Der Versicherungsriese Allianz untersucht verschiedene Möglichkeiten für seine Konzerntöchter AGCS und Euler Hermes. Das Konzernmanagement äußerte in den vergangenen Monaten immer wieder Unzufriedenheit über die Profitabilität von AGCS.

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19.03.19
Wirtschaft

Allianz prüft Optionen für AGCS

Die Allianz prüft verschiedene Optionen für ihre Konzerntöchter AGCS und Euler Hermes. Die beiden Sparten, die eine unterschiedliche Entwicklung hinter sich haben, könnten enger zusammenrücken.

Die Allianz geht ihre Baustelle Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) an: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, will der Münchner Versicherungskonzern seine Industrieversicherungssparte AGCS sowie den Pariser Kreditversicherer Euler Hermes noch enger kooperieren lassen. Die Allianz hat Euler Hermes im Frühjahr 2018 vollständig übernommen und von der Pariser Börse genommen.

Der Allianz-Konzern bestätigte in einer Mitteilung, dass man „derzeit in einem gemeinsamen Projekt untersucht, wie diese beiden Unternehmen möglicherweise künftig noch enger zusammenarbeiten könnten“. Genauere Angabe zur möglichen Ausgestaltung einer solchen Kooperation nannte das Unternehmen allerdings nicht. Damit bleibt auch die Option einer Fusion der beiden Sparten auf dem Tisch.

Details dazu, wann dieses Projekt angelaufen ist und wann die Überlegungen abgeschlossen sein sollen, nannte die Allianz auf FINANCE-Anfrage nicht.  Es gebe „eine Vielzahl von Möglichkeiten“, die man „in den kommenden Monaten prüfen“ werde, heißt es lediglich bei der Allianz.

AGCS wurde Sorgenkind der Allianz

Die Überlegungen zu einer engeren Verflechtung der Sparten kommen für Marktbeobachter nicht unerwartet: Allianz-CFO Giulio Terzariol hatte in den vergangen Monaten bereits öffentlich die mangelnde Profitabilität des Industrieversicherers AGCS moniert. Nichts weniger als eine „einzige kleine Enttäuschung “ sei die Entwicklung der AGCS zitierte das „Handelsblatt“ Terzariol zu Anfang dieses Jahres. Zwar bezeichnete die Allianz die AGCS zuletzt als einen der Wachstumstreiber im Konzern, doch die Sparte bleibt offenbar hinter den Erwartungen zurück.

Dass sich Finanzvorstand Terzariol und Allianz-CEO Oliver Bäte von der AGCS in den vergangenen Jahren mehr erhofften, macht ein Blick in die Zahlen deutlich. Das operative Ergebnis der AGCS stieg zwar 2018 gegenüber dem Vorjahr von 156 auf 282 Millionen Euro, lag damit aber immer noch deutlich unter dem Niveau von 2016 mit 382 Millionen Euro.

Hinzu kommt: Die Combined Ratio der AGCS, die vielen CFOs insbesondere als Anbieter von D&O-Versicherungen bekannt ist, lag 2018 immer noch bei 101,5 Prozent (2017: 105,2 Prozent). Die Combined Ratio, auch bekannt als Schaden-Kosten-Quote, setzt die Summe der Verwaltungskosten und Schadenszahlungen einer Versicherung in Relation zu den verdienten Beiträgen. Nur wenn diese Quote unter der 100-Prozent-Marke liegt, arbeitet die Versicherung profitabel.

An der Profitabilität wird künftig eine neue CFO arbeiten müssen: CFO Nina Klingspor wechselt zum 1. April als CEO zur Allianz Private Krankenversicherung. Ihre Stelle bei der AGCS übernahm ab 1. März die Französin Claire-Marie Coste-Lepoutre, die zuvor Regions-CFO für Allianz Benelux war.

FINANCE-Köpfe

Giulio Terzariol, Allianz SE

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Luigi Bocconi Universität in Mailand beginnt Giulio Terzariol seine berufliche Laufbahn bei der Generali Versicherung in München und absolviert dort ein internationales Trainee-Programm. 1998 wechselt er zum Versicherungskonzern Allianz und ist zunächst als Financial Analyst im Bereich Group Planning und Controlling tätig. Von 2001 bis 2004 leitet Terzariol das internationale Versicherungs-Controlling des Dax-Konzerns. Die nächste Station führt ihn 2005 in die Tochtergesellschaft der Allianz nach Singapur, wo er als CFO die Verantwortung für eine Tochtereinheit in der Asien-Pazifik-Region übernimmt.

2007 wechselt Terzariol zur Allianz Life Insurance Company of North America in den US-Bundesstaat Minnesota und ist dort zunächst als Business Financial Officer tätig, bevor er im Jahr 2008 den Posten des CFOs übernimmt. Acht Jahre später kehrt der Italiener in die Zentrale nach München zurück und verantwortet bis 2017 den Bereich Group Planning and Controlling. Seit Januar 2018 ist Terzariol Finanzvorstand der Allianz und in dieser Position zuständig für die Bereiche Finanzen, Controlling und Risiko.

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Euler Hermes legt deutlich zu

Ganz anders stellt sich die Situation bei Euler Hermes dar. Der Pariser Kreditversicherer konnte 2018 sein Betriebsergebnis um 17 Prozent auf 431 Millionen Euro  verbessern. Hierzu trug auch eine niedrige Combined Ratio von zuletzt knapp 78 Prozent bei.

Eine Fusion der beiden Spezialversicherer könnte im Allianz-Konzern einiges an Kapital freisetzen, Stellen beispielsweise in der Verwaltung könnten zusammengelegt werden. Die Allianz äußert sich zu konkreten Plänen noch nicht und geht offenbar sehr breit an das Projekt heran: Sie prüft „Möglichkeiten der Zusammenarbeit in bestimmten Märkten oder für bestimmte Kunden oder Produkte“.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de