Am 26.12.2020 verstorben: Karl-Josef „Kajo“ Neukirchen

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04.01.21
Wirtschaft

Kajo Neukirchen an Corona verstorben

Er war eine der bekanntesten Managerpersönlichkeiten der 90er-Jahre. Nun ist Kajo Neukirchen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Zuletzt machte er sich als Privatinvestor einen Namen.

Der ehemalige deutsche Topmanager Karl-Josef „Kajo“ Neukirchen ist im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Coronavirus-Erkrankung gestorben. Neukirchen galt in den Neunziger- und Nullerjahren als Archetypus des harten Sanierers.

Der 1942 in Bonn geborene, aus bescheidenen Arbeiterverhältnissen stammende Neukirchen machte zunächst eine Kaufmannslehre, bevor er sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholte. Ab 1964 studierte er in seiner Heimatstadt Volkswirtschaft und Physik. 1973 folgte die Promotion in Betriebswirtschaftslehre.

Neukirchen, der Sanierungsexperte

Seinen beruflichen Einstieg fand der über 1,90 Meter große Manager als Assistent bei verschiedenen rheinischen Industrieunternehmen. 1981 wurde er in die Geschäftsführung der SKF Kugellagerfabriken nach Schweinfurt berufen, wo er im November 1985 den Vorsitz übernahm. Im Jahr 1987 wechselte er als CEO zu Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD, heute Deutz) nach Köln. Mit einer rohen, tiefgreifenden Restrukturierung rettete er den Motorenbauer vor der Pleite und schaffte den Turnaround. 

Fortan galt Neukirchen als Sanierungsexperte der damaligen „Deutschland AG“, auf den die Deutsche Bank gerne zurückgriff. Auf Betreiben des Finanzinstituts wurde der Bonner im Jahre 1991 Vorstandsvorsitzender bei Hoesch. Er übernahm damals die Nachfolge von Detlef Karsten Rohwedder, der an die Spitze der Treuhand wechselte und später durch ein Attentat der RAF starb. Die bereits laufende feindliche Übernahme durch Krupp konnte Neukirchen nicht abwehren, und so verließ er den fusionierten Stahlkonzern im August 1992 wieder.

Zweite Karriere im Private-Equity-Sektor

Wenig später, schon 1993, rettete er die mittlerweile als GEA Group firmierende Metallgesellschaft (MG) vor dem Ruin. Dabei ging der knallharte Manager abermals nach seinem Schema F vor: Kostensenkungen, Stellenstreichungen und Verkauf von Tochterunternehmen. Allein bei der Metallgesellschaft blieben von den über 700 Tochtergesellschaften am Ende lediglich 380 übrig. Gleichzeitig richtete er den Konzern auf die vier Kernbereiche Anlagenbau, Handel, Chemie und Bautechnik aus. In Erinnerung dürfte vielen die erbitterte Fehde mit MG-Großaktionär Otto Happel geblieben sein, der ihn im Jahr 2003 samt saftiger Abfindung von 13 Millionen Euro vor die Tür setzte.

Zuletzt machte sich Neukirchen im Private-Equity-Bereich als Gesellschafter der nach ihm benannten Kajo-Neukirchen-Gruppe einen Namen. Bis zuletzt stand er gemeinsam mit seinem Sohn Ralph an der Spitze der Eschborner Beteiligungsfirma, die neben Mittelstandsbeteiligungen auch in Immobilien investiert. Neben den IT-Unternehmen Vivavis und Systema gehören unter anderem auch der Papierhersteller Lahn Paper, der vielseitige Industriezulieferer Seeger-Orbis und der Oberflächenveredler Surfactor zum Portfolio. Einen Coup landete Neukirchen mit seinem Investment in den Transformatorenhersteller SGB-Smit, den er in den frühen 2000ern günstig von RWE übernahm und 2008 mit hohem Gewinn an BC Partners verkaufte.

Kajo Neukirchen hinterlässt eine Ehefrau, zwei Kinder und vier Enkeltöchter.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de