Deutsche Telekom

24.10.17

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Wegen der neuen Leasingbilanzierung IFRS 16 müssen Unternehmen teils horrende Schulden auf ihre Bilanzen nehmen. Bei diesen Konzernen und Branchen werden sich die Kennzahlen besonders stark verschlechtern.

Die neue Leasingbilanzierung IFRS 16 bereitet den Unternehmen Kopfzerbrechen. Zwar muss der neue Bilanzierungsstand erst ab dem Geschäftsjahr 2019 angewendet worden, doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren – kein Wunder, denn die neue Regel zwingt Unternehmen, Schulden in Millionen- und gar Milliardenhöhe auf die Bilanz zu nehmen. Da künftig die Unterscheidung zwischen Finanzierungsleasing und operativem Leasing entfällt, müssen Unternehmen ab 2019 nahezu alle Leasingverbindlichkeiten im Konzernabschluss ausweisen. Dadurch verändern sich unter anderem die Verschuldung, der Verschuldungsgrad, die Bilanzsumme und die Eigenkapitalquote.

Wie stark sich die Finanzkennzahlen in welchen Branchen und Unternehmen voraussichtlich verändern werden, hat jetzt die HSH Nordbank in einer Studie zu IFRS 16 untersucht. Dabei hat die Bank die Konzernjahresabschlüsse aller Dax-, M-Dax-, S-Dax- und Tec-Dax-Unternehmen sowie rund 200 weiterer deutscher Unternehmen unter die Lupe genommen und die Auswirkungen von IFRS 16 auf bonitätsrelevante Kennzahlen berechnet.

Handelsbranche mit rund 24 Milliarden Euro verschuldet

Die Ergebnisse haben es in sich. Insgesamt summieren sich die Leasingverpflichtungen zum Geschäftsjahresende 2016 bei allen untersuchten Unternehmen auf rund 135 Milliarden Euro. Gut 52 Prozent davon entfielen alleine auf die Dax30-Konzerne, weitere 19 Prozent auf M-Dax-Unternehmen. Besonders hoch sind die Schulden in den Sektoren Handel (24,2 Milliarden Euro), Transport und Verkehr (21,3 Milliarden Euro) und Telekommunikation (19,8 Milliarden Euro).

Das verwundert nicht, haben doch gerade diese Branchen vom Leasing bisher viel Gebrauch gemacht: So leasen beziehungsweise mieten die meisten Handelskonzerne die Verkaufsflächen für die Shops, Logistiker leasen große Auto- oder Flugzeugflotten und Telekomunternehmen die Flächen, auf denen ihre Sendemasten stehen, deren Zahl in die Zigtausende geht.

Ebenfalls hoch sind die Leasingverbindlichkeiten in anderen Branchen. Bei Finanzdienstleistern und Autokonzernen bewegen sich die Leasingschulden im Bereich von 11 Milliarden Euro, die Sektoren Industriegüter- und Dienstleistungen, Gesundheit, Konsumgüter mit Einzelhandel sowie Grundstoffe weisen außerbilanzielle Leasingverpflichtungen zwischen 5 und 7 Milliarden Euro aus.

Telekom hat rund 17 Milliarden Euro Leasingschulden

Sieht man sich konkret die einzelnen Unternehmen an, wird schnell deutlich, wer am meisten mit IFRS 16 zu kämpfen haben wird (siehe Tabelle). Die Deutsche Telekom wies 2016 mit 16,5 Milliarden Euro die höchsten Leasingschulden aus. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2015, wo sie noch bei über 21 Milliarden Euro lagen, haben sie sich aber schon reduziert. Der Konzern arbeitet bereits seit einigen Jahren an einer Lösung, um den Umstellungsaufwand zu stemmen. Mit deutlichem Abstand auf den weiteren Rängen folgen der Möbelproduzent Steinhoff International mit 9,8 Milliarden Euro, die Deutsche Post mit 8,2 Milliarden Euro, Metro mit etwa 7,5 Milliarden Euro und Volkswagen (5,8 Milliarden Euro) sowie die Deutsche Bahn (5,6 Milliarden Euro).

IFRS 16 senkt Eigenkapitalquote signifikant

Auch die Eigenkapitalquote wird IFRS 16 zum Teil spürbar verändern, am negativsten in der Branche Konsumgüter und Einzelhandel, wo sie sich im Schnitt um 8,4 Prozentpunkte zu verschlechtern droht. Im Handel sind es 6 Prozentpunkte, bei Freizeit und Tourismus sowie Gesundheit 4 Prozentpunkte.

Obwohl sich durch den bilanziellen Ausweis von Leasingverhältnissen an der Bonität der Unternehmen de facto nichts ändert, könnte die Einführung von IFRS 16 die Bonitätsbeurteilung vor allem der Banken verzerren und die Ratings der Unternehmen negativ beeinflussen, fürchtet die HSH Nordbank.

Während die meisten Ratingagenturen – allen voran Standard & Poor’s sowie Moody’s – die außerbilanziellen Finanzschulden schon jetzt bei ihren Ratings berücksichtigen, sehe es bei Banken anders aus. Hier raten die Autoren den CFOs, ihre Banken möglichst schnell zu informieren und gegebenenfalls die Kreditverträge anzupassen, damit die Einführung von IFRS 16 nicht zu einem Bruch der Covenants führt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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