Werft in Wismar: Nordic Yards hofft durch asiatischen Investor auf neue Aufträge

Nordic Yards

03.03.16
Wirtschaft

M&A-Deal rettet die Nordic Yards

Ein M&A-Deal sorgt für Erleichterung an der Ostseeküste: Die asiatische Genting Group übernimmt drei Werftstandorte von Nordic Yards und weckt damit Hoffnungen auf bessere Zeiten, denn die nächste Fusion wird schon vorbereitet.

Es war schon längere Zeit spekuliert worden, nun ist es fix: Die asiatische Genting Group übernimmt den Schiffsbauer Nordic Yards aus Mecklenburg-Vorpommern und damit alle drei Standorte des Unternehmens. Bereits zum Jahreswechsel hatten die Malaysier die Bremerhavener Lloyd Werft gekauft. Nun wollen sie die Lloyd Werft mit Nordic Yards zusammenführen, um einen neuen großen Werftenverbund zu schmieden, der „Lloyd Werft Group“ heißen soll.

Der asiatische Investor lässt sich die Übernahme der drei Standorte in Wismar, Warnemünde und Stralsund 230,6 Millionen Euro kosten. Genting übernimmt die Nordic Yards von ihrem bisherigen Besitzer, dem russischen Industriellen Vitaly Yusufov. Der russische Investor hatte die traditionsreichen Schiffbaubetriebe 2009 übernommen, es aber nicht geschafft, für die Werften eine nachhaltige Zukunft zu finden.

Nordic Yards soll Genting im Kreuzfahrtmarkt voranbringen

Genting ist ein Mischkonzern und mit mehreren Tochterunternehmen auf verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv. Ein zentrales Investment ist der Besitz der drei Kreuzfahrtreedereien „Star Cruises“, „Crystal Cruises“ und „Dream Cruises“, die nach Angaben von Nordic Yards die drittgrößte Kreuzfahrtreederei der Welt bilden.
   
Die Region hofft, dass der M&A-Deal neue Hoffnung an die Ostseeküste bringt. Weltweit, vor allem aber in Asien boomt die Kreuzfahrtbranche, und die Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen steigt. Gleichzeitig sind die wenigen Werften, die diese gigantischen Schiffe bauen können, für viele Jahre ausgelastet, so dass die Reedereien kurzfristig nicht an neue Schiffe kommen.

Genting will dieses Problem nun offenbar selbst lösen und die deutschen Werften für den Bau von Kreuzfahrtschiffen ertüchtigen. Dafür garantiert  der malaysische Konzern den Erhalt aller 1.400 Beschäftigten. Für  Nordic Yards könnte das die Rettung sein, denn die Spezialisierung auf Spezialschiffe – zum Beispiel zur Errichtung von Offshore-Windparks – hat nur anfangs funktioniert. Nun sind die Aufträge abgearbeitet, und ab Sommer droht dem Werftenverbund die Arbeit auszugehen.

Kann Nordic Yards überhaupt Kreuzfahrtschiffe bauen?

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen für die Genting-Reedereien würde wohl auf Jahre hinaus die Standorte sichern, doch diese Projekte gelten als technisch anspruchsvoll. Auch andere große asiatische Werften haben es nicht geschafft, im Kreuzfahrtbusiness Fuß zu fassen. So lässt gerade beispielsweise die Reederei Aida neue Kreuzfahrtriesen in Asien fertigen, doch die Projekte haben die Zeit- und Kostenbudgets deutlich überschritten.

Der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, begrüßte die Übernahme durch den asiatischen Investor.

julian.woehr[at]finance-magazin.de