Seit einigen Monaten eskaliert die Auseinandersetzung zwischen Wirecard und Financial Times immer mehr. Jetzt soll sogar ein Audio-Mitschnitt aufgetaucht sein, der die Reputation der Financial Times bedroht.

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24.07.19
Wirtschaft

FT startet Wirecard-Untersuchung

Nach dem Auftauchen belastender Tonbänder lässt die Financial Times jetzt eine Anwaltskanzlei die schweren Vorwürfe untersuchen, die Wirecard gegen die Zeitung erhebt. Und auch die UBS nimmt die Wirtschaftszeitung aufs Korn.

Es wird ernst für die Financial Times (FT): Die britische Wirtschaftszeitung reagiert auf das Auftauchen belastender Tonbänder in der Wirecard-Affäre. „Aufgrund der Ernsthaftigkeit der Anschuldigungen“ hat FT-Chefredakteur Lionel Barber eine „externe Untersuchung dieser hochkontroversen Geschichte“ eingeleitet. Die Londoner Anwaltskanzlei RPC soll klären, ob tatsächlich FT-Redakteure gemeinsame Sache mit Shortsellern gemacht haben, um den Wirecard-Kurs in die Tief zu ziehen, wie es der Münchener Dax-Konzern der Zeitung vorwirft.

Damit reagiert die FT erstmals erkennbar auf den Druck, den Wirecard seit Monaten auf die Zeitung ausübt, denn genau eine solche Untersuchung hat Wirecard verlangt. Die Vorwürfe Wirecards haben eine neue Qualität bekommen, seitdem der Konzern vor wenigen Tagen in den Besitz von verdeckt aufgenommenen Tonaufnahmen gekommen ist. Diesen ist zu entnehmen, dass ein Hedgefonds-Manager offenbar gut im Bilde war über einen weiteren, kurz bevorstehenden kritischen FT-Artikel zu Wirecard.

Er wollte dieses Wissen nutzen, um im Vorfeld der Veröffentlichung eine Short-Position gegenüber Wirecard aufzubauen. Wirecard ist seit Jahren im Visier von Shortsellern. Die Tonaufzeichnung ist mittlerweile auch der Münchener Staatsanwaltschaft München zugegangen.

Financial Times: „Wirecard will ablenken“

Der im Raum stehende Artikel, den die FT in der vergangenen Woche bis an die Schwelle der Veröffentlichung vorbereitet hatte, ist bislang noch nicht erschienen. Offenbar konfrontierte Wirecard die Zeitung mit dem Tonband, als die FT kurz vor der Veröffentlichung stand. Trotzdem geben die Briten nicht klein bei. Barber bezeichnet Wirecards Vorgehen als eine „Ablenkungstaktik, die darauf abzielt, zukünftige Berichterstattung über Wirecard zu hemmen.“ Barber stellt sich hinter den erfahrenen Finanzjournalisten Paul Murphy, der die Wirecard-Recherchen leitet.

Doch die Zeitung gerät nun auch noch von einer zweiten Seite unter Beschuss. Via Twitter warf die Schweizer Großbank UBS dem FT-Journalisten Stephen Morris eine „beschämende Berichterstattung“ und „Agendajournalismus“ vor. Er habe sehr negativ über die Geschäftsentwicklung berichtet, obwohl die Bank die Analystenerwartungen übertroffen habe und besser dastünde als viele US-Konkurrenten.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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