Krones hat sich ein Sparprogramm auferlegt – bringt das die Wende?

Stefan Kiefer/dpa/picture alliance/imageBROKER

30.10.19
Wirtschaft

Krones muss Sparmaßnahmen verschärfen

Hohe Kosten und eine wegbrechende Nachfrage zwingen den Anlagenbauer Krones zu deutlichen Sparmaßnahmen. Diese in die Tat umzusetzen, dürfte auch die erste große Aufgabe von Neu-CFO Norbert Broger werden.

Krones tritt noch stärker auf die Kostenbremse: Nachdem sich der Anlagenbauer im Sommer bereits erste Sparmaßnahmen auferlegt hatte, muss er diese jetzt noch einmal verschärfen. Der Vorstand habe „strukturelle Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Ertragskraft“ eingeleitet, wie der Konzern am heutigen Mittwoch verkündet.

Krones will bis zu 500 Arbeitsplätze streichen

Konkret will Krones nicht nur kurzfristig greifende Maßnahmen wie Budgetkürzungen vornehmen, sondern auch die Investitionen für die „nächsten ein bis zwei Jahre deutlich kürzen“. Dabei hatte das Unternehmen bis zum dritten Quartal 2019 noch einmal knapp 50 Millionen Euro mehr investiert als noch vor einem Jahr. Auch Zukäufe sollen zunächst keine Rolle mehr spielen. Stattdessen nimmt der Konzern Portfoliooptimierungen in den Blick – also möglicherweise auch Verkäufe.

Zudem sollen „alle Prozesse, Organisationsstrukturen und Ressourcen optimiert werden“ – es müssen laut Krones 300 bis 500 Arbeitsplätze gestrichen werden. Das betreffe hauptsächlich die knapp 11.000 Mitarbeiter an deutschen Standorten. Das überordnete Ziel dieser Maßnahmen: eine „nachhaltige Ergebnisverbesserung“ sowie „wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, um die Marktanteile zu halten und im besten Fall ausbauen zu können“.

Bei Krones läuft es bereits seit einiger Zeit nicht rund. Die Ertragskraft des bayerischen Anlagenbauers leidet nach eigener Aussage unter hohen Kosten und einem ungünstigen Produktmix, zudem gebe es eine schlechte Auslastung der Produktionskapazitäten im Bereich Maschinen und Anlagen der Kunststofftechnik.

Tiefroter Free Cashflow belastet Krones

Im Sommer erst hatte das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgeben müssen und verhängte daraufhin einen Einstellungsstopp sowie erste Maßnahmen zur Senkung der Materialkosten. Diese haben aber nicht gereicht, sodass nun strukturelle Maßnahmen vonnöten sind, gibt Krones zu.

Das machen auch die heute veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal deutlich. So liegt der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den ersten 9 Monaten 2019 bei 164,3 Millionen Euro, das sind 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Konzernergebnis hat sich im selben Zeitraum mehr als halbiert auf 40,3 Millionen Euro.

Besorgniserregend ist vor allem der Free Cashflow des Unternehmens, der nach den 9 Monaten 2019 mit einem Abfluss von 294,5 Millionen Euro tiefrot ist (Vorjahr: -140 Millionen Euro). Zwar konnte der Anlagenbauer in den ersten 9 Monaten mit knapp 2,9 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden, bereinigt um Akquisitions- und Währungseffekte schrumpft das Plus aber auf 2,7 Prozent.

Krones-Aktionäre nehmen Sparmaßnahmen positiv auf

Immerhin entwickelte sich das dritte Quartal etwas besser: Der Umsatz stieg verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf über 1 Milliarden Euro, das Ebitda verringerte sich nur leicht um 2,9 Prozent auf 47,4 Millionen Euro. Auch Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank merkt positiv an, dass sich die Situation bei Krones nach einem „desaströsen zweiten Quartal“ wieder stabilisiert habe. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sieht er in der Branche weiterhin attraktive Wachstumschancen. Die nun eingeleiteten Sparmaßnahmen verbesserten die Kostenstruktur des Konzerns.

Sparkurs-Ankündigung erleichtert Krones-Aktionäre (6-Monats-Chart)

Das scheinen auch die Aktionäre ähnlich zu sehen, die nach einer Talfahrt erste Hoffnung schöpfen. Notierte das Papier noch im Sommer 2018 bei 120 Euro, ging es seitdem bergab. Nach der Gewinnwarnung im Sommer notierte die Aktie gerade einmal bei 53 Euro. Nach Bekanntgabe der Sparmaßnahmen hat sie sich am heutigen Vormittag mit einem Plus von 9 Prozent auf knapp 62 Euro wieder etwas erholt.

Krones selbst hält an den bereits reduzierten Jahreszielen weiterhin fest: Der Anlagenbauer rechnet damit, dass die Produktionskapazitäten im vierten Quartal wieder gut ausgelastet sind. Er bleibt dennoch vorsichtig: „Das Erreichen des Ziels ist aber sehr anspruchsvoll.“

CFO Norbert Broger muss Sparmaßnahmen umsetzen

Die Begleitung des Sparprogramms dürfte nun in den Händen von CFO Norbert Broger liegen: Nachdem Finanzchef Michael Andersen nach der Gewinnwarnung seinen Hut nahm, wurde Broger als Altbekannter in den Finanzvorstand berufen – schon zwischen 2006 und 2012 arbeitete er als Zentralbereichsleiter Controlling, Risikomanagement und strategische Unternehmensentwicklung bei Krones. Broger wird seine Arbeit zum neuen Jahr aufnehmen, bis dahin verantwortet Ex-CFO und seit Juli CEO Christoph Klenk die Finanzen des SDax-Unternehmens.

olivia.harder[at]finance-magazin.de