Der Finanzdienstleister Grenke hat Warth & Klein Grant Thornton beauftragt sein Franchise-Geschäft zu prüfen.

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24.09.20
Wirtschaft

Warth & Klein soll Grenkes Ruf retten

Die Auswahl des Abschlussprüfers KPMG als Sonderprüfer der Bilanz kam nicht gut an. Jetzt hat Grenke Warth & Klein beauftragt, die undurchsichtigen Franchise-Deals zu durchleuchten. Der Abwehrkampf gegen die Hedgefonds wird immer komplexer.

Der erste Gegenschlag nach dem Shortseller-Angriff durch Viceroy Ende vergangener Woche ist fast wirkungslos verpufft. Nun schärft der unter Druck geratene Leasingspezialist Grenke seine Abwehrstrategie nach. Anstatt wie ursprünglich geplant KPMG soll nun die mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton die ins Zwielicht geratenen Franchise-Deals des Finanzdienstleisters durchleuchten. KPMG soll zwar weiterhin ein Sondergutachten erstellen, um die „Substanz des Geschäfts zu belegen“, nur um das Franchise-Geschäft kümmert sich jetzt der Konkurrent Warh & Klein.

Diese Transaktionen stehen im Zentrum der Vorwürfe Viceroys. Dass ausgerechnet KPMG – seit 2018 Abschlussprüfer von Grenke –  diesen Aspekt noch einmal prüfen sollte, fiel bei den Investoren durch. Immerhin hat KPMG dies schon zweimal im Rahmen der Jahresabschlussprüfung getan und beide Male keine Gründe zur Beanstandung gefunden.

Das bei Warth & Klein in Auftrag gegebene Gutachten werde sich „unter anderem auf die Marktüblichkeit der Bewertungen, die Vorteilhaftigkeit für die Grenke AG und die Validierung der geschlossenen Kaufverträge einschließlich der beteiligten Parteien erstrecken“, teilte das MDax-Unternehmen mit.

Diffizile Aufgabe für Warth & Klein

Auf den ersten Blick erscheint die Auswahl von Warth & Klein überraschend. Mit einem Umsatz von zuletzt 137 Millionen Euro (inklusive Beratung) sind die Düsseldorfer nur das zehntgrößte WP-Haus in Deutschland. Auf die Wirtschaftsprüfung selbst entfallen gar nur 43 Millionen Euro Umsatz. KPMG erzielt alleine im Audit-Bereich 677 Millionen Euro. EY und PwC liegen in einer ähnlichen Größenordnung. Allerdings hätten die Grenke-Investoren auch bei EY einen Interessenskonflikt gesehen: Dieser Konzern prüfte Grenke bis 2018.

Die von Viceroy beanstandeten Deals funktionieren so, dass Grenke Gesellschaften in neuen Regionen und Ländern nicht direkt selbst gründet, sondern diese erst von Geschäftspartnern aufbauen lässt. Dabei handelt es sich oft um frühere Grenke-Mitarbeiter. Erst wenn sich diese Firmen nach im Schnitt rund fünf Jahren der Gewinnschwelle nähern, schlägt Grenke zu und übernimmt sie nach einem laut Unternehmensangaben vorab definierten Mechanismus zur Kaufpreisfindung. Viceroy moniert, dass Grenke zu hohe Summen für die Akquisition dieser Jungunternehmen bezahlt, während Grenke behauptet, dass diese schon bald nach der Übernahme damit begännen, hohe Gewinnbeiträge abzuliefern.

Wer profitiert von den Franchise-Deals bei Grenke?

Vor allem aber unterstellt der Hedgefonds im Rahmen seiner Shortseller-Attacke, dass der wirtschaftliche Profiteur dieser M&A-Deals Unternehmensgründer Wolfgang Grenke sei, mithin also ein Fall von Vetternwirtschaft vorliege. Tatsächlich kontrolliert Wolfgang Grenke – offiziell erst seit Beginn dieses Jahres – die Muttergesellschaft der jungen Franchise-Unternehmen. Um die Aufklärung der Vorwürfe nicht zu behindern, lässt der Unternehmer sein Aufsichtsratsmandat bei Grenke seit dieser Woche ruhen.

Der Aktienkurs des bis dahin als solide geltenden Finanzdienstleisters war nach Vorwürfen des Shortsellers Viceroy Anfang