Michael Hedtstück, Autor bei FINANCE für kluge Finanzentscheidungen Tue, 18 Oct 2022 08:50:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 SF 2022: Das sind die Programm-Highlights https://www.finance-magazin.de/finanzierungen/anleihen/sf-2022-das-sind-die-programmhighlights-124521/ Wed, 21 Sep 2022 06:02:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=124521 Auftaktdiskussion der Structured FINANCE: In diesem Jahr gibt es einige Neuerungen und ein Public Viewing. Foto: FINANCE

Ende November steigt die 18. Structured FINANCE, und nun steht auch das Programm fest. Freuen sie sich auf zahlreiche Roundtables und spannende Diskussionsrunden. Das sind die Highlights der SF 2022.

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Auftaktdiskussion der Structured FINANCE: In diesem Jahr gibt es einige Neuerungen und ein Public Viewing. Foto: FINANCE

Ende November steigt die 18. Structured FINANCE, und nun steht auch das Programm fest. Freuen sie sich auf zahlreiche Roundtables und spannende Diskussionsrunden. Das sind die Highlights der SF 2022.

Am 23. und 24. November findet in Stuttgart die 18. Structured FINANCE als volle Präsenzveranstaltung statt. „Sicher finanzieren in stürmischen Zeiten“ ist das Motto. Das Programm der Veranstaltung steht: Es warten spannenden Diskussionsrunden und Roundtables auf Sie. Das sind die Highlights der diesjährigen SF.

CFOs sprechen über stürmische Zeiten

Zunächst eine Neuerung: Zum ersten Mal wird es vor Ort in Stuttgart drei Podiumsdiskussionen geben. Den Auftakt macht traditionell die Diskussionsrunde mit CFOs, in der es diesmal darum gehen wird, worauf es bei der Finanzierung in stürmischen Zeiten wirklich ankommt. Diskutieren werden unter anderem die Finanzchefs Jörg Bremer (KraussMaffei), Jochen Goetz (Daimler Truck), Thomas Löhr (Georgsmarienhütte), Roland Mauss (Oryx Stainless) und Louise Öfverström (ehemals Rolls-Royce Power Systems). Ihre fünf Unternehmen sind allesamt der traditionellen Industrie zuzuordnen, gestörte Lieferketten und explodierende Energiepreise machen ihnen allen zu schaffen. Sie werden berichten, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen und welche Best Practices sich inzwischen ergeben haben.

Gipfel der Firmenkundenbanker bei der SF 2022

Direkt im Anschluss kommt es zum „Gipfel der Firmenkundenbanker“. Die Banken profitieren zwar einerseits von den deutlich steigenden Zinsen, andererseits nehmen die Risiken in ihren Kreditbüchern zu, und das Kapitalmarktgeschäft läuft deutlich schwächer als in den beiden zurückliegenden Jahren. Was bedeutet das für die Kreditvergabe im Firmenkundengeschäft? Und wie verändern die Energiekrise und die verschärften Klimaziele die Vergabe von Finanzierungen? Es diskutieren Dieter Behrens (Deutsche Leasing), Jürgen Harengel (LBBW), Christiane Lübke (BNP Paribas), Jan-Peter Müller (BayernLB) sowie Stephan Ortolf (DZ Bank) und Robert Schindler (Commerzbank).  

Zum Auftakt des zweiten Tages geht es auf dem Podium um die Transformation der Finanzabteilung in Richtung digitale Tools. Viele Unternehmen sind dort noch lange nicht State of the Art und haben teils sogar die Abkehr von Excel noch nicht vollumfänglich hinter sich gebracht. Welche Hürden sie auf diesem Weg überwinden mussten, berichten – flankiert von Digitalisierungsexperten aus Beratungshäusern –  die CFOs Matthias Heiden (Software AG) und Peter Rüth (Amprion) sowie die Senior Partner Rolf Epstein (Deloitte) und Sebastian Niemeyer (Coupa).

Horst Teltschik im On-Stage-Interview

Als Abschluss der SF gibt es wieder ein On-Stage-Interview. Das drängendste Makro-Thema hat Russlands Präsident Wladimir Putin im Februar mit dem Einmarsch in die Ukraine vorgegeben. Welche Folgen haben der Ukraine-Krieg und die Rückkehr zu der alten Blockkonfrontation für die Sicherheitsarchitektur in Europa? Wie groß ist die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts über die Ukraine hinaus? Und ließe sich Russland durch eine massive Aufrüstung der Nato überhaupt dauerhaft in seiner aggressiven Außenpolitik einhegen?

Diese Sicherheitsfragen wirken sich schon jetzt massiv auf die deutschen Unternehmen aus, beispielsweise durch den De-facto-Abbruch der Handelsbeziehungen mit Russland und die Kappung der Gaslieferungen durch Gazprom. Interviewpartner sind der Doyen der deutschen Sicherheitspolitik Horst Teltschik und die frühere Nato-Chefstrategin Stefanie Babst.

Nachhaltigkeit und Finanzierung in Krisenzeiten

Insgesamt dürfte es in diesem Jahr bei der SF wieder mehr als 100 Roundtables und Stände in der Ausstellung geben. Dabei werden vielfältige Themen diskutiert. Passend zur derzeitigen Krisensituation berichtet unter anderem CFO Joachim Kaltmaier (Adolf Würth) über das Thema Stabilität im Kreditrating. Im Themencluster Risikomanagement gibt Thomas Nübel (Head of Financial Risk and Reporting bei RWE) Einblick in die Analyse von Inflationsrisiken.

Im Themencluster Finanzierung referiert beispielsweise CFO Maximilian Graf von Oppersdorf (CFO bei Hipp Holding) über den zusammenhängenden Einsatz von Konsortialkredit, Schuldschein und Private Debt. Und die Referenten Sebastian Lappe (Head of Corporate Capital Markets & Project Financing bei Deutsche Lufthansa), Liam O’Caoimh (Head of Treasury Operationsbei Adecco Group) und Olaf Weber (Head of Finance and Treasury bei Vonovia) widmen sich in ihrem Roundtable einer erfolgreichen Equity-Finanzierung.

Ein weiteres Highlight in den Sessions wird das Thema „Corporate Treasury in Zeiten digitaler Währungen“ sein, zu dem sich die vier Referenten Rolf Landkammer (Head of Group Finance bei Holzbrinck Publishing), Heinz-Günter Lux (Digital Strategist bei Evonik), Marc Andre Mohn (Director Corporate Treasury bei Adidas) und Niko Sarge (Finanzreferent bei Otto Group) äußern werden. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird in vielen Roundtables eine Rolle spielen. So wird sich zum Beispiel Severin Weig (Treasury Manager bei HeidelbergCement) mit der Reduktion von CO2-Emissionen und deren Auswirkung mit der Bonitätsbeurteilung befassen und Michael Spieler (Senior Vice President bei Uniper) zur schnellen Umsetzung von ESG-Investitionen und nachhaltige Bestandserweiterungen referieren.

Public Viewing Deutschland gegen Japan

Auch Fußballfans müssen auf nichts verzichten: Zum WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan am ersten Tag der SF gibt es ein Public Viewing. Abends findet dann der Galaabend mit der Ehrung des CFO des Jahres und des Treasury des Jahres statt.

Zur Anmeldung für die SF geht es hier. Zudem sind aktuell in der Nähe der Stuttgarter Messe auch noch Zimmer aus den SF-Hotelkontingenten frei. Das gesamte SF-Programm ist hier zur Online-Ansicht verfügbar.  

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Der Rettungsplan für Uniper steht https://www.finance-magazin.de/finanzierungen/restrukturierung/der-rettungsplan-fuer-uniper-steht-126248/ Fri, 22 Jul 2022 09:20:43 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=126248 Der Rettungsplan für Uniper steht. Foto nmann77 - stock.aodbe.com.

Die langen Verhandlungen über das staatliche Rettungspaket für Uniper sind abgeschlossen. So sieht das Paket aus KfW-Kredit, Mezzanine-Kapital und direktem Aktienerwerb aus.

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Der Rettungsplan für Uniper steht. Foto nmann77 - stock.aodbe.com.

Die langen Verhandlungen über das staatliche Rettungspaket für Uniper sind abgeschlossen. So sieht das Paket aus KfW-Kredit, Mezzanine-Kapital und direktem Aktienerwerb aus.

Die Bundesregierung hat die wesentlichen Eckpunkte des Rettungsplans für den vom Kollaps bedrohten Gashändler Uniper vorgelegt. Der wichtigste Punkt darin ist die Zufuhr erheblicher Liquidität, um den Energiekonzern zu stabilisieren. Zu diesem Zweck erhält Uniper eine weitere Kreditlinie der KfW in Höhe von 7 Milliarden Euro. Außerdem hat der Bund erklärt, Uniper unter bestimmten Bedingungen weitere finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, falls der Liquiditätsbedarf noch höher ausfallen sollte. Eine bereits bestehende KfW-Linie in Höhe von 2 Milliarden Euro hatte Uniper am vergangenen Montag voll gezogen, was die Sorgen um die Widerstandsfähigkeit des Konzerns weiter erhöht hatte.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält eine schnelle Liquiditätszufuhr auch aus Gründen der Versorgungssicherheit für dringend geboten, schließlich hatte Uniper in den vergangenen Tagen Gasvorräte aus den Speichern des Konzerns angezapft, um diese Mengen nicht teuer am Spotmarkt einkaufen zu müssen. Dies schonte zwar die Liquidität des Konzerns, allerdings müssen die Speicher jetzt unbedingt weiter gefüllt werden, damit es im Winter nicht zu einem Gasmangel kommt. „Wir müssen Uniper anders stabilisieren“, sagte Habeck, als er von den Gasentnahmen des Konzerns erfuhr.

Mezzanine-Spritze soll Investmentgrade-Rating bewahren

Im Lauf der nächsten Zeit sollen die KfW-Linien mit Mitteln zurückgezahlt werden, die aus einer Pflichtwandelanleihe stammen. Diese Papiere soll Uniper im Umfang von 7,7 Milliarden Euro an den Bund ausgeben. Die Ausgabe erfolgt in Tranchen, soweit es der Liquiditätsbedarf der Uniper erfordert.

Sie müssen allerdings so ausgestaltet werden, dass die Ratingagenturen sie als Eigenkapital werten. Der Hintergrund: Ein Erhalt des Investmentgrade-Ratings ist für Unipers Gashandelsgeschäft essenziell, und die Ratingagentur S&P hatte vor wenigen Tagen angekündigt, dieses Rating auf den Prüfstand stellen zu müssen, sofern nicht kurzfristig eine eigenkapitalstärkende Auffanglösung für Uniper gefunden wird.

Der Bund beteiligt sich aber wie erwartet auch direkt am Aktienkapital von Deutschlands größtem Gasimporteur. Er erwirbt eine Beteiligung in Höhe von 30 Prozent, Kaufpreis ist der Nennwert je Aktie von 1,70 Euro. Dadurch fließen Uniper zwar nur vergleichsweise geringe Mittel in Höhe von 267 Millionen Euro zu, aber wegen des niedrigen Bezugspreises kann der Bund dadurch trotzdem eine Sperrminorität aufbauen. Zum Vergleich: Der Börsenkurs der Uniper-Aktie lag zuletzt bei rund 10 Euro und kletterte im Nachgang der heutigen Vollzugsmeldung auf über 11 Euro.

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Uniper

Uniper leidet unter den gedrosselten Gaslieferungen und erhöhten Energiepreise. Alle Artikel zu Uniper finden Sie hier.

