Siegfried Hofreiter baute sich über Jahre ein Agrar-Imperium auf, das 2016 krachend in sich zusammenfiel.

FINANCE TV

30.08.18
Wirtschaft

KTG-Manager auf der Anklagebank

Heute hat in Hamburg der Prozess gegen ehemalige Manager des insolventen Agrarkonzerns KTG Agrar begonnen. Siegfried Hofreiter & Co. wird Insolvenzverschleppung vorgeworfen. Ihnen drohen 189 Millionen Euro Schadensersatz.

Vor zwei Jahren hat der Agrarkonzern KTG Agrar Insolvenz angemeldet. Zu spät, findet Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Er wirft dem Management um den ehemaligen Geschäftsführer Siegfried Hofreiter Insolvenzverschleppung vor.

Vor dem Hamburger Landgericht fordert Denkhaus deshalb 189 Millionen Euro Schadensersatz. Angeklagt sind insgesamt acht Führungskräfte. Trotz Insolvenzreife hätten sie Zahlungen an einzelne Gläubiger geleistet, wodurch andere Geldgeber geschädigt worden sein.

Bereits vor rund einem Jahr gab es Berichte, denen zufolge der Insolvenzverwalter Hofreiter finanziell zur Rechenschaft ziehen wollte. Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelte damals bereits wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrug gegen ehemalige KTG-Manager. Diese Ermittlungen dauern an, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft jüngst gesagt. Sie würden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Das KTG-Agrar-Desaster

KTG konnte bereits Anfang Juni 2016 seine Zinsen für die 250 Millionen Euro schwere Anleihe nicht bezahlen. Der Insolvenzantrag folgte aber erst einen Monat später, nachdem Hofreiter seine Gläubiger immer wieder vertröstet hatte. Da Hofreiter eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hatte, konnte er die Geschäfte auch nach der Pleite noch über eine Woche weiterführen, ehe Stefan Denkhaus und der Restrukturierer Jan Ockelmann das Runder übernahmen.

Ihre erste Bilanz der Pleite fiel Anfang September 2016 verheerend aus: Ein dreistelliger Millionenbetrag war verschwunden. Zudem sei KTG mit fast 400 Millionen Euro überschuldet. Mit dem ehemaligen Management gingen die beiden Restrukturierer damals hart ins Gericht. Als Gründe für die Pleite nannten sie eine „unangemessene Kostenstruktur, nicht geprüfte Investitionsprozesse und das Fehlen professioneller Unternehmensstrukturen“.

Sie beschrieben den Konzern als „ein weitestgehend undurchsichtiges Firmengeflecht ohne transparente Finanzen und Controlling-Systeme“. Die Informationsstruktur sei „bewusst hierarchisch“ gewesen. Dennoch fanden die beiden einen Käufer: Die Bremer Unternehmerfamilie Zech übernahm einen Großteil des KTG-Imperiums, inklusive dem Schwesterunternehmen KTG Energie. Doch Freude macht ihnen dieses Investment nicht.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Leere Versprechungen, Lügen und Millionenschäden: Verfolgen Sie die ganze Geschichte der Pleite auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar.