Ein Coup, den man selten sieht: Der Minderheitsaktionär United Internet hat alle Plätze im Aufsichtsrat von Tele Columbus besetzt.

Tele Columbus

30.08.19
Wirtschaft

Machtwechsel bei Tele Columbus

Der Machtkampf bei Tele Columbus ist entschieden: Obwohl mit weniger als 30 Prozent beteiligt, ist es United Internet gelungen, den Aufsichtsrat komplett mit eigenen Leuten zu besetzen. Wie geht es jetzt weiter?

United Internet hat sich im Kampf um die Macht bei Tele Columbus durchgesetzt. Obwohl United Internet weniger als 30 Prozent an Tele Columbus hält, hat es der Minderheitsaktionär auf der gestrigen Hauptversammlung geschafft, den kompletten Aufsichtsrat des Kabelnetzbetreibers mit eigenen Kandidaten zu besetzen. Dass Großaktionäre ihre Stellung ausnutzen, um sich eine derartige Überrepräsentation in dem Gremium zu sichern, ist ungewöhnlich.

Die sechs Kandidaten von United wurden in einer Blockwahl gewählt. Die Zustimmung lag bei 58 Prozent, insgesamt stimmten 79 Prozent des Grundkapitals ab. Das bedeutet, dass der Wahlvorschlag des Telekommunikationskonzerns aus Montabaur auch die Unterstützung anderer Aktionäre fand.

Hintergrund des Vorstoßes von United Internet ist die schwache Performance von Tele Columbus: Bröckelnde Gewinne, hohe Investitionen und explodierende Schulden haben den Aktienkurs einbrechen lassen. Die Aktie ist nur noch ein Fünftel dessen wert, was United Internet beim Einstieg Anfang 2016 bezahlte.  

Kein Spaß für United Internet (Aktienkurs von Tele Columbus)

Harte Kritik am Vorgehen von United Internet

Doch es gab und gibt auch kritische Stimmen zu der Machtergreifung des Minderheitsaktionärs. Von den übrigen Großaktionären traute sich im Vorfeld jedoch nur der Finanzinvestor Alatus aus der Deckung. In einem angriffslustigen FINANCE-Interview warf Alatus dem Mitaktionär vor, sich „feindselig“ gegenüber Tele Columbus und den übrigen Aktionären zu verhalten. United sei ein „Wettbewerber“, dessen Vorstoß den Turnaround von Tele Columbus gefährde. „So sieht kein Aufsichtsrat aus, der die Interessen aller Aktionäre adäquat vertritt.“

Nach der gestrigen Hauptversammlung äußerten auch Aktionärsschützer Kritik an dem Vorgehen des Großaktionärs sowie Zweifel an der Unabhängigkeit der Aufsichtsräte.    

Tele Columbus kratzt an den Covenants

Dennoch gibt es auch Signale, dass sich die Wogen bei Tele Columbus nun glätten könnten. United Internet erklärte im Nachgang der HV, dass „eine breite Mehrheit der Aktionäre einen Neuanfang auch im Aufsichtsrat unterstützt“. Im Vorjahr gab es bereits Wechsel an der Vorstandsspitze und im Finanzvorstand.

Der neue Aufsichtsratschef Volker Ruloff sagte, der Aufsichtsrat fühle sich „allen Anteilseignern gleichermaßen verpflichtet“. Auch Vorstandschef Timm Degenhardt, der mit den bisherigen Aufsehern gerne weiter zusammengearbeitet hätte, signalisierte, an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem neuen Aufsichtsrat interessiert zu sein.

Entspannen könnte sich die aufgeheizte Lage auch durch die aktuelle Geschäftsentwicklung. Das zweite Quartal übertraf erstmals seit langem wieder die Markterwartungen, und Tele Columbus kehrte zu Umsatz- und Gewinnwachstum zurück. Damit könnte sich der Kabelnetzbetreiber in der zweiten Jahreshälfte womöglich auch wieder ein Stück weit von den Covenants entfernen, die in gefährliche Nähe gerückt sind: Nach einem teuren Investitionsprogramm ist der Leverage von Tele Columbus auf 6,2x Ebitda angeschwollen, was auch United Internet besorgt. Doch der Höhepunkt der Investitionsausgaben ist nach Aussage des Unternehmens überwunden. 

Ob es nun jedoch noch zu dem vom Management erwogenen Teilverkauf des hauseigenen Kabelnetzes kommt, ist unwahrscheinlich. Für United Internet, deren Tochter 1&1 Drillisch in Kürze damit beginnen wird, ein 5G-Mobilfunknetz aufzubauen, haben die schnellen Netze von Tele Columbus strategische Bedeutung. Sie könnten das Rückgrat von Drillischs 5G-Netz bilden. Kommt es zu keinem Teilverkauf des Netzes, dürfte der Leverage von Tele Columbus auch in den nächsten Jahren sehr hoch bleiben.   

FINANCE-Köpfe

Eike Walters, Tele Columbus AG

Seine berufliche Karriere beginnt Eike Walters im Immobilienbereich: Er arbeitet im Controlling und leitet die Buchhaltung eines Mittelständlers. 2007 wechselt er zum Kabelnetzbetreiber Tele Columbus. Hier ist er zunächst in diversen Controlling-Positionen und später als Referent des CEOs tätig.

Anschließend agiert er für die Berliner mehrere Jahre als Director Controlling. In dieser Position bereitet er den Börsengang des Kabelnetzbetreibers vor und plant im Jahr 2015 die Übernahmen der Wettbewerber Primacom und Pepcom. Im Juli 2018 folgt er als CFO von Tele Columbus auf Frank Posnanski.

zum Profil

Vertrauensvotum für Neu-CFO Eike Walters

Seit gestern endgültig abgeschlossen ist das Kapitel Tele Columbus hingegen für Frank Posnanski. Der langjährige Finanzvorstand hatte das Unternehmen vor einem Jahr in schwerem Fahrwasser an seinen Nachfolger Eike Walters übergeben. Posnanski wurde von den Aktionären entlastet, wenn auch nur mit sehr schwachen 54 Prozent. Der neue CFO Eike Walters erreichte 99,5 Prozent.  
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr über den alten und den neuen Finanzchef von Tele Columbus erfahren Sie in den FINANCE-Köpfe-Profilen von Eike Walters und Frank Posnanski