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Unipers Hauptaktionär Fortum wird stark verwässert

Vor der verwässernden Kapitalerhöhung lag der Großteil der Aktien (78 Prozent) in den Händen des finnischen Staatskonzerns Fortum. Sollte Uniper nicht dazu in der Lage sein, die Inanspruchnahme der Pflichtwandelanleihen, die der Bund zeichnen will, möglichst gering zu halten, würde Fortums Anteil weiter sinken.

Doch auch dies ist in dem Rettungspaket adressiert worden: Fortum bekommt das Recht eingeräumt, dem Bund bis zu 70 Prozent der Pflichtwandelanleihe abzukaufen. Im Gegenzug würden Fortums Rückzahlungsansprüche aus Krediten an Uniper an den Bund fallen. Der Vorteil dieser Lösung wäre, dass sich das Fremdkapital dann noch stärker bei dem wesentlichen Gläubiger – dem Bund – konzentrieren würde. Fortum bekäme im Gegenzug die Möglichkeit, die Verwässerung seines Anteils zu begrenzen.

Fortum hatte ursprünglich darauf gedrungen, Unipers deutsches Gashandels- und Stromerzeugungsgeschäft komplett an den Bund abzuspalten, damit der Konzern im Gegenzug weiterhin die Kontrolle über die restlichen Uniper-Assets behalten könnte. Darunter sind zum Beispiel Kernkraftwerke in Skandinavien, die für Uniper strategisch interessant sind. Aus Verhandlungskreisen sickerte jedoch durch, dass der Bund dazu nur bereit gewesen wäre, wenn Fortum eine hohe Einmalzahlung in mittlerer einstelliger Milliardenhöhe geleistet hätte, um den Bund für die alleinige Übernahme der Risiken aus dem Gashandelsgeschäft zu entschädigen.    

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Der L-Bank droht eine BaFin-Sonderprüfung https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/der-l-bank-droht-eine-bafin-sonderpruefung-126076/ Wed, 20 Jul 2022 09:20:46 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=126076 Zentrale der L-Bank in Karlsruhe: BaFin ante portas? Foto: L-Bank

Die L-Bank ist ins Visier der Finanzaufsicht geraten. Der Förderbank drohen strengere Eigenkapitalvorgaben und vielleicht sogar eine Sonderprüfung durch die BaFin.

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Zentrale der L-Bank in Karlsruhe: BaFin ante portas? Foto: L-Bank

Die L-Bank ist ins Visier der Finanzaufsicht geraten. Der Förderbank drohen strengere Eigenkapitalvorgaben und vielleicht sogar eine Sonderprüfung durch die BaFin.

Die L-Bank, die Förderbank des Bundeslandes Baden-Württemberg, bekommt gleich auf zweierlei Weise Druck von der Finanzaufsicht: Zum einen muss Deutschlands viertgrößtes Förderinstitut seine Eigenkapitalquote um die Hälfte aufstocken, zum anderen erwägt die BaFin, die L-Bank einer Sonderprüfung zu unterziehen. Dies berichtet das „Handelsblatt“.

Der finanzielle Teil der Auflagen scheint für die Karlsruher leichter zu bewältigen zu sein als der organisatorische. Die Aufseher verlangen eine Aufstockung der Eigenkapitalquote von 8 auf 12 Prozent – eine Forderung, der die L-Bank nach eigener Aussage „ohne Einschränkung ihres Geschäftszweckes“ nachkommen könne. Die L-Bank fördert die Finanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen sowie den Bau von Wohnungen und Infrastruktur.

Die BaFin begründet die Aufforderung, mehr Eigenkapital zu bilden, mit „Risiken“, die „identifiziert“ worden seien. Dabei gehe es um Zinsänderungsrisiken, aber auch um solche mit Bezug auf die Risikotragfähigkeit der L-Bank.

L-Bank hatte Probleme mit Corona-Soforthilfen

Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die L-Bank von zurückliegenden Problemen rund um die Auszahlung der Corona-Soforthilfen im Jahr 2020 eingeholt wird. Damals kam in vielen Fällen schnell Betrugsverdacht auf, doch die Bank brauchte lange, um ihre Prozesse so auszurichten, dass sie die Strafverfolgungsbehörden angemessen mit Informationen versorgen und unterstützen konnte. Dies lag auch an unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Rechts- und Compliance-Abteilung, was die Reaktion der Bank dem Vernehmen nach verzögerte.

Sollte es tatsächlich zu einer Sonderprüfung durch die BaFin kommen, dürfte sich diese laut „Handelsblatt“ auf die IT- und IT-Compliance-Strukturen der Bank konzentrieren, die es auf eine Bilanzsumme von rund 90 Milliarden Euro bringt. Damit ist die L-Bank die fünfzehntgrößte Bank Deutschlands. Ein Banksprecher stellte gegenüber dem „Handelsblatt“ klar, dass die BaFin noch keine Sonderprüfung angeordnet habe, die Bank aber dazu bereit sei, „etwaig adressierte Mängel aufzuarbeiten“, sollte es in den nächsten Monaten dazu kommen.     

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Wie sollen CFOs mit dem Zinsschock umgehen? https://www.finance-magazin.de/finanzierungen/kapitalmarkt/wie-sollen-cfos-mit-dem-zinsschock-umgehen-123595/ Thu, 14 Jul 2022 05:59:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=123595 Die Führung der EZB hat mit der Zinswende zu lange gewartet, jetzt ist der Zinsschock da. FINANCE-Kolumnist Kornelius Purps sagt, was Finanzchefs jetzt unbedingt tun sollten. Foto: Anita Gläßner / stock.adobe.com

Die Zinswende verläuft schneller und heftiger als erwartet, bei Finanzchefs und am Kapitalmarkt macht sich Verunsicherung breit. Was jetzt unbedingt getan werden sollte.

