Die Solarindustrie setzt auf Regierungswechsel

Centrosolar

23.07.12
Wirtschaft

Die Solarindustrie setzt auf Regierungswechsel

Centrotherm ist insolvent, Q-Cells, Odersun, auch: Wer aus der deutschen Solarindustrie die Deflation am Modulmarkt überleben will, zeigt am Kapitalmarkt Gesicht. Centrosolar und Solarworld beteuern solide Finanzierungspositionen. Doch ob sie es schaffen werden, liegt kaum in der Hand der Solar-CFOs.

Vor drei Jahren wollte Frank Asbeck noch Opel übernehmen. Gut, dass er davon die Finger gelassen hat. Denn nun braucht sein Bonner Konzern Solarworld, an dem der Gründer und CEO mit 27,84 Prozent beteiligt ist, jeden Cent selbst. Da wäre ein neues Milliardengrab in Rüsselsheim nicht hilfreich. Asbeck verzichtet nun auf seine vertraglichen Bezüge und Dividendenzahlungen: solange, bis der Konzern wieder profitabel ist. Ein ehrenwertes Bekenntnis zu seinem Konzern und zugleich eine willkommene cash-schonende Maßnahme für das Unternehmen.

Subventionskürzungen gefährden Finanzierung

Im gleichen Atemzug gibt Solarworld eine erfolgreiche Refinanzierung bekannt. Finanzvorstand Philipp Koecke musste wegen eines drohenden Covenantbruchs im zweiten Quartal bestehende Kreditvereinbarungen über 375 Millionen Euro neu verhandeln. Die kreditrelevanten Finanzkennzahlen erlauben Solarworld nun größere Flexibilität, sagte Koecke. Der Finanzvorstand sieht die „finanzielle Stabilität“ von Solarworld „weiter gefestigt“. Zum Ende des zweiten Quartals lag die Liquidität bei 320 Millionen Euro.

Bei Centrosolar ist die Lage vergleichbar. Der Münchner Solaranlagenbauer schlägt sich besser als der Markt und steckt dennoch tief in den roten Zahlen. Die Finanzierung sieht zwar zum Ende des ersten Quartals 2012 mit rund 33 Prozent Eigenkapitalquote sowie Cash und freien Kreditlinien in Höhe von rund 35 Millionen Euro kurzfristig noch vergleichsweise solide aus. Dennoch ist schon jetzt klar, dass der im Februar 2016 auslaufende 50-Millionen-Mini-Bond nur aus neuen Schulden bedient werden kann, wie CEO Dr. Alexander Kirsch gegenüber FINANCE-TV einräumte.

Und wer kann schon sagen, wie stark sich der Preisverfall am Modulmarkt fortsetzen wird? Centrosolar lässt sich nach einem einzigen Creditreform-Unternehmensrating zur Emission im Februar 2011 nicht mehr extern raten, die Agentur URA ratet die Anleihe jedoch mit der Note 5,5 wie URA-Vorstand Jens Höhl zu FINANCE sagte: „Drohende Insolvenz“. Zum Zeitpunkt der Emission lag die Note noch bei 3. Dabei flössen bei URA allein unternehmensbezogene Indikatoren ein und keine branchenbezogenen, sagt Höhl. CEO Kirsch setzt auf die Zukunft: „Es wäre höchst ungewöhnlich, wenn die Branche über vier Jahre in der Krise bliebe.“

Großverbraucher profitieren

Centrosolar setzt jedenfalls auf einen Regierungswechsel im Herbst 2013 zu rot-grün. „Die Regulierung ist deutlich über das Ziel hinaus geschossen“, findet Kirsch. Die Diskussion über die Solar-Subventionen werde unfair geführt. Es werde stets nur mit den steigenden Kosten für die Endverbraucher argumentiert. Dabei werde unterschlagen, dass die Großverbraucher seit Jahren günstigere Strompreise an den Energiebörsen erhielten. Durch Überproduktion und fehlende Speicherbarkeit in sonnenstarken Zeiten entstehen bekanntlich immer wieder Momente negativer Preise, die Industrie-CFOs ausnutzen können.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de