Tesla-Chef Elon Musk hat in den vergangenen Wochen einiges erlebt.

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04.09.18
Wirtschaft

FINANCE-Resterampe: Elon Musk, ein Finanzguru und eine königliche Intervention

Das besondere Leben des Elon Musk, ein Milliarden kostender Finanzguru und eine königliche IPO-Intervention: FINANCE ordnet die kuriosesten News aus der Finanzwelt der vergangenen Wochen ein.

Elon Musk: schlafloser Draufgänger

Man kann Tesla-Gründer Elon Musk viel vorwerfen, langweilig wird es mit ihm aber nie. In den vergangenen Wochen hat er den Kapitalmarkt in atemberaubenden Tempo verunsichert. Nachdem er im Mai Analysten beschimpft hatte, kündigte er über Twitter an, den Elektroautohersteller Tesla von der Börse nehmen zu wollen – „Finanzierung gesichert“. Damit wollte er bösen Shortsellern eins auswischen, die immerzu auf sinkende Kurse wetten, nur weil Tesla Produktionsprobleme hat.

Ein Leveraged-Buy-out von Tesla wäre geschätzt auf ein Volumen von stolzen 72 Milliarden Euro gekommen, wenn Musks eigener Anteil mitzählt. Ganz so sicher war die Finanzierung dann jedoch offenbar doch nicht, Musk hat das Delisting-Vorhaben wenige Tage später wieder begraben. Zu den Akten legen kann Tesla-CEO das Thema jedoch nicht: Wegen der ungewöhnlichen Kommunikation seitens Musk ermittelt nun die US-Börsenaufsicht SEC. 

Damit hat er nun noch mehr Ärger am Hals, und seine persönlichen Probleme dürfte er mit seinen Buy-out-Fantasien noch weiter verschärft haben. In einem Interview mit den Kollegen der „New York Times“ beichtete Musk Mitte August, dass er 120 Stunden die Woche arbeite, total erschöpft sei und nur mit Tabletten in den Schlaf finde. An der Börse kam das menschliche Bekenntnis nicht gut an: Tesla verlor 5 Milliarden Dollar Börsenwert. Aktionäre bevorzugen halt gut funktionierende, ausgeglichene und vitale Unternehmenslenker.

Guru bringt Milliardenkonzern zu Fall

Zwei Brüder, ein milliardenschweres Erbe: Es gibt schlimmere Ausgangslagen, als sie Malvinder und Shivinder Singh, Erben des gleichnamigen indischen Gesundheitsimperiums, vorgefunden haben. Blöd ist nur, wenn man, anstatt das Vermögen bloß zu verwalten, sich in beispiellose Skandale verirrt. Denn das seit mehreren Generationen bestehende Singh-Imperium steht am Rande des Abgrunds.

Ein Grund dafür: Ein Guru namens Gurinder Singh Dhillon, Gründer der Glaubensgemeinschaft (manche sagen Sekte) „Radha Soami Satsang Beas“. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtet, soll die größte Beteiligungsgesellschaft der Singh-Brüder dem Guru und mehreren seiner Immobilienfirmen insgesamt gut 300 Millionen Euro geliehen haben. Einige der Auslagen sollen wiederum mit geliehenen Geldern anderer Singh-Unternehmen finanziert worden sein. Insgesamt sollen knapp 1,5 Milliarden Euro auf diesem Weg geflossen sein. In der Folge ging das gesamte Singh-Imperium in die Knie. 

In den vergangenen Monaten pfändeten Kreditgeber Medienberichten zufolge den gesamten Aktienbesitz der Singh-Brüder. Finanzbehörden ermitteln, weil fast 300 Millionen Euro spurlos aus dem Unternehmen verschwunden sind. Weitere 500 Millionen Dollar stehen noch in einem Betrugsskandal um den Verkauf des Arzneimittelherstellers Ranbaxy Laboratories aus. Das Familienanwesen ist ebenfalls Teil der Konkursmasse.

Der Fall ist überaus undurchsichtig. Guru Dhillon ist ein Cousin der Mutter der Singh-Brüder. Nach dem Tod ihres Vaters wurde er das neue Familienoberhaupt. Seitdem sind die Finanzen der beiden Familienstämme eng miteinander verflochten. Mitglieder der Dhillon-Sekte bekamen sogar Führungspositionen im Singh-Konzern.

Krumme Geschäfte konnte noch keinem der Beteiligten nachgewiesen werden. Die Singh-Brüder bestreiten, dass Dhillon für die Schieflage verantwortlich sei. Er konzentriere sich ausschließlich auf seine „spirituellen Aufgaben“, hieß es in einer Mitteilung. Die haben offenbar ihren Preis.

König senkt Daumen über Saudi-Aramco-IPO

Eigentlich sollte der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco mit seinem Börsengang Geschichte schreiben. Das Projekt wurde nun aber abgesagt oder verschoben, je nach dem, welchen Darstellungen man Glauben schenkt.

Dem voraus ging eine Intervention von höchstem Range : König Salman, 82-jähriger Herrscher Saudi-Arabiens, soll das Projekt persönlich beendet haben. Er sei skeptisch, ob die angestrebte Bewertung von 2 Billionen (!!!) US-Dollar erreicht werden könne. Außerdem war dem König die für einen Börsengang nötige Transparenz ein Dorn im Auge. Vielleicht sollte er Tesla-Chef Elon Musk zum Essen einladen, um mehr über das Dasein einer börsennotierten Firma zu erfahren.

Otto gewinnt gegen Otto

Zum Schluss noch eine positive Meldung für jene, die Underdogs die Daumen drücken. Die Burger-Kette „Otto’s Burger“ hat eine Markenrechtsklage gegen den Versandhändler Otto gewonnen. Dieser hatte eine Verwechslungsgefahr gesehen, verzichtet nun aber auf eine Revision.

Dem Traditionskonzern aus Hamburg war die Gefahr wohl zu groß, dass Kunden bei der Verwirrung versehentlich Frikadellen anstelle von cremefarbenen Blusen bestellen könnten. Otto’s Burger zeigte sich nach dem gewonnen Rechtsstreit versöhnlich: Der Burgerladen hat alle Angestellten des Onlinehändlers ins Restaurant eingeladen – und bietet einen Rabatt von 25 Prozent.

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In der FINANCE-Resterampe sammelt die Redaktion die kuriosesten Meldungen der Finanzwelt und ordnet diese ein. Mega-Boni, undurchsichtige Geschäfte, Gesellschafterstreits: FINANCE hilft Ihnen den Überblick zu behalten.