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Die Führung der EZB hat mit der Zinswende zu lange gewartet, jetzt ist der Zinsschock da. FINANCE-Kolumnist Kornelius Purps sagt, was Finanzchefs jetzt unbedingt tun sollten. Foto: Anita Gläßner / stock.adobe.com

Die Zinswende verläuft schneller und heftiger als erwartet, bei Finanzchefs und am Kapitalmarkt macht sich Verunsicherung breit. Was jetzt unbedingt getan werden sollte.

Wer seine Karriere in der Finanzabteilung im August 2011 oder später begonnen hat, erlebt in diesen Tagen eine Premiere: Zum ersten Mal seit über elf Jahren wird die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Eine weitere, noch kräftigere Zinserhöhung stellte EZB-Präsidentin Christine Lagarde für September in Aussicht, falls der Inflationsdruck bis dahin nicht nachlassen sollte.

Für die EZB ist das ein deutlicher Kurswechsel in der bisherigen Geldpolitik. Lange Zeit haben sich Europas Notenbanker im Vergleich zur Fed mit Zinserhöhungen zurückgehalten, auch weil die Inflationsdynamik in Europa deutlich später eingesetzt hat als in den USA. Zudem musste das billionenschwere Anleihekaufprogramm zunächst beendet werden, ohne die Finanzmarktstabilität zu gefährden.

Die erste Zinserhöhung ist Vorbote eines umfassenden Richtungswechsels bei den Zinsen, den der Kapitalmarkt in Form deutlich steigender Anleihezinsen bereits stark vorweggenommen hat. Der ursprüngliche Plan der EZB, die Geldpolitik „graduell“ zu normalisieren, ist angesichts dessen und von Inflationsraten jenseits der 7 Prozent passé.

Nun zeigen Lagarde & Co. sogar eine größere Toleranz gegenüber einem schwachen Wirtschaftswachstum. Wahrscheinlich ist, dass die EZB-Leitzinsen bis zum nächsten März um insgesamt 175 Basispunkte gestrafft werden. Und weil mittlerweile immer mehr Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Inflation nicht nur ein vorübergehendes Phänomen ist, wird es immer wahrscheinlicher, dass die EZB länger als bisher erwartet „hawkish“ bleibt.

Diesmal ist die Zinswende echt

Die Renditen im Euroraum hat diese Zeitenwende stark in die Höhe getrieben. So befinden sich die Swapmärkte aktuell bereits in der dritten „Aufwärtswelle“ innerhalb von nur sechs Monaten.

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Private-Equity-Branchenfonds werden populär https://www.finance-magazin.de/banking-berater/private-equity/private-equity-branchenfonds-werden-populaer-124640/ Wed, 13 Jul 2022 05:57:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=124640 Der Recruiter Ron Weihe sieht große Verdienstmöglichkeiten und Anziehungskraft bei den emporschießenden Private-Equity-Branchenfonds. Foto: Spencer Stuart

Auf einzelne Branchen spezialisierte Private-Equity-Fonds werden sowohl bei Investoren als auch bei karrierehungrigen Dealmakern populär. Das sind ihre Trümpfe, ihre Wünsche – und ihre finanziellen Lockmittel.

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Der Recruiter Ron Weihe sieht große Verdienstmöglichkeiten und Anziehungskraft bei den emporschießenden Private-Equity-Branchenfonds. Foto: Spencer Stuart

Auf einzelne Branchen spezialisierte Private-Equity-Fonds werden sowohl bei Investoren als auch bei karrierehungrigen Dealmakern populär. Das sind ihre Trümpfe, ihre Wünsche – und ihre finanziellen Lockmittel.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Klasse von Private-Equity-Fonds, die in der riesigen Industrie aber immer noch ein Nischendasein fristet: spezialisierte Branchenfonds. Ihre Namen sind nicht so bekannt wie die der großen, weltweit agierenden Private-Equity-Häuser, aber sie sind im Kommen – und sie beginnen, ihre Vorteile nicht nur beim Dealsourcing, sondern auch beim Ausbau ihrer Mannschaften auszuspielen. 

„Die Branchenfonds sind keineswegs abgekoppelt vom War for Talents im Private-Equity-Geschäft, aber ihre Differenzierung hilft ihnen beim Anwerben neuer Mitarbeiter deutlich“, berichtet der erfahrene Private-Equity- und Corporate-Finance-Headhunter Ron Weihe, der bei der Personalberatung Spencer Stuart die Financial-Services-Practice in Deutschland leitet. Ihre Trümpfe sind in erster Linie Pioniergewinne sowie gute Aussichten beim Dealflow und beim so genannten „Carry“, aber auch noch einige mehr.

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Adler-Aufräumer Kirsten: „Ich ziehe das jetzt durch!“ https://www.finance-magazin.de/restrukturierung/adler-aufraeumer-kirsten-ich-ziehe-das-jetzt-durch-123579/ Mon, 11 Jul 2022 05:56:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=123579 CFO-Veteran Stefan Kirsten hat sich unter großem persönlichem Risiko ins Chaos bei der Adler Group gestürzt. Glaubt er noch an das Gelingen seiner Mission? Das große FINANCE-Interview. Foto: Adler

Ex-Vonovia-CFO Stefan Kirsten muss als Verwaltungsratschef beim Immobilienkonzern Adler zahllose Brände löschen. Mit FINANCE sprachen er und Interims-CFO Thomas Echelmeyer über persönliche Risiken, schwarze Löcher und „Irritationen“ mit KPMG.

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CFO-Veteran Stefan Kirsten hat sich unter großem persönlichem Risiko ins Chaos bei der Adler Group gestürzt. Glaubt er noch an das Gelingen seiner Mission? Das große FINANCE-Interview. Foto: Adler

Ex-Vonovia-CFO Stefan Kirsten muss als Verwaltungsratschef beim Immobilienkonzern Adler zahllose Brände löschen. Mit FINANCE sprachen er und Interims-CFO Thomas Echelmeyer über persönliche Risiken, schwarze Löcher und „Irritationen“ mit KPMG.

