Sieben Wochen lang probierte Loewe die Insolvenz in Eigenverwaltung, doch jetzt ging dem Unternehmen das Geld aus.

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26.06.19
Wirtschaft

Regelinsolvenz: Loewe steht komplett still

Der insolvente Fernsehhersteller Loewe zieht endgültig den Stecker: Der Betrieb wird eingestellt, es bleibt nur die Regelinsolvenz. Der PE-Investor River Rock erntet harte Kritik von der IG Metall.

Loewe streckt die Waffen: Rund sieben Wochen lang versuchte der TV-Hersteller sich an einer Insolvenz in Eigenverwaltung, nun wird der Betrieb zum 1. Juli vorerst eingestellt. Die von dem Mittelständler als „umfassendes Zukunftskonzept“ gepriesene Eigenverwaltung wird in eine Regelinsolvenz umgewandelt.

Die Gläubiger hatten sich offenbar zuletzt geweigert, den Kronachern neues Geld zu geben. „Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen", lässt sich Loewe-Chef Ralf Vogt zitieren. Loewe hoffe weiterhin darauf, noch einen Investor zu finden.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat der Gläubigerausschuss PwC als Berater angeheuert. Allerdings dürfte der Fernsehgerätehersteller schwer zu vermitteln sein: Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß sagte gegenüber der Agentur, Loewe habe bereits keinen Zugriff auf seinen Markennamen mehr. Dieser sei an die Beteiligungsgesellschaft River Rock verpfändet worden, die Loewe Finanzierungen gestellt hatte.

Diesmal das endgültige Aus für Loewe?

Für Loewe ist es nicht das erste Mal, dass es eine harte Restrukturierung durchläuft. In weniger als sechs Jahren kriselte es wiederholt bei dem Traditionsunternehmen. Das erste Mal meldete es 2013 einen Antrag auf das Schutzschirmverfahren an.

Beim zweiten Restrukturierungsanlauf meldete der Mittelständler Anfang Mai dieses Jahres die Insolvenz in Eigenverwaltung an. Das Management um CEO Vogt und Interims-CFO Josef Hauke blieb vorerst an Bord. Doch mit dem Übergang in die Regelinsolvenz muss das Management die Kontrolle über das Unternehmen nun abgeben. Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß von der Kanzlei Wallner Weiß war schon seit Anfang Mai als Sachwalter an Bord.

IG Metall kritisiert PE-Investor River Rock

Nicht nur die Zukunft von Loewe wirft ein großes Fragezeichen auf, auch die Besitzverhältnisse sind nicht sonderlich transparent. 2014 war der Private-Equity-Investor Stargate Capital eingestiegen. Doch ob und wie umfassend Stargate noch investiert ist, wollte ein Loewe-Sprecher vor wenigen Wochen auf FINANCE-Anfrage nicht beantworten.

Die IG Metall übt indessen harte Kritik an dem PE-Investor River Rock: Laut IG Metall soll River Rock Loewe ein zweistelliges Millionen-Darlehen bereitgestellt haben, sei nun aber nicht bereit gewesen, frisches Kapital nachzuschießen. Der bayerische Bezirksleiter der Gewerkschaft Jürgen Horn warf dem PE-Investor vor, nach einer Insolvenz „mit den Trümmern des Unternehmens“ Geld verdienen zu wollen.

Tatsächlich ist es ein wahrscheinliches Szenario, dass River Rock die Marke Loewe als Lizenz an einen anderen Hersteller vergeben könnte. Zur Fortführung des Geschäfts hätte River Rock laut Weiß einen Massekredit über 9 Millionen Euro bereitstellen müssen, dies habe der Investor verweigert. Dem Insolvenzverwalter zufolge hätte Loewe einen Umsatz von 180 Millionen Euro erzielen müssen, um profitabel zu wirtschaften. Erreicht worden seien aber nur rund 110 Millionen Euro. Auf den Konten des Unternehmens liege weniger als eine halbe Million Euro, zitiert die Agentur den Insolvenzverwalter.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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