Euromicron beruft gleich zwei Restrukturierer. Mit Bernd Depping und Roman-Knut Seger kommen zwei erfahrene BDO Sanierungsprofis.

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19.12.19
Wirtschaft

Euromicron holt zwei Sanierungsprofis von BDO

Das Chaos bei der insolventen Euromicron geht weiter: Der Netzwerkausrüster beruft nun gleich zwei Restrukturierer in den Vorstand. Damit wird die Führung innerhalb weniger Tage ein zweites Mal umsortiert.

Der insolvente Netzwerkausrüster Euromicron geht den nächsten Schritt seines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung: Der Aufsichtsrat des Neu-Isenburger Unternehmens hat mit sofortiger Wirkung gleich zwei Restrukturierungsexperten in den Vorstand bestellt, wie Euromicron mitteilte. Dabei handelt es sich um Bernd Depping sowie Roman-Knut Seger. Beide sind Geschäftsführer bei BDO Restructuring.

Depping gilt als einer der Top-Insolvenzspezialisten Deutschlands. Er und sein Team haben eigenen Angaben zufolge bereits über 1.300 Insolvenz- und Sanierungsfälle betreut, darunter etwa die Insolvenz der Zeitarbeitsvermittlers Tempton 2017 sowie das noch laufende Verfahren des Chemikalienherstellers Hansa Group. Zudem begleitete Depping die Sanierung in Eigenverwaltung des Münchener Feinkostunternehmens Schlemmermeyer, das vor wenigen Wochen von zwei Investoren übernommen wurde.

Euromicron sortiert Vorstand erneut um

Bei Euromicron wartet auf das Sanierungsduo nun eine große Herausforderung, denn die Lage bei dem Unternehmen ist vertrackt. Erst diese Woche entließ der Aufsichtsrat überraschend die Vorstandschefin Bettina Meyer „mit sofortiger Wirkung“. Ihre Aufgaben übernimmt bis Jahresende der Chief Technical Officer (CTO) Frank Schmitt. Nun folgt mit der Ernennung von Depping und Seger bereits die zweite Neuordnung des Vorstands innerhalb weniger Tage.

Zum 1. Januar sollen nach derzeitigem Stand dann noch zwei weitere Manager in den Euromicron-Vorstand einziehen. Dabei handelt es sich um die im November berufenen Michael Hofer als CFO sowie Andreas Schmid als Chief Operations Officer (COO).

Ob der Netzwerkausrüster in der derzeitige Lage fünf Vorstände benötigt, ist allerdings unklar. Bereits die Berufung von gleich zwei externen Vorständen für Restrukturierung gilt als eher unüblich. Das Unternehmen wollte die Vorgänge und Wechsel im Vorstand auf Nachfrage von FINANCE nicht kommentieren.

Funkwerk greift bei Euromicron durch

Die vielen Wechsel sowie der plötzliche Abgang von CEO Meyer deuten indes darauf hin, dass der Aufsichtsrat von Euromicron nun greifen will und die Richtung der Sanierung maßgeblich mitbestimmen will. Der Leiter des dreiköpfigen Kontrollgremiums, Michael Radke, agiert als Vertreter des Euromicron-Großaktionärs Funkwerk. Radke ist CEO der Funkwerk-Mutter Hörmann Industries.

Das Telekom- und IT-Unternehmen, das mit 15 Prozent an Euromicron beteiligt ist, reagierte empört auf die Beantragung des Schutzschirmverfahrens in der vergangenen Woche.  Nicht nur die Nachricht über die Insolvenz sei „völlig überraschend und ohne Vorankündigung“ gekommen. Auch über die Gespräche zum Verkauf der Tochtergesellschaften, die von der Insolvenz nicht betroffen sind, sei man weder informiert noch eingeladen worden, kritisiert Funkwerk damals.

Wie eine Sprecherin gegenüber FINANCE erklärte, arbeite man mit Hochdruck daran, die Gespräche mit potentiellen Investoren und den finanzierenden Banken voranzutreiben. Hier dürften die beiden Restrukturierer Depping und Seger nun zeitnah mit einsteigen.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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