03.04.12
Wirtschaft

Der IPO-Markt boomt – mal wieder

Einen IPO-Boom im Frühjahr zu beschwören gehört zu den Fixpunkten des Finanzjahres. In diesem Jahr gibt es tatsächlich einige aussichtsreiche Kandidaten auf ein Börsenlisting. Besonders Finanzinvestoren suchen über IPOs den Exit aus ihren Beteiligungen. Doch die kleinste Unsicherheit an den Märkten könnte die Pläne durchkreuzen.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wären die heißesten IPO-Kandidaten des Jahres schon lange gelistet. Etwa der Wäscheproduzent Schiesser: Ein für April 2011 angekündigter Börsengang war kurzfristig verschoben worden, nun arbeitet das Unternehmen an einem Börsenprospekt für einen IPO im zweiten Quartal 2012. Das Unternehmen, das vor einem Jahr aus der Insolvenz kam, muss Gläubiger bedienen und verspricht sich von einem Börsengang einen höheren Erlös als vom Verkauf an einen Investor, argumentiert Insolvenzverwalter Volker Grub. Mit dem Erlös aus dem IPO will Schiesser seine  Gläubiger auszahlen.

Der Versicherer Talanx, über dessen Börsengang auch 2011 spekuliert worden war, plant seinen IPO sogar schon seit 1997. Jetzt gilt Talanx wieder als heißer Börsenanwärter. Doch dem Unternehmen ist anzumerken, dass es die Volatilität an den Finanzmärkten fürchtet. „Es kann durchaus sein – obwohl die Zeichen derzeit auf Grün stehen –  dass wir sie im Laufe des Jahres nochmals auf Rot stellen“, zitierten Agenturen den Talanx-CEO Herbert Haas nach der Bilanzpressekonferenz. Das kleinste Zucken der Märkte könnte demnach alles verändern.  Auch der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern knüpft seine Börsenpläne nach Angaben von Konzernchef Klaus Eberhardt eng an die Stabilität des Kapitalmarkts. Der Konzern würde mit dem IPO einen Teil seiner Automotive-Sparte KSPG über die Börse zu Geld machen. Ob der Konzern im Fall eines Börsengangs die Mehrheit abgeben wird, ist noch nicht entschieden. Die Pläne für den IPO stammen ebenfalls noch aus dem vergangenen Jahr, der Umsatz der Automobilsparte lag 2011 bei 2,3 Milliarden Euro.

Finanzinvestoren wollen gutes Klima nutzen

Etwas weiter gereift klingen die Pläne beim Chemiekonzern Evonik, an dem die RAG-Stiftung mit 75 Prozent sowie der Finanzinvestor CVC mit 25 Prozent beteiligt sind. Dem Vernehmen nach drängt besonders CVC darauf, das aktuell gute Börsenklima zu  nutzen. Der Finanzinvestor war 2009 für 2,4 Milliarden Euro bei Evonik eingestiegen und möchte nun seine Anteile versilbern. Stiftung und CVC würden Anteile im Verhältnise 2:1 abgeben. Der Aufsichtsrat soll Ende Mai grünes Licht für die Börsenpläne geben. Ein Evonik-IPO war bereits 2011 im Gespräch, die Entscheidung für den Börsengang verzögerte sich jedoch bis in den Herbst. Bis dahin hatte sich die Marktlage deutlich verschlechtert, der IPO-Plan landete vorerst in der Ablage. 

CVC ist nicht der einzige Investor, der Verkaufsdruck verspürt. Auch die Investoren Advent und Carlyle wollen die günstige Börsenstimmung nicht ungenutzt verstreichen lassen. Die Investoren hatten 2007 den Spezialchemiekonzern H. C. Starck für 1,2 Milliarden Euro von Bayer gekauft. Fünf Jahre sind für einen Finanzinvestor schon eine recht lange Haltedauer. Während 2011 intensiv an einem IPO der H. C. Starck gearbeitet wurde, zeichnet sich nun ein Dual-Track-Verfahren ab, bei dem Börsengang und Verkauf parallel geprüft werden. Ein Börsengang ist damit zwar möglich, aber keinesfalls sicher. Die meisten Dual-Track-Verfahren enden mit Verkäufen – der Investor kann dann auf einen Schlag aus dem Investment aussteigen und hat weniger Transaktionskosten als bei einem IPO.  

Hoffnung auf höhere Multiples

Viele Private-Equity-Häuser haben Marktbeobachtern zufolge ihre Unternehmen für einen Exit vorbereitet. Die hohe Volatilität am Aktienmarkt erschwerte zuletzt IPOs, auch der M&A-Markt, der zweite klassische Exitkanal für Finanzinvestoren, war schwach. Strategen trauten sich im unsicheren Marktumfeld nicht aus der Deckung und hielten ihre Cashreserven lieber zusammen. Finanzinvestoren dagegen taten sich schwer, einen entsprechenden Fremdkapitalanteil für ein Investment zusammenzubekommen, sie stießen auf vornehme Zurückhaltung bei den Banken. Nun, da sich das Börsenumfeld erholt hat, hoffen die Investoren wieder auf höhere Multiples und höhere Erlöse bei einem IPO.
 
So auch die Beteiligungsgesellschaften KKR und Goldman Sachs: Der Gabelstaplerkonzern Kion (Umsatz 2011: 4,37 Milliarden Euro), den KKR und Goldman Sachs 2006 für 4 Milliarden Euro von Linde übernommen haben, ist mittelfristig ebenfalls ein Börsenkandidat. Allerdings gilt der IPO dort eher als Fernziel für das kommende Jahr, die Eigentümer wollen zuvor noch die Ebit-Marge des Konzerns von 8,3 Prozent in den zweistelligen Bereich verbessern. Ursprünglich hatten die Investoren das Unternehmen bereits 2009 an die Börse bringen wollen, die gewünschten Multiples wären aber im kriselnden Börsenumfeld nicht zu erzielen gewesen.

sabine.reifenberger(*)finance-magazin(.)de