Das US-Unternehmen Teradata hat nach jahrelangem Streit nun Klage gegen SAP eingereicht. Der Vorwurf: SAP soll bei der Hana-Entwicklung abgekupfert haben.

SAP AG/Stephan Daub

21.06.18
Wirtschaft

Softwarehaus Teradata reicht Klage gegen SAP ein

Schwere Vorwürfe gegen SAP: Das US-Softwarehaus Teradata behauptet, der Dax-Konzern habe sich bei der Entwicklung der Hana-Plattform an Teradatas geistigem Eigentum bedient. Nach Jahren haben die Amerikaner nun Klage eingereicht.

Das Softwareunternehmen Teradata hat in den USA Klage gegen den Walldorfer Softwarekonzern SAP eingereicht. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Teradata wirft dem Dax-Unternehmen vor, bei der Entwicklung seiner Datenbanktechnologie SAP Hana auf geistiges Eigentum von Teradata zurückgegriffen zu haben. Die Amerikaner bringen den seit Jahren schwelenden Streit nun vor Gericht und haben Klage bei dem U.S. District Court des Northern District of California eingereicht.

Teradata wirft SAP die Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen sowie Verstoß gegen das Urheber- und Kartellrecht vor. Das US-Unternehmen, das 2017 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden US-Dollar erzielte, ist spezialisiert auf cloud-basierte Lösungen zur Datenanalyse.

SAP hat die Teradata-Klage vor einem US-Gericht in Kalifornien nach eigenen Angaben „mit Überraschung zur Kenntnis genommen“. Der Konzern teilte mit, in der Regel kommentiere man keine laufenden Verfahren. „Wir prüfen den Fall aber derzeit genau und behalten uns gegebenenfalls weitere Aussagen vor“, teilte SAP mit. Bis zum Donnerstagvormittag hatte sich das Unternehmen allerdings noch nicht detaillierter geäußert.

Teradata wirft SAP Diebstahl vor

Die Mitteilung, mit der Teradata seine Klage kommuniziert, ist drastisch formuliert. Das Unternehmen wirft den Walldorfern offen Diebstahl vor, bezeichnet das SAP-Hana-Produkt als „minderwertig“ und moniert, SAP-Kunden seien aufgrund der hohen Wechselkosten in den ERP-Anwendungen der Walldorfer „eingesperrt“.

Im Detail behauptet Teradata, SAP habe das Unternehmen 2008 zu einem „angeblichen Joint Venture“ bewogen. Die damals formulierte Zielsetzung, das Business-Warehouse-Tool SAP BW mit Teradatas Architektur zu verbinden, bezeichnen die Amerikaner im Rückblick als „vorgeschobenes Ziel“. Vielmehr, so der Vorwurf, habe SAP Zugang zu Teradatas geistigem Eigentum und seinen Geschäftsgeheimnissen erlangen wollen.

Teradata fordert Schadenersatz von SAP

Teradata zufolge sollen diese Erkenntnisse anschließend in das von SAP entwickelte Konkurrenzprodukt SAP Hana eingeflossen sein. Dies, so behauptet Teradata, hätte andernfalls nicht in dieser Geschwindigkeit entwickelt und vermarktet werden können. Kurz vor Veröffentlichung von SAP Hana habe der Dax-Konzern dann die Partnerschaft mit Teradata aufgekündigt.

Teradata zielt nun auf eine gerichtliche Unterlassung für SAP. Wie genau diese in der Praxis aussehen könnte – ob SAP vielleicht sogar um den weiteren Vertrieb seiner Hana-Lösungen bangen müsste – geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor. Zudem will Teradata offenbar Geld sehen: Man verfolge „eine Wiedergutmachung der entstandenen Schäden“, heißt es. Die Kanzlei Morrison & Foerster vertritt Teradata bei der Klage.

Die Aktionäre der Walldorfer sind über die Vorwürfe indes nur leicht beunruhigt. Die SAP-Aktie fiel nach Bekanntwerden am Mittwochnachmittag zunächst von 102,40 Euro auf Werte knapp über 101 Euro, kletterte am Donnerstagvormittag aber bereits wieder auf 103 Euro.

Streit zwischen SAP und Teradata schwelt seit Jahren

Der Streit zwischen Teradata und SAP schwelt schon seit Längerem, öffentlich wurde er im Jahr 2015 nach Recherchen der ARD und des Magazins „Spiegel“. Die Journalisten hatten interne SAP-Dokumente und Gerichtsunterlagen ausgewertet, in denen ein Mitarbeiter der internen SAP-Revision, der mit einem Audit der Hana-Entwicklungsprozesse befasst war, schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben haben soll.

Dieses habe sich am geistigen Eigentum von Wettbewerbern wie Oracle, IBM und eben auch Teradata bedient, heißt es den damaligen Berichten zufolge in den Unterlagen. Zudem habe der Mitarbeiter Vorgesetzte beschuldigt, ihn dazu aufgefordert zu haben, Tatsachen in seinen Berichten als weniger schwerwiegend darzustellen.

SAP kämpfte auch schon mit Oracle

Der SAP-Mitarbeiter stellte daraufhin hohe Forderungen gegen seinen Arbeitgeber. Sein Vater, der ihn rechtlich vertrat, soll von SAP 25 Millionen Dollar gefordert haben, so schilderte es der „Spiegel“. Daraufhin habe SAP 2014 Strafanzeige gegen den Mitarbeiter gestellt und ihm außerordentlich gekündigt. SAP teilte zu den Berichten des Jahres 2015 mit, keine Belege für eine Verletzung geistigen Eigentums gefunden zu haben.

Teradata dagegen scheint für sich eine Chance zu sehen, SAP solche Verstöße nachweisen zu können. Ein langwieriger Rechtsstreit könnte für SAP ernstzunehmende finanzielle Folgen haben. Welche Dimensionen Streitigkeiten in der Branche annehmen können, zeigt der Fall Oracle. Oracle hatte den Wettbewerber 2007 beschuldigt, über eine Wartungstochter illegal auf Oracle-Datenbanken zugegriffen zu haben. Nach einem rund siebenjährigem Streit einigten sich die Walldorfer 2014 mit Oracle. SAP überwies dem Wettbewerber 357 Millionen Dollar Schadenersatz zuzüglich Zinsen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de