Der Autozulieferer Leoni ist angeschlagen. Nun drängt Stefan Pierer in den Aufsichtsrat.

Leoni

FINANCE+ 06.04.21
Wirtschaft

Pierer pirscht sich an Leoni heran

Der österreichische Industriekonzern Pierer drängt in den Aufsichtsrat von Leoni. Was plant der Investor bei dem angeschlagenen Autozulieferer?

Pierer Industrie, die Investment-Holding des österreichischen Unternehmers Stefan Pierer, greift nach mehr Macht bei Leoni: Pierer entsendet seinen Vertrauten Klaus Rinnerberger in den Aufsichtsrat des kriselnden Kabel- und Bordnetzsystemherstellers aus Nürnberg, wie das Unternehmen soeben bekanntgab. Rinnerberger sitzt seit August 2016 im Vorstand von Pierer Industrie.

Im Kontrollgremium von Leoni löst er Dirk Kaliebe ab. Der ehemalige Heideldruck-CFO war im August 2020 zum Aufsichtsrat des SDax-Unternehmens gestoßen. Sein Vertrag war befristet bis zur Hauptversammlung 2021, die am 21. Mai stattfinden wird. Mit Kaliebe war ein erfahrener Sanierer zu Leoni gekommen, der bei den Nürnbergern vieles von dem wiederfand, was er schon von seinem früheren Arbeitgeber Heideldruck kannte: Verhandlungen mit Kreditgebern wie Deutsche Bank und HSBC sowie der Einsatz von Staatsmitteln.

Leoni: Nach Ziems auch Kaliebe vor dem Absprung

Der wichtigste Sanierer ist schon weg: Hans-Joachim Ziems. Der Sanierungsexperte war seit April 2020 als Chief Restructuring Officer für die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts von Leoni verantwortlich. Auf Wunsch der Gläubiger sollte er nach Jahren des unrentablen Wachstums bei Leoni eine klare Linie hineinbringen, speziell im Cash Management und der Liquiditätssicherung.

Nach seinem Weggang steht die operative Sanierung im Fokus, die von CEO Aldo Kamper und CFO Ingrid Jägering geleitet wird. Während Kampers Vertrag Mitte März bis Ende 2026 verlängert wurde, scheidet Ziems aus dem Vorstand aus, bleibt aber über seine Gesellschaft Ziems & Partner als Berater bei Leoni an Bord.

Will Pierer Leoni vollständig übernehmen?

Das zunehmende Engagement von Pierer Industrie dürfte auf keinen nennenswerten Widerstand der Banken stoßen, immerhin stärkt ein finanzkräftiger Ankerinvestor wie der Österreicher die Überlebenschancen von Leoni. Zudem ist Pierer sanierungserfahren und kennt sich in der Automobilbranche aus.

Anfang März hatte Pierer seine Beteiligung an Leoni von 5 auf 10 Prozent aufgestockt und in diesem Zuge „strategische Interessen“ bekanntgegeben. Gegenüber der Fachzeitschrift „Automobilwoche“ kündigte Stefan Pierer an, er plane, als Ankerinvestor „eine aktive Rolle“ einzunehmen – so aktiv, dass sein Investment gar in eine Mehrheitsübernahme von Leoni münden könnte?

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