichen Anstieg der notleidenden Kredite erwartet. Obwohl die Zahlen zuletzt gestiegen sind, blicken sie dennoch positiver auf das Jahr als zunächst erwartet. Am deutschen Kreditmarkt zeigt sich ein ambivalentes Verhalten.

Das geht aus dem NPL-Barometer hervor, das im Dezember 2022 von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) sowie der Frankfurt School of Finance & Management erhoben wurde. In der Umfrage werden regelmäßig die Einschätzungen von Risikomanagern deutscher Kreditinstitute zum Markt für Non Performing Loans (NPLs) ausgewertet. Neben KMU-Krediten werden im Barometer auch Konsumentenkredite sowie Kredite für Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien erfasst.

2023: Weniger NPLs als erwartet

Im Sommer vergangenen Jahres blickten die Risikomanager noch kritischer auf das Jahr 2023. „Den ersten negativen Trend könnte man schon ab September sehen, das Hoch kommt dann wahrscheinlich ab 2023“, so BKS-Präsident Jürgen Sonder im Juni 2022.

Nun zeigt sich ein optimistischeres Bild. Die befragten Risikomanager erwarten, dass der Bestand der NPL-Kredite bis Ende 2023 auf 35,3 Milliarden Euro klettern wird – ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber 30,7 Milliarden Euro, die von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) für den September 2022 gemeldet wurden. Im Sommer vergangenen Jahres erwarteten die Risikomanager noch einen Anstieg auf 37,6 Milliarden Euro. „Damit hat sich das Bild etwas aufgehellt“, sagt Sonder nun.

NPL-Forderungen bei KMU sind gestiegen

Und das, obwohl zuletzt mehr NPL-Aktivitäten registriert wurden. Laut dem Barometer ist zum Beispiel der NPL-Bestand im KMU-Bereich von Ende 2021 bis Ende 2022 um 2,7 Prozent gestiegen. Bis Ende 2023 rechnen die Befragten jedoch mit einem geringeren Wachstum von nur 2,4 Prozent. Bis 2024 sollen die NPLs in diesem Bereich dann wieder um 3 Prozent steigen.

Doch auch diese Einschätzung ist positiver als zunächst gedacht. Laut der EBA waren die NPL-Quoten im KMU-Bereich im September 2022 gegenüber dem Juni um jeweils 0,3 Prozentpunkte gestiegen und spiegelten damit die angespannte Lage der deutschen Wirtschaft wider. In der Sommer-Erhebung waren die Befragten allein für Ende 2022 von einer NPL-Quote von 3,0 Prozent ausgegangen und rechneten für Ende 2023 sogar mit 3,7 Prozent.  

Staatliche Maßnahmen bremsen Anstieg von NPLs

Auch wenn dieses Jahr – Stand jetzt – besser laufen soll als erwartet, könnte sich die Situation einfach nur verschieben. Laut der Befragung dürfte das Volumen notleidender Darlehen Ende kommenden Jahres bei 38,1 Milliarden Euro liegen – das wären 24 Prozent mehr als im September 2022.

Insgesamt ist der NPL-Markt derzeit zweigeteilt: Auf der einen Seite verzeichnete der Markt in den vergangenen Monaten steigende NPL-Bestände und NPL-Marktaktivitäten. Auf der anderen Seite sind die Befragten weiterhin zurückhaltend, was die Prognose von NPL-Volumina und NPL-Quoten angeht.

BKS-Präsident Sonder erklärt das mit den staatlichen Hilfsmaßnahmen, die schon während der Coronakrise für eine glimpflichere Situation sorgten. „Möglicherweise hoffen die Risikomanager der Banken auf einen ebensolchen Ausgang, der durch die Gaspreisbremse, erste Marktberuhigungen respektive sich stabilisierende Lieferketten und weitere staatliche Hilfen für Wirtschaft und Verbraucher möglich würde“, schätzt Sonder.

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.