CFOs sehen der zweiten Jahreshälfte weniger optimistisch entgegen und drosseln deshalb ihr Investitionsbudget.

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13.06.19
Wirtschaft

CFOs wollen weniger investieren

Viele Finanzchefs haben ihren Optimismus für die zweite Jahreshälfte verloren. Die Folge: Sie kürzen die Investitionen.

Rund um die Welt verlieren Finanzverantwortliche ihren Optimismus: Nur noch jeder dritte CFO rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einem erheblichen Wirtschaftswachstum, im vergangenen Jahr zuvor waren es noch fast 90 Prozent. Diese Einschätzung beruht auf dem „Global Business & Spending Outlook“, für den American Express weltweit 900 Finanzentscheider befragt hat.

Unter den Befragten sind auch 30 deutsche CFOs, und auch bei ihnen herrscht schlechte Stimmung: Nur noch rund die Hälfte rechnet immerhin noch mit einem moderaten Wirtschaftswachstum, 23 Prozent befürchten sogar einen Abschwung.

M&A-Budgets bleiben unangetastet

Als Konsequenz treten die deutschen Finanzchefs auf die Investitionsbremse: 80 Prozent der CFOs wollen nur noch „moderat“ investieren – vor einem Jahr umfasste diese Gruppe der Vorsichtigen noch 60 Prozent. Die Gruppe derer, die planen, ihre Investitionen im zweiten Halbjahr 2019 deutlich auszuweiten, umfasst nur noch 13 Prozent.

Hinzu kommt, dass CFOs hierzulande wie auch international nicht nur maßvoller, sondern auch gezielter investieren wollen: Zwei Drittel der Befragten, sowohl weltweit als auch national, setzen in diesem Jahr darauf, mehr Geld in die Produktentwicklung und in die Fertigungskapazitäten zu stecken. Im Gegenzug kürzen sie vor allem bei den Marketing-Budgets.

Bemerkenswert: Trotz der Wirtschaftsabkühlung ist der Appetit auf Übernahmen nicht zurückgegangen: Knapp 90 Prozent der deutschen Befragten lassen ihre M&A-Planungen unverändert. International fahren knapp 60 Prozent dieselbe M&A-Strategie wie im Vorjahr.

„Die Ergebnisse decken sich eindeutig mit unserer Wahrnehmung“, findet Amex-Deutschlandchefin Sonja Scott. „Die Finanzverantwortlichen investieren nicht nur moderater, sondern zudem weniger in Neues: Anstatt in Akquisitionen zu investieren, verbessern sie lieber ihr bestehendes Produktportfolio.“

CFOs investieren in Künstliche Intelligenz

Zunehmenden Raum auf der CFO-Agenda nehmen auch die Folgen der Digitalisierung ein. Erstes Indiz: Bereiteten 2017 nur sehr geringen 3 Prozent der deutschen CFOs Cyberattacken Bauchschmerzen, sind es nun schon über 30 Prozent. Mit ihren Sorgen liegen deutsche Finanzchefs über dem Durchschnitt: Weltweit befürchten nur 14 Prozent eine Beeinträchtigung ihrer Datensicherheit.

In der Künstlichen Intelligenz sehen sogar mehr als zwei Drittel der deutschen Befragten eine große Herausforderung für die eigene Industrie. „Ebenso viele CFOs haben aber auch schon in Künstliche Intelligenz investiert“, erklärt Scott. Im Vorjahr lag dieser Anteil erst bei rund der Hälfte.

Investments in Künstliche Intelligenz lohnen sich unter anderem im Risikomanagement: Mithilfe selbstlernender Mechanismen könnten Unternehmen künftig Risiken besser prognostizieren – was besonders interessant ist, wenn es um Unternehmensbewertungen und Liquiditätseinschätzungen von Geschäftspartnern geht.

olivia.harder[at]finance-magazin.de