Dieselkrise, Strafzölle, Elektromobilität – die deutsche Autobranche steht unter Druck. Die Zweifel der Geldgeber wachsen.

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24.01.19
Wirtschaft

Kreditgeber zweifeln an Autobranche

Dieselkrise, Strafzölle, Elektromobilität – die deutsche Autobranche steht unter Druck. Work-out-Banker verzeichnen immer mehr Restrukturierungsfälle, Geldgeber werden skeptisch.

Finanzverantwortliche in der Autobranche müssen sich auf schwierige Gespräche mit ihren Kreditgebern einstellen. Das legen die Ergebnisse einer Umfrage der Sanierungsberatung CIC Consultingpartner nahe, die FINANCE vorliegt.

CIC hat 109 Restrukturierungsexperten befragt, die mit großer Mehrheit für Banken oder andere Finanziers tätig sind. Von diesen stufen 46 Prozent die Auto- und Zulieferindustrie als krisenanfälligste Branche der nahen Zukunft ein. Damit rangiert die einstige deutsche Vorzeigeindustrie weit vor dem Einzelhandel, den 29 Prozent als besonders gefährdet bezeichnen.

Mehr Restrukturierungsfälle in der Autobranche

Bereits seit Monaten steigt die Zahl der Restrukturierungen im Automobilsektor, wie das im November veröffentlichte FINANCE-Restrukturierungsbarometer zeigte. Damals gab ein Drittel der befragten Work-out-Banker an, dass Unternehmen aus der Branche „Fahrzeugbau und -zubehör“ derzeit besonders im Fokus ihrer Abteilungen stünden. Nur die Textilindustrie (41 Prozent) und der Handel (37 Prozent) produzierten damals mehr Krisenfälle.

Die Misere der Autobranche speist sich aus mehreren Faktoren: Neben der Dieselkrise leiden die Unternehmen unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Das bekommen auch börsennotierte Großkonzerne zu spüren: So mussten im vergangenen Jahr unter anderem die Autobauer BMW und Daimler, der Bordnetzproduzent Leoni und der Verbindungstechnikspezialist Norma ihre Prognosen wegen Strafzöllen sowie der verpatzten Umstellung auf das neue Abgastestverfahren WLTP kassieren. Schaeffler und Continental korrigierten ihre Gewinnerwartungen 2018 sogar gleich zweimal nach unten.

Zugleich erfordern der Wandel hin zur Elektromobilität, das autonome Fahren sowie digitale Geschäftsmodelle erhebliche Investitionen. Langfristig wird es für die Produkte einiger Zulieferer keinen Markt mehr geben, wenn Elektromotoren Diesel- und Benzinantriebe ersetzen. Investieren diese Unternehmen nicht frühzeitig in Neuentwicklungen, droht in einigen Jahren ein böses Erwachen.

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Trendwende am Restrukturierungsmarkt erwartet

Doch auch jenseits der Autobranche rechnet die überwiegende Mehrheit der von CIC befragten Sanierungsexperten mit einem Anstieg der Restrukturierungsfälle: 78 Prozent gehen davon aus, dass die Zahl der Krisenfälle in den kommenden zwölf Monaten steigt, 22 Prozent erwarten ein gleichbleibendes Niveau. Kein einziger Befragter rechnet mit rückläufigen Zahlen.

Das vielleicht größte Risiko: Die Finanzierer haben mehrheitlich nicht das Gefühl, dass die seit Jahren anhaltende Ruhe und die geringe Zahl der Restrukturierungsfälle für Verbesserungen bei den Sanierungsverfahren genutzt wurden: So sagen gut drei Viertel der Befragten, dass die ESUG-Reform im Jahr 2012, die Restrukturierungen erleichtern sollte, keine grundlegenden Veränderungen mit sich gebracht hätte. 94 Prozent halten das im Zuge der Reform eingeführte Insolvenzverfahren in Eigenregie nicht für den besseren Sanierungsweg, da Managementfehler nicht behoben würden. Zudem hätten sich auch die Anfechtungsrisiken nicht verringert, meinen 87 Prozent.

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