Noch lange nicht über den Berg: Der angeschlagene Autozulieferer Leoni muss sich restrukturieren und will seine Kabelsparte verkaufen.

Leoni AG

16.03.21
Wirtschaft

Mission completed: Ziems scheidet bei Leoni aus

Nach einem Jahr als Chief Restructuring Officer (CRO) kehrt der Sanierer Hans-Joachim Ziems Leoni den Rücken. Aber über den Berg ist der Autozulieferer noch lange nicht.

„Auftrag erfüllt“ heißt es Hans-Joachim Ziems bei Leoni. Bei dem Nürnberger Autozulieferer war der bekannte Sanierungsprofi im April vergangenen Jahres als Chief Restructuring Officer (CRO) eingestiegen, um den in eine schwere finanzielle Schieflage gerutschten Konzern zu sanieren.

Zum 31. März ende nun sein einjähriges Mandat, die Funktion des CRO werde nicht nachbesetzt, heißt es vom Unternehmen. „Nachdem es uns im vergangenen Geschäftsjahr gemeinsam gelungen ist, den Fortbestand des Geschäftsbetriebs zu sichern und die Weichen für die nachhaltige Stabilisierung der Geschäftsentwicklung zu stellen, scheide ich planmäßig aus dem Vorstand der Leoni aus“, so Ziems. Mit dem Strategie- und Performance-Programm „Value 21“ und dem angelaufenen Restrukturierungskonzept habe Leoni die richtigen Maßnahmen auf den Weg gebracht, um zurück in die Erfolgsspur zu kommen.

Doch so ganz trennen sich die Wege von Leoni und Ziems noch nicht: Das Beratungshaus Ziems & Partner wird Leoni und den Vorstand weiterhin „gezielt bei der Umsetzung verbleibender Restrukturierungsmaßnahmen unterstützen“, teilte Leoni mit.

Leoni ist bis Ende 2022 durchfinanziert

Das dürfte auch nötig sein. Zwar ist es Ziems gemeinsam mit Vorstandschef Aldo Kamper – dessen Vertrag gestern um fünf Jahre verlängert worden ist – und CFO Ingrid Jägering gelungen, die diversen Brandherde bei Leoni zu löschen. Doch gerettet ist der Autozulieferer noch nicht. Letztlich verschaffen die bisher  eingeleiteten Schritte dem Unternehmen, das 2019 einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 384 Millionen Euro verbucht hatte, lediglich eine Galgenfrist, um dafür zu sorgen, dass der Konzern wieder in die Gewinnzone fährt. Für 2020 werden die Franken wegen hoher Sonderaufwendungen für die Restrukturierung am morgigen Mittwoch wohl erneut einen Ebit-Verlust von rund 300 Millionen Euro vermelden. Aber im vierten Quartal zeigten sich schon deutliche Besserungsanzeichen.

Zudem konnte der Hersteller von Kabeln, Bordnetzen und Drähten im Februar vergangenen Jahres eine Lösung für die Rückzahlung des bald danach fälligen Schuldscheins finden und die Coronakrise im April mithilfe einer zusätzlichen, zu 90 Prozent vom Staat abgesicherten Kreditlinie über 300 Millionen Euro meistern. Damit sieht sich Leoni bis Ende 2022 durchfinanziert.

Ziems hielt Vorgänger für „überfordert“

Doch die geplante Bilanzsanierung kommt langsamer voran als geplant – auch, weil die dafür fest eingeplanten Zuflüsse aus dem Verkauf der Kabelsparte („Wire & Cable Solutions Division“) nicht so rasch fließen wie erhofft. Der Plan A, den Geschäftsbereich als Ganzes zu verkaufen, ist gescheitert. Stattdessen ist nun ein Carve-out der einzelnen Töchter des Geschäftsbereichs geplant – mitsamt einem mühsamen Verkauf in einzelnen Deals. Der neue Plan sieht die Herauslösung der WCS-Sparte, die mit 1,8 Milliarden Euro zuletzt für rund 40 Prozent des Konzernumsatzes von Leoni stand, in sechs Teilen vor. Ein erster Deal kam vor zwei Wochen zustande.

Ziems, der schon im August 2019 zunächst als Berater bei Leoni eingestiegen war, sieht die Schuld für die Misere vor allem im missglückten Wachstumskurs des Automobilzulieferers unter den früheren Vorständen um Ex-CEO Dieter Bellé und CFO Karl Gadesmann. Seinen Vorgängern attestierte Ziems, mit der Situation „überfordert“ gewesen zu sein.