Deutsche Börse

04.01.18
Wirtschaft

Neue Enthüllungen im Fall Kengeter

Brisanter Brief an das Amtsgericht Frankfurt: Die Finanzaufsicht Bafin hat im Herbst offenbar massiv interveniert, um die Einstellung des Verfahrens gegen Ex-Börsen-Chef Carsten Kengeter zu verhindern – mit Folgen.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, hat sich die Finanzaufsicht Bafin stark in die juristische Verfolgung der möglichen Insidergeschäfte von Ex-Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter eingebracht. Das Wirtschaftsmagazin zitiert aus einem Brief, in dem die Bafin das Amtsgericht Frankfurt dazu auffordert, Kengeter anzuklagen.

Brisant ist der Zeitpunkt, an dem der Brief abgeschickt wurde: Damals erwog die Frankfurter Staatsanwaltschaft, das Kengeter-Verfahren gegen die Zahlung von 500.000 Euro einzustellen. Die Deutsche Börse hatte ihrerseits gehofft, gegen Zahlung von 10,5 Millionen Euro die Ermittlungen wegen fehlerhafter Kapitalmarktinformation hinter sich zu lassen. Wenig später teilte das Amtsgericht jedoch mit, dass es einen solchen Schritt nicht hinnehmen werde.

Zurückzuführen sind die Ermittlungen gegen Kengeter auf den Erwerb von Deutsche-Börsen-Aktien im Wert von 4,5 Millionen Euro im Dezember 2015. Der Aktienkauf ist Gegenstand von Ermittlungen, da nur zwei Monate nach dem Millionenkauf die Pläne zur Fusion mit der Londoner Börse bekannt wurden. Damit könnte ein Fall von Insiderhandel vorliegen. Ende Oktober erklärte Kengeter schließlich seinen Rücktritt.

Bafin warnte vor „Millionenvorteilen“ für Kengeter

In dem Brief warnt die Bafin die Frankfurter Richter eindringlich davor, das Verfahren einzustellen: „Bereits der Vorwurf des Insiderhandelns in Millionenhöhe dürfte für sich genommen eine Schwere der Schuld indizieren, die einer Verfahrensbeendigung entgegensteht.“ Den „finanziellen Sondervorteil“, den Kengeter im Zuge seines Aktienerwerbs erlangt habe, schätzte die Bafin auf 5 Millionen Euro und mehr.

Entsprechend formulierten die Finanzaufseher „erhebliche Bedenken“ auch gegen die im Raum stehende Höhe der Geldauflage von 500.000 Euro, da diese Kengeters Vermögensvorteil „nicht ansatzweise“ abschöpfe und dem Manager „ein Gewinn in Millionenhöhe“ verbliebe.

Zudem glaubt die Bafin, dass Kengeter dem Compliance-Chef der Deutschen Börse im Vorfeld bewusst Informationen über die Fusionsverhandlungen mit der London Stock Exchange vorenthalten habe, „um die Voraussetzungen für eine günstige Antwort zu schaffen“.

Den Posten als Chef der Deutschen Börse hat inzwischen der langjährige Chef der Hypovereinsbank, Theodor Weimer, übernommen. In einem Brief an die Mitarbeiter setzte er sich in dieser Woche deutlich von seinem Vorgänger Kengeter ab.  

kerstin.hammann[at]finance-magazin.de