Staatliche Hilfen halten viele Zombie-Unternehmen derzeit über Wasser. Aber wie können sie wieder langfristig auf die Beine kommen?

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20.11.20
Wirtschaft

Diese Lösungen erwarten Restrukturierer für Zombies

Die Sorge vor Zombie-Unternehmen wächst. Doch wie lassen sich diese noch retten? Restrukturierer stellen sich darauf ein, dass es nicht ohne Zugeständnisse der Geldgeber gehen wird.

Zwar haben staatliche Hilfsmaßnahmen eine große Insolvenzwelle bislang verhindern können, doch in der Branche der Restrukturierer wächst eine andere Sorge: Viele fürchten eine zunehmende Zahl an sogenannten Zombie-Unternehmen, die sich zwar mit staatlicher Hilfe über Wasser halten, deren operativer Gewinn aber nicht ausreicht, um Zins und Tilgung zu bedienen.

Um die Zombies zu retten, werden nach Einschätzung der Restrukturierer weitere Zugeständnisse seitens der Geldgeber notwendig sein, zeigt die Restrukturierungsstudie 2020 von Roland Berger, für die rund 500 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden. Unter den Studienteilnehmern stammten 80 Prozent aus Banken, Sanierungsberatungen und Insolvenzverwaltungen, die meisten betreuen sieben oder mehr Restrukturierungsfälle im Jahr.

Danach gefragt, welche Lösung sie für Zombie-Unternehmen erwarten, gehen 26 Prozent von einer Stundung der Tilgungen aus. 23 Prozent sehen einen Schuldenschnitt als Ausweg, und 22 Prozent setzen am ehesten darauf, dass Finanzierer bereits gewährte Kredite noch einmal verlängern.

Was Zombie-Unternehmen bedroht

Einige aktuelle Entwicklungen gefährden die Überlebensfähigkeit der Zombies derzeit zusätzlich: So glaubt mehr als ein Drittel der Restrukturierer, dass einige Zombies sterben werden, wenn die derzeit noch für Überschuldung greifende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Corona-bedingt in Schieflage geratene Unternehmen wieder aufgehoben wird. Nach derzeitigem Stand ist dies zum Jahresende der Fall. Für zahlungsunfähige Unternehmen ist die Regelung bereits Ende September ausgelaufen.

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Weitere 27 Prozent sehen ein Zurückfahren der staatlichen Hilfsprogramme als existenzbedrohend für die Zombies. Als wirkungsvollstes staatliches Mittel zur Bekämpfung der Coronakrise wird dabei das Kurzarbeitergeld angesehen, dem 90 Prozent der Teilnehmer eine hohe oder sehr hohe Wirkung attestieren. Den KfW-Direktkredit halten 67 Prozent und Landesbürgschaften 60 Prozent der Teilnehmer für wirksam oder sehr wirksam, bei der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ist es jeder Zweite. Die gesenkte Mehrwertsteuer halten dagegen fast drei Viertel der Teilnehmer für vollkommen oder eher unwirksam. 

Restrukturierer rechnen mit mehr Fällen

Insgesamt sehen die Restrukturierer im kommenden Jahr viel Arbeit auf sich zukommen: 86 Prozent gehen davon aus, dass die Anzahl neuer Restrukturierungsfälle in den kommenden zwölf Monaten eher zunehmen wird. Zudem sind gut zwei Drittel der Meinung, dass die Komplexität der Fälle steigt. 

„Bei rund 10 Prozent der Unternehmen in Deutschland besteht dringender Restrukturierungsbedarf.“

Sascha Haghani, Roland Berger

„Unseren Analysen zufolge besteht bei rund 10 Prozent der Unternehmen in Deutschland ein dringender Restrukturierungsbedarf“, sagt Sascha Haghani, Leiter des globalen Kompetenzzentrums Restrukturierung, Performance, Transformation und Transaktion bei Roland Berger. Neuerungen wie die präventive Sanierung, die Anfang 2021 kommen soll, könnten manchen Unternehmen helfen.

Jedoch seien diese Verfahren komplex, mahnt Haghani: „Erfolge werden stark davon abhängen, ob frühzeitig ganzheitliche Konzepte entwickelt und umgesetzt werden.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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