Evonik

22.05.12
Wirtschaft

Evonik: RAG spielt bei IPO auf Zeit

Zum wiederholten Male steht der Börsengang von Evonik bevor. Aber das Management hält sich auch dieses Mal noch ein Hintertürchen offen. Vor allem der ursprünglich angepeilte IPO-Zeitpunkt Ende Juni ist mit einem Fragezeichen versehen.

Der vermeintliche Eisbrecher-IPO am deutschen Markt kommt allenfalls halbherzig voran: Die RAG-Stiftung, mit knapp 75 Prozent Hauptanteilseigner des Essener Chemiekonzerns Evonik, hat gestern Abend auf ihrer Kuratoriumssitzung beschlossen, an den Plänen für den Gang auf das Parkett festzuhalten. Bereits zwei Mal hatten die Verantwortlichen den Börsengang allerdings in der Vergangenheit wegen des unsicheren Marktumfelds abgesagt. Nun hält sich das Management auch beim dritten Anlauf einen letzten Ausweg offen: Man wolle die Aktien „nur zum fairen Preis“ verkaufen, zitierten Medienberichte RAG-Vorstandschef Wilhelm Bonse-Geuking. Deshalb ist auch der ursprüngliche IPO-Zeitpunkt Ende Juni alles andere als ausgemacht: Je nach Marktlage werde man den Zeitplan nochmals überprüfen müssen, hieß es gestern Abend.

Die Pläne sehen vor, rund ein Drittel der Evonik-Anteile in den Handel zu bringen. Sie sollen etwa 5 Milliarden Euro in die Kassen spülen – ein Betrag, den der Konzern dringend braucht, um von 2019 an die jährlichen Lasten aus der Stilllegung des Steinkohleabbaus zu finanzieren. Ende des vergangenen Jahres wurde der Kapitalbedarf dazu bereits auf knapp 11 Milliarden Euro beziffert.
 
Nun muss der Evonik-Aufsichtsrat dem IPO noch zustimmen. Sollte der IPO wie geplant über die Bühne gehen, wird sich zeigen, ob die Hoffnungen der Branche auf eine positive Signalwirkung auf den Rest des Marktes berechtigt sind. In diesem Jahr trauten sich bislang erst zwei Neulinge auf das Frankfurter Parkett: Anfang Mai verzeichnete die Börse mit dem Prime Standard-IPO Haikui Seefood den ersten Börsengang des Jahres überhaupt – der IPO missglückte jedoch, statt der angepeilten 19,5 Millionen Bruttoerlös wurden nur 2,8 Millionen Euro verzeichnet. In der vergangenen Woche ging der chinesische Mittelständler Goldrooster im Entry Standard an die Börse, mit 2,88 Millionen Euro war auch dies ein extrem kleiner Börsengang.
 
sarah.nitsche(*)finance-magazin(.)de