Herr Kirsten, im Februar haben Sie den vielleicht schwierigsten Job übernommen, den der Kapitalmarkt in Deutschland in diesem Jahr zu bieten hat: als Verwaltungsratschef des Immobilienkonzerns Adler. Seitdem gab es Kursstürze, neue Vorwürfe des Shortsellers Fraser Perring und als Krönung Ende April ein nicht erteiltes Bilanztestat. Hatten Sie damals, als Sie antraten, eine Vorstellung vom Ausmaß der Probleme bei Adler?

Kirsten: Zwischen der Erstansprache und meiner Ernennung lagen ungefähr zwei Wochen, in denen ich mich – da ich eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben hatte – auch mit Anwälten und Strafrechtlern zu den Vorwürfen ausgetauscht habe, die bei Adler im Raum standen. Ich war mir sicher, dass Adler kein Kriminalfall ist und das Risiko, dort dabei zu sein, nicht extrem ist. Ich habe mir aber keine Illusionen über die Schwere der Aufgabe gemacht. Adler ist in der Vergangenheit viel zu schnell gewachsen, es gab ein Führungsvakuum, das eine Folge des Nicht-Integrierens von Akquisitionen war. Da war die Verwaltung zu lasch. Außerdem sind die internen Prozesse weit weg vom State of the Art. Dabei war die Deadline für den Abschluss der forensischen Prüfung, die damals schon monatelang lief, ausgesprochen knapp. Kurz: Mir war klar, dass das ein knappes Rennen wird. Deshalb habe ich vom ersten Tag an das Zepter in die Hand genommen.

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„Lex Uniper“: Rettungsplan für Gashändler fast fertig https://www.finance-magazin.de/finanzierungen/ukraine-krieg/lex-uniper-rettungsplan-fuer-gashaendler-fast-fertig-124721/ Wed, 06 Jul 2022 07:58:04 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=124721 Die Hilfe von der Bundesrepublik für den Gashändler Uniper scheint in Berlin in den letzten Zügen zu liegen. Foto: Uniper

Mit heißer Nadel wird an der Rettung des Gashändlers Uniper gearbeitet. Es zeichnet sich eine Lösung wie bei der Lufthansa ab: eine milliardenschwere stille Beteiligung des Bundes, abgesichert durch eine Direktbeteiligung zu einem für die Aktionäre bitteren Preis.

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Die Hilfe von der Bundesrepublik für den Gashändler Uniper scheint in Berlin in den letzten Zügen zu liegen. Foto: Uniper

Mit heißer Nadel wird an der Rettung des Gashändlers Uniper gearbeitet. Es zeichnet sich eine Lösung wie bei der Lufthansa ab: eine milliardenschwere stille Beteiligung des Bundes, abgesichert durch eine Direktbeteiligung zu einem für die Aktionäre bitteren Preis.

Die unter Hochdruck voranschreitenden Bemühungen, Deutschlands größten Gashändler Uniper mit Staatshilfen zu retten, stehen laut einem Bericht des „Handelsblatts“ kurz vor Abschluss. Uniper hatte vor einer Woche Berlin um Hilfe gerufen, weil die rückläufigen Gaslieferungen aus Russland den Konzern in schwere Bedrängnis bringen. Uniper muss das aus Russland nicht mehr ankommende Gas zu Höchstpreisen durch Käufe am Spotmarkt ersetzen, kann es aber nur zu den in der Vergangenheit vereinbarten, viel niedrigeren Preisen an seine Kunden weitergeben.

Laut Analystenschätzungen verliert Uniper dadurch jeden Tag bis zu 40 Millionen Euro an Cash. Es wird befürchtet, die Ex-Eon-Tochter könne finanziell „ausbluten“, sofern sie nicht schnell Finanzspritzen vom Bund bekommt. „Wir haben Instrumente entwickelt, die es dafür braucht und sind mit allen im Gespräch“, antwortete Bundeskanzler Olaf Scholz am gestrigen Dienstagabend auf Fragen rund um Uniper.

Wie viele Milliarden braucht Uniper?

Nun zeichnet sich ab, dass die Rettungsaktion von Uniper jener der Lufthansa während des ersten Corona-Lockdowns ähneln könnte. Dem „Handelsblatt“ zufolge soll ein Beteiligungsvehikel gegründet werden, das wie der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) funktioniert, der unter anderem die Lufthansa mit Kapitalerhöhungen und stillen Beteiligungen über Wasser hielt – eine „Lex Uniper“, wie es in Regierungskreisen heißt.

Dieser neue Fonds könnte Uniper eine stille Beteiligung zwischen 3 und 5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, abgesichert durch eine Sperrminorität von rund 25 Prozent. Ähnlich wie bei der Lufthansa würde der Bund diesen Anteil aber nicht zu Preisen rund um den aktuellen Börsenkurs, sondern zum Nennwert der Aktien aufbauen. Dieser beträgt bei Uniper 1,70 Euro, während die Aktie aktuell rund 10 Euro wert ist. Das Aktieninvestment des Bundes würde in etwa 150 Millionen Euro erreichen.

Wie schon bei der Lufthansa sollen auch Uniper Anreize gesetzt werden, die stille Beteiligung so schnell wie möglich zurückzuführen, damit der Bund im nächsten Schritt dann auch seine Direktbeteiligung mit Gewinn wieder am Markt verkaufen könnte. Unipers finnischer Großaktionär Fortum (Anteil: 78 Prozent) unterstützt dem Vernehmen nach dieses Rettungskonzept.

