Millionenabschreibung, frisches Kapital vom Eigentümer: Was ist bei Concardis los?

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10.02.21
Wirtschaft

Darum musste Nets bei Concardis Geld nachschießen

Millionenschwere Abschreibungen machen Concardis zu schaffen, sogar der Eigentümer Nets musste dem Zahlungsabwickler finanziell unter die Arme greifen. Wie schlimm steht es um die Eschborner?

Steckt Concardis in einer Krise? Der Zahlungsabwickler mit Sitz in Eschborn musste laut dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht im Geschäftsjahr 2019 ganze 214 Millionen Euro abschreiben. Der Banken-Blog „Finanz-Szene“ hatte zuerst darüber berichtet.

Um den Payment-Anbieter finanziell zu stützen, schoss der Eigentümer – der dänische Zahlungsdienstleister Nets – 152 Millionen Euro zu. Dabei handelt es sich laut Geschäftsbericht um einen „nicht rückzahlbaren Gesellschafterzuschuss“.

Darüber hinaus erzielte Concardis durch den Verkauf selbst entwickelter Software und die „Weiterbelastung von Kosten“ Erlöse in Höhe von 60 Millionen Euro. Doch der Zuschuss von Nets und diese Erträge reichten nicht für ein positives Ergebnis aus: 2019 verbuchte der Zahlungsabwickler ein Minus von 25 Millionen Euro.

Insolvenz von Thomas Cook belastet Concardis

Wie setzt sich der Betrag der Abschreibung über 214 Millionen Euro konkret zusammen? 212 Millionen Euro und damit der allergrößte Teil der Summe entfallen auf das Kreditgeschäft. Dort hat ein konkreter Kundenausfall für die Wertminderung gesorgt: Wie Concardis gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer bestätigte, hat die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook im September 2019 maßgeblich zu der Abschreibung beigetragen. Der Grund: Kunden buchen und bezahlen ihre Reisen oft Monate im Voraus. Daraus ergeben sich für auf diese Branche spezialisierte Zahlungsabwickler besonders hohe Ausfallrisiken im Fall einer Insolvenz.

Concardis geht auf die im Jahr 1982 gegründete Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) zurück. Nach der Abspaltung zweier Geschäftsbereiche im Jahr 1997 wurde die GZS in Euro Kartensysteme umbenannt, aus der 2003 Concardis hervorging. Im Jahr 2017 übernahmen die Private-Equity-Investoren Advent und Bain Concardis, rund ein Jahr später schloss sich der Zahlungsabwickler mit der dänischen Nets zusammen. Hinter dem kombinierten Unternehmen stehen heute die Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Advent und Bain.

Wie übersteht Concardis die Coronakrise?

Fraglich ist, ob die Abschreibungen bei Concardis im Jahr 2019 eine Ausnahme bleiben werden – oder ob das vom Coronavirus geprägte Jahr 2020 dem Payment-Anbieter weiter zugesetzt hat. Was das Unternehmen selbst zu der Situation sagt und was die Probleme bei Concardis für das Treasury bedeuten, lesen Sie bei unserer Schwesterpublikation DerTreasurer.

olivia.harder[at]finance-magazin.de