BaaS.Business

27.11.18
Wirtschaft

Mobilcom-Gründer Schmid ist zurück

Am Neuen Markt war er eine Legende. Jetzt ist Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid zurück. Er will das nächste Einhorn in der Blockchain-Szene aufbauen.

In den vergangenen Jahren war es still geworden um Gerhard Schmid. Der Unternehmer, der mit dem Telekom-Herausforderer Mobilcom und dem AOL-Konkurrenten Freenet in den späten Neunzigerjahren zu einem Star des Neuen Marktes geworden war, musste mit dem Zusammenbruch des Tech-Segments ebenfalls einen tiefen Fall verkraften. Er verlor einen Großteil seines Vermögens. Seit einigen Jahren berät er Start-ups, und jetzt glaubt er, dort auf seine nächste große Idee gestoßen zu sein.

„Ich habe mich bei der Beratung eines Unternehmens zum ersten Mal intensiv mit dem Thema Blockchain auseinandergesetzt und festgestellt, dass es dort einige Parallelen zu meinen früheren Geschäftsideen gibt“, berichtet Gerhard Schmid im Interview mit FINANCE. Wieder eine disruptive Technologie, wieder ein ganz neuer Markt. Schmid: „Ich war schon immer ein First Mover, und das will ich auch bei dieser Entwicklung sein.“

Dabei war der 66-Jährige anfangs mehr als skeptisch: „Ich habe Blockchain immer mit Bitcoin verknüpft und hielt sie deshalb für uninteressant“. Erst beim zweiten Blick habe der das Potential erkannt, das die Blockchain-Technologie für die Unternehmenswelt mit sich bringe. Ganz egal, ob es um Logistik, Finanzierung oder Supply Chain geht – Schmid geht davon aus, dass die Blockchain in verschiedensten Anwendungen enorme Vorteile bringen kann.

Gerhard Schmid baut „Blockchain as a Service”

„Bei neuen Technologien ist der Weg zum Erfolg eigentlich immer ähnlich – man muss die Eintrittsbarrieren senken”, erläutert der Unternehmer. Und genau dort setzt seine neue Geschäftsidee an. Er will eine Plattform aufbauen, die letztlich funktioniert wie ein App-Store. Auf dieser Plattform sollen die unterschiedlichsten Blockchain-Anwendungen für Unternehmen gebündelt werden. „Unternehmen müssen dann keine eigene Blockchain aufbauen, um die Vorteile der Technik für sich nutzen zu können“, erklärt Schmid.

Die Apps will er aber nicht selbst entwickeln. „Dafür suchen wir Branchenexperten, die eine ganz konkrete Idee für ein Anwendungsfeld der Blockchain in einer speziellen Branche haben und damit ihr eigenes Geschäft aufbauen wollen.“ Gemeinsam mit Schmid und seinem Team sollen diese Apps entwickelt und auf die Plattform gestellt werden. Der Kunde zahlt für die Nutzung der jeweiligen App, Schmid und sein Team erhalten einen Teil des Erlöses. Auch für die Transaktionssicherheit und die Einhaltung der notwendigen Know-Your-Customer-Spielregeln will Schmid sorgen – wenn nötig mit Hilfe externer Partner.

Blockchain für die Finanzabteilung

Im Bereich der Unternehmensfinanzierung sieht Schmid zahlreiche Anwendungsfelder für die Blockchain. „Ich denke zum Beispiel an den Bereich Trade Finance. Aber auch bei der Platzierung von Schuldscheinen kann die Blockchain enorme Vorteile bringen“, so der experimentierfreudige Unternehmer.

Beide Ideen befinden sich bereits in der Umsetzung, wenn auch ohne Zutun des Ex-Mobilcom-Chefs. Den Blockchain-Schuldschein treibt zum Beispiel die LBBW und die Erste Group voran, im Trade-Finance-Bereich rollen Anbieter wie We.Trade, Marco Polo und Voltron Blockchain-Anwendungen aus, die hohes Verbesserungspotential versprechen.

„Theoretisch würden natürlich auch wir gerne mit diesen Playern zusammenzuarbeiten“, wirbt Schmid. Aber: „Bei den Plattformen, bei denen eine Bank dahinter steht, mache ich mir wenig Hoffnungen. Banken wollen immer alles selbst entwickeln, die brauchen uns nicht.“ Schmid hofft aber darauf, sich in dem Segment möglicherweise mit einer White-Label-Lösung noch positionieren zu können.

Mobilcom-Gründer arbeitet an eigenem ICO

Bis zur Umsetzung seiner Idee liegt allerdings noch ein weiter Weg vor dem Unternehmer. Zunächst muss der nötige Kapitalbedarf gedeckt werden. Bislang wird Schmids Start-up namens BaaS.Business vom Family Office der Familie Schmid und einem Venture Partner finanziert, über andere Finanzierungswege plant Schmid aber, für das Projekt weitere 20 Millionen Euro einzusammeln. Als Finanzierungsquelle hat er sich ganz blockchain-gerecht für einen Initial Coin Offering (ICO) entschieden.

Um die nötigen Investoren zu finden, geht Schmid weltweit auf Roadshow. Gerade stand Korea auf der Reiseroute. Als Geldgeber setzt Schmid aber nicht auf Privatanleger, die den ICO-Markt prägen, sondern auf professionelle Geldgeber. Die Mindestanlagesumme beträgt 100.000 Euro. Bei der Transaktion sollen Token platziert werden, in denen sowohl Eigentums- als auch Nutzungsrechte verbrieft sind und die den Anforderungen der Bafin an Wertpapiere genügen, teilt Schmid mit.

Ambitionierte Ziele für Blockchain as a Service

Der Businessplan ist riskant: Für die Entwicklung der Plattform selbst benötigt Schmid nach eigenen Angaben nur 1 bis 1,5 Millionen Euro. Der Rest der Mittel soll ins Business Development fließen. Dass das Projekt dort Fahrt aufnimmt, ist erfolgskritisch, denn Schmid und sein Team müssen schnell eine große Mengen Personen und Unternehmen finden, die gute und funktionale Blockchain-Apps für seine Plattform entwickeln oder bereitstellen. Im nächsten Jahr soll es losgehen, hofft Schmid: „Bis März oder April soll die Plattform mit drei Apps an den Start gehen. Innerhalb von zwei Jahren wollen wir dann auf über 200 Apps wachsen.“

„Innerhalb von zwei Jahren wollen wir dann auf über 200 Apps wachsen.“

Gerhard Schmid, BaaS.Business

Gleichzeitig muss der Unternehmer bei den potentiellen Unternehmenskunden, die die App-Plattform nutzen sollen, Vertrauen schaffen – in eine Technologie, die vielen noch nicht geheuer ist. Schmid hofft auf den Mittelstand. „Beim Mobilfunk und beim Internet gab es anfangs auch diverse Vorbehalte, und Großkonzerne bewegen sich erfahrungsgemäß als letztes. Also setzen wir auf die kleineren Unternehmen, die flexibler auf Marktneuheiten reagieren können.“

Obwohl die Hürden hoch sind, ist Gerhard Schmid von seiner Idee fest überzeugt. Die Ziele des noch nicht aktiven Unternehmens sind ambitioniert: 2020 soll der Break-Even erreicht werden, 2021 ist bereits ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweistelligen Millionenbereich angepeilt.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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