KfW-Linie für Uniper könnte aufgestockt werden

Mit der konkreten Umsetzung des Rettungsplans muss aber wahrscheinlich noch gewartet werden, bis der Bund das Energiesicherungsgesetz überarbeitet hat. Dort soll unter anderem geregelt werden, in welchem Tempo und in welchem Ausmaß Uniper künftig die explodierten Beschaffungspreise an seine Kunden – hauptsächlich Industriebetriebe und Stadtwerke – weitergeben darf. Dies sei entscheidend für die Höhe der Finanzlücke, die bei Uniper geschlossen werden müsse, heißt es in Regierungskreisen.

Nachdem Fortum Uniper bereits 8 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung gestellt hat, steht den Düsseldorfern derzeit auch noch eine KfW-Kreditlinie von 2 Milliarden Euro zur Verfügung. Sollte sich die Liquiditätslage zuspitzen, bevor die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Uniper-Rettung geschaffen werden konnten, könnte die KfW-Linie kurzfristig um mehrere Milliarden Euro aufgestockt werden, heißt es in dem Pressebericht.

Der Aktienkurs von Uniper ist hoch volatil. Anfang Juni, bevor Russland den Gasfluss durch die Pipeline Nord Stream 1 drosselte, notierte die Aktie noch bei über 20 Euro. Als der Konzern vergangene Woche Staatshilfe ins Gespräch brachte, ging der Kurs von 16 auf 14 Euro zurück. Am Montagabend eskalierte die Situation dann mit einem Kurseinbruch von 15 auf 11 Euro. Der „Handelsblatt“-Bericht über einen bevorstehenden Staatseinstieg zum Nennwert der Aktien drückte Uniper dann unter die 10-Euro-Marke.     

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Carried Interest: Das schärfste Schwert von Private Equity? https://www.finance-magazin.de/banking-berater/private-equity/carried-interest-das-schaerfste-schwert-von-private-equity-124191/ Tue, 05 Jul 2022 06:01:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=124191 Headhunter Andreas Krischke: Ist Carried Interest das schärfste Schwert von Private Equity? Foto: Indigo

Es sind vor allem die Renditebeteiligungen, die die Arbeit bei Private-Equity-Fonds finanziell attraktiv machen. Welche Strukturen dieses „Carrys“ entfalten gerade die stärksten Wechselanreize für die besten Talente?

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Headhunter Andreas Krischke: Ist Carried Interest das schärfste Schwert von Private Equity? Foto: Indigo

Es sind vor allem die Renditebeteiligungen, die die Arbeit bei Private-Equity-Fonds finanziell attraktiv machen. Welche Strukturen dieses „Carrys“ entfalten gerade die stärksten Wechselanreize für die besten Talente?

Im Gehaltsrennen mit M&A-Beratern und Investmentbanken hat Private Equity einen großen Trumpf: den Carried Interest (kurz: Carry). Über den Carry werden die verantwortlichen Investment Manager eines Private-Equity-Hauses ab einer gewissen Mindestrendite („Hurdle Rate“) an den Erträgen eines Fonds oder sogar einzelner Investments beteiligt.

Bei erfolgreichen Fonds kann der Carry einen erheblichen Anteil der Gesamtvergütung bestimmter Mitarbeiter ausmachen – allerdings über einen langen Zeitraum gerechnet, denn der Carry kann meist erst nach vielen Jahren ausgezahlt werden. „Der Carry ist wahrscheinlich der stärkste einzelne Anreiz für Seiteneinsteiger im Private-Equity-Geschäft“, weiß Andreas Krischke, Gründer der Beratungsfirma Indigo, aus seiner langjährigen Berufserfahrung als Private-Equity-Headhunter.

Die Krux: Nicht alle Finanzinvestoren nutzen die ganze Kraft des Carrys aus, um ihr Team personell besser aufzustellen. Und in der aktuellen Marktlage, die nicht mehr nur von zunehmendem Personalmangel gekennzeichnet ist, sondern der Private-Equity-Branche jetzt auch noch die Herausforderung einer harten Zinswende eingebrockt hat, droht der Carry sogar vom Trumpf zur Gefahr zu werden, die besten Nachwuchsleute an die Konkurrenz zu verlieren, warnt Krischke.

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RSM will mit Zukäufen die Konkurrenz einholen https://www.finance-magazin.de/banking-berater/next-six/rsm-will-mit-zukaeufen-die-konkurrenz-einholen-123886/ Thu, 30 Jun 2022 07:14:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=123886 Das WP- und Beratungshaus RSM ist auch 2021 wieder zweistellig gewachsen. Dennoch wird der Weg in die Top 10 der deutschen WP-Szene nicht kürzer. Foto: RSM

Auch im vergangenen Jahr ist es dem WP- und Beratungshaus RSM wieder gelungen, aus eigener Kraft zweistellig zu wachsen. Jetzt sollen Übernahmen den nächsten Umsatzkick bringen – und die Prüferrotation.

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Das WP- und Beratungshaus RSM ist auch 2021 wieder zweistellig gewachsen. Dennoch wird der Weg in die Top 10 der deutschen WP-Szene nicht kürzer. Foto: RSM

Auch im vergangenen Jahr ist es dem WP- und Beratungshaus RSM wieder gelungen, aus eigener Kraft zweistellig zu wachsen. Jetzt sollen Übernahmen den nächsten Umsatzkick bringen – und die Prüferrotation.

Das WP- und Beratungshaus RSM hat im Jahr 2021 ein Umsatzplus von 12,8 Prozent auf 101,2 Millionen Euro erzielt und damit ein Jahr früher als geplant die wichtige 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke geknackt. Diese Zahlen gaben die Düsseldorfer am heutigen Donnerstagmorgen bekannt. Das Wachstum sei „rein organisch“ erzielt worden. Wie hoch die Geschäftsdynamik ist, zeigt sich mit einem Blick auf das Jahr 2018: Damals brachten die Düsseldorfer noch gerade einmal 60 Millionen Euro Umsatz auf die Waage.

Das rasante Wachstum soll RSM früher oder später in die Top 10 der deutschen Wirtschaftsprüfer führen – beziehungsweise in die Next Six, wie die Verfolger der Big Four Deloitte, EY, KPMG und PWC genannt werden. Allerdings gibt sich die Konkurrenz keine Blöße, weshalb RSM trotz des hohen organischen Wachstums diesem Ziel nicht näher kommt.

Die Nummer 10 im Markt, Warth & Klein, erlöste im vergangenen Geschäftsjahr 169 Millionen Euro, die Nummer 9 Baker Tilly 177 Millionen Euro. Die Lücke zu beiden ist nach wie vor groß. „Klar, die Wettbewerber zeigen ebenfalls gute Entwicklungen auf. Aber trotzdem halten wir an unserem Ziel Top 10 fest“, sagte Santosh Varughese, Managing Partner von RSM, gegenüber FINANCE.

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Kommuniziert Private Equity noch richtig? https://www.finance-magazin.de/banking-berater/private-equity/kommuniziert-private-equity-noch-richtig-122621/ Thu, 23 Jun 2022 05:58:00 +0000 https://www.finance-magazin.de/?p=122621 Sie ziehen Bilanz nach jeweils über 20 Jahren in der Private-Equity-Kommunikation: Jantje Salander (Hannover Finanz) und Thomas Franke (Deutsche Beteiligungs AG). Foto: FINANCE

17 Jahre nach der Heuschreckendebatte gibt es kaum noch Kampagnen gegen Private-Equity-Häuser. Ist damit alles in Butter, macht die Branche in ihrer Öffentlichkeitsarbeit alles richtig? Zwei scheidende PE-Kommunikatoren haben eine klare Meinung dazu.

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Sie ziehen Bilanz nach jeweils über 20 Jahren in der Private-Equity-Kommunikation: Jantje Salander (Hannover Finanz) und Thomas Franke (Deutsche Beteiligungs AG). Foto: FINANCE

17 Jahre nach der Heuschreckendebatte gibt es kaum noch Kampagnen gegen Private-Equity-Häuser. Ist damit alles in Butter, macht die Branche in ihrer Öffentlichkeitsarbeit alles richtig? Zwei scheidende PE-Kommunikatoren haben eine klare Meinung dazu.

17 Jahre, nachdem die Heuschreckendebatte über die Branche hereingebrochen ist, genießen die Private-Equity-Häuser in Deutschland an der Public-Relations-Front gerade relative Ruhe. Zwischen Corona, Inflation und Ukraine-Krieg ist das Vorgehen von Private Equity bei deutschen Mittelständlern für die Öffentlichkeit gerade kein großes Thema. Doch nicht nur die Private-Equity-Veteranen, die die Heuschreckendebatte noch mit erlebt haben, wissen, dass sich das schnell ändern kann. Eine spektakuläre Pleite eines Portfoliounternehmens, eine clevere Kampagne von Branchengegnern, und schon könnte Private Equity wieder ins Visier von Presse und Politik geraten.

Zwei der erfahrensten Kommunikatoren des Private-Equity-Geschäfts werden damit bald nichts mehr zu tun haben. Jantje Salander und Thomas Franke ziehen sich in wenigen Wochen nach jeweils über 20 Jahren aus ihren Positionen als Kommunikationschefs der Hannover Finanz beziehungsweise der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) zurück. Außer ihren beiden Arbeitgebern gibt es nur ganz wenige PE-Häuser, die inhouse einen eigenen Kommunikationschef beschäftigen. Viele Häuser arbeiten in der Öffentlichkeitsarbeit bei Bedarf mit externen Agenturen zusammen, manche kommunizieren gar nicht. Ein Versäumnis?

Ist reine Deal-Kommunikation zu wenig?

Im gemeinsamen FINANCE-Interview sind sich Salander und Franke einig, dass sie das nicht so sehen. „Wirtschaftlich lohnt sich eine eigene Inhouse-Kommunikation eher nicht für Häuser, die nur ein, zwei Deals pro Jahr machen und nicht selbst aktiv kommunizieren möchten“, sagt Salander.

Sie persönlich hält es aber nicht für klug, wenn sich Private-Equity-Häuser bei der Kommunikation nur auf die nötigsten Eckdaten des Deals beschränken: „Insbesondere wenn Versicherungen oder Pensionsfonds zu ihren Investoren gehören, ist es für eine Beteiligungsgesellschaft sinnvoll, den gesellschaftlichen Bezug von Private Equity darzustellen. Man kann ruhig aktiver aufzeigen, wie die Arbeit des Fonds letztlich auch den Unternehmen, der Gesellschaft und den Menschen nutzen kann, die an den Erträgen ihrer Versicherung oder Pensionskasse finanziell teilhaben.“

„Entscheidend ist nicht, ob man die Kommunikation intern oder extern organisiert. Man muss sich klarmachen, was man überhaupt kommunizieren möchte.“

Thomas Franke, Leiter Unternehmenskommunikation, DBAG

Müssen Private-Equity-Häuser eine Marke sein?

