Eine Entscheidung, ob German Pellets fortgeführt werden kann, ist noch nicht gefällt. Fest steht jedoch, dass die Staatsanwaltschaft Rostock gegen den Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt ermittelt.

German Pellets

14.03.16
Wirtschaft

Ermittlungen gegen Wirtschaftsprüfer von German Pellets

In der Insolvenz von German Pellets ermittelt jetzt der Staatsanwalt gegen Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt. Der Verdacht: Steuerhinterziehung über interne Abrechnungen.

Bisher liefen beim insolventen Brennstoffhersteller German Pellets die Routineuntersuchungen, die es bei so gut wie jeder Insolvenz eines kapitalmarktorientierten Unternehmen gibt: Verdacht der Insolvenzverschleppung, der Untreue und des Bankrotts.

Doch jetzt kommt ein weniger alltäglicher Verdacht hinzu: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen den Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt. Der Anfangsverdacht sei Beihilfe zur Steuerhinterziehung, bestätigte ein Sprecher der Behörde gegenüber FINANCE.    

Laut Handelsblatt soll der Chef von German Pellets, Peter Leibold, über zwei verbundene Gesellschaften in Italien und Dänemark mittels interner Abrechnungen Erträge von rund zwölf Millionen Euro generiert haben, für die eigentlich Umsatz- und Kapitalertragssteuer hätten gezahlt werden müssen. 

German-Pellets-Gesellschaften stellen sich gegenseitig Rechnungen

Eins steht fest: Bei German Pellets wurde durch Abrechnungen mit Tochterunternehmen und verbundenen Auslandsgesellschaften viel Geld bewegt. So ist den Angaben zu der Konzern-Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV) zu entnehmen, dass im Geschäftsjahr 2013 rund 81,7 Millionen Euro und 2012 sogar 102,8 Millionen Euro des Umsatzes aus Rechnungen für Werksneubauten der US-Gesellschaften Texas Pellets und Louisiana Pellets resultieren. 2014 steuerten sie weitere 102,5 Millionen Euro zum Umsatz bei. Die Firmen gehören juristisch nicht zur German Pellets GmbH, aber sind über Abnahmeverträge und Garantien eng mit der deutschen Gesellschaft verbunden.

Auch in Deutschland spielten interne Abrechnung eine prominente Rolle. Ein vorläufiges Gutachten der Kanzlei CMS und der Investmentbank Houlihan Lokey zeigt, dass die deutsche Hauptgesellschaft, German Pellets GmbH, Rohstoffe an die Tochter German Pellets Supply – mittlerweile auch insolvent – zunächst verkauft und die damit produzierten Pellets anschließend wieder zurückgekauft haben soll. Beide Umsätze wurden gebucht.    

Von den 50,2 Millionen Euro, die German Pellets für 2014 operativ vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwirtschaftete, wurden unter dem Strich nur 11,2 Millionen Euro mit Endverbrauchern erzielt. Unter jeden dieser Geschäftsberichte setzte der Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt seinen Bestätigungsvermerk. Da es neben Leibold keinen weiteren Geschäftsführer gab, dürfte Alt dessen einziger echter Sparringspartner gewesen sein. 

Welche Rolle spielte Hans-Dieter Alt bei German Pellets?

Ein weiteres kurioses Detail: Hans-Dieter Alt sitzt im Vorstand der so genannten Pele Privatstiftung in Wien. Laut des vorläufigen Gutachtens von CMS wurden Erlöse der deutschen Anleiheemissionen von German Pellets dazu verwendet, um Darlehen an diese Stiftung zu begeben. Diese wiederum soll das Geld in Form von Eigenkapital an die Texas Pellets, Inc weitergereicht haben.

Die hat rechtlich nichts mit der deutschen Gesellschaft zu tun. Dadurch hat Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde zunächst wenig Chancen, sich das das Kapital zurückzuholen. Laut Berichten des Handelsblatts soll Hans-Dieter Alt zudem den Privatjet von Peter Leibold verwaltet haben und auch dessen Steuerberater gewesen sein.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie es zu der Insolvenz des selbsternannten Weltmarktführers am Pelletmarkt kommen konnte, lesen Sie in der neuesten Heftausgabe der FINANCE. Einen Überblick über die Krise liefert die FINANCE-Themenseite zu German Pellets.