Franke ergänzt den Gedanken um das Thema Markenbildung und Positionierung: „Entscheidend ist für mich nicht die Frage, wie genau man die Kommunikation organisiert, ob intern oder extern. Man muss sich klarmachen, warum, was und wie man überhaupt kommunizieren möchte. Davon hängt die Organisation ab. Will ein Fonds selbst Geschichten und Content kreieren, regelmäßig in den Medien auftauchen, sich auf diese Weise von den Wettbewerbern abheben, dann halte ich die Einstellung eines eigenen Kommunikationsverantwortlichen für sehr hilfreich.“

Das Argument liefert der Kommunikationschef der DBAG gleich mit: „Diese Person kann eigene Kontakte zu Journalisten und anderen Stakeholdern aufbauen, die nur dem Fonds gehören. Agenturen hingegen betreuen oft viele Private-Equity-Kunden parallel und teilen die Airtime, die ihnen ihre Pressekontakte geben, dann am Ende unter all ihren Kunden auf.“

Fallweise arbeitet auch die DBAG trotz eigener Kommunikationsabteilung mit Agenturen zusammen. Franke glaubt, dass PE-Häuser mit eigener Kommunikationsexpertise „auch einen Vorteil davon haben, die passende Kommunikationsagentur auszuwählen und sie angemessen zu steuern. Ein Kommunikationsexperte ist dafür näher dran als der Vorstand, dessen Assistentin oder der Deal-Captain.“

Die wichtigste Aufgabe: Krisen abwenden

Dass Kommunikation nicht nur Kosten erzeugt, sondern auch zählbaren Nutzen bringen kann, wenn man sie aktiv betreibt, berichten beide anhand von Beispielen aus ihrer eigenen Arbeit. Beide sehen es zum Beispiel als wichtigen Teil ihrer Aufgabe, Unheil von ihren Arbeitgebern abzuwenden. Und dies kann schnell passieren, wie beide erlebt haben.

Salander: „Ein Portfoliounternehmen der Hannover Finanz drohte einmal in einen Lebensmittelskandal mit hineingezogen zu werden, den ein Kunde dieses Unternehmens zu verantworten hatte. Wir haben dafür gekämpft, das Unternehmen aus dem Kreuzfeuer der Presse herauszuhalten. Ich glaube, ohne unsere Beratung wären die Manager des Unternehmens in diese Falle hineingelaufen. Das hätte übel ausgehen können.“  

Über der DBAG braute sich einmal ein Sturm zusammen, als ein Portfoliounternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern – einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region – in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Franke: „Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet, damit, dass die Presse uns als Gesellschafter und Private Equity als Branche zum Schuldigen macht. Auf diesen Fall haben wir uns intensiv vorbereitet, aber zum Glück ist dieser Sturm dann an uns vorbeigezogen.“

„Private Equity betreibt immer noch zu viel Verkündigungs-PR.“

Jantje Salander, Leiterin Unternehmenskommunikation, Hannover Finanz

Was die Presse falsch macht

Kommunikative Katastrophen abzuwenden, die das Zeug haben, das Image und die Arbeit eines Fonds schwer zu beeinträchtigen, sind das eine. Das eigene Haus in der Öffentlichkeit präsenter und attraktiver zu machen, das andere, wie Franke sagt: „Private Equity stößt Veränderungsprozesse in Unternehmen an, versucht, deren Wachstumsgrenzen zu überwinden. Das ist etwas Positives für den Standort Deutschland! Darüber wird von uns zu wenig kommuniziert – aber von der Presse auch zu wenig berichtet“, kritisiert der scheidende DBAG-Kommunikationschef.

Salander bemängelt, dass „Private Equity immer noch zu viel Verkündigungs-PR“ betreibe und die Hintergründe von Transaktionen nicht erkläre. „Warum wurde dieser Deal gemacht? Was hat der Fonds mit dem Unternehmen vor? Welches Potential hat es? Außerhalb des engsten Kreises erfährt das alles meistens niemand. Da lässt die ganze Branche kommunikativ viel zu viel liegen, da sehe ich eine Menge Potential für die Zukunft.“

Bei der Hannover Finanz hat sie nach eigener Aussage zumindest teilweise versucht, diese Botschaften zu vermitteln – nicht bei den großen Titeln, sondern im regionalen Umfeld von Portfoliounternehmen des niedersächsischen Finanzinvestors, einem der ältesten in Deutschland. „Bei fast allen Transaktionen, die wir machen, nehme ich gezielt Kontakt zur Lokalpresse in den Orten auf, in denen die Portfoliounternehmen sitzen.“

Kein Private-Equity-Speech für die Lokalpresse

Doch dabei stellt sich eine Herausforderung, für die Salander die klassischen Kommunikationsagenturen nicht optimal aufgestellt sieht: „Die knackige, durchdesignte Private-Equity-Botschaft fällt dort nicht auf fruchtbaren Boden, schlicht aus dem Grund, dass dort meistens das nötige Fachwissen fehlt, weil Private Equity für Lokaljournalisten im Alltag völlig irrelevant ist. Entsprechend interessieren sich die regionalen Medien auch für ganz andere Informationen als für Kaufpreis, Leverage und Deal-Berater.“ 

Franke teilt diese Meinung, sieht aber bei der Vermittlung der Botschaft eine deutliche Schwäche der Private-Equity-Szene – nicht nur bezüglich lokalen Stakeholdern, sondern auch darüber hinaus: „Für mich einer der größten Fehler in der Private-Equity-Kommunikation ist, eine Sprache zu wählen, die kaum jemand versteht. Diese Versuchung ist in unserem angelsächsisch geprägten Geschäft sehr groß. Aber man kommt als PE-Haus ja nicht nur in der Finanzpresse vor.“

In Summe sehen die beiden scheidenden Kommunikationschefs die Branche in Sachen Öffentlichkeitsarbeit aber auf einem guten Weg. Dass sich so etwas wie die Heuschreckendebatte mit all ihren Konflikten und Imageschäden wiederholt, können sich beide nicht vorstellen. Dafür sei die Branche kommunikativ inzwischen zu gut vernetzt, die Beziehungen zu Medien, Gewerkschaften, Politikern seien stabil.

„Zumindest in den Qualitätsmedien – den Zeitungen und Fachpublikationen mit ihren Online-Ausgaben – ist das Verständnis darüber, was Private Equity macht, in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen“, findet Franke. „Das ist ein großer Erfolg für die gesamte Branche.“ Auch Salander zieht ein positives Fazit: „Die Zeit, die wir eingesetzt haben, um zu erklären, wie Private Equity funktioniert und welchen Nutzen es stiften kann, hat sich absolut gelohnt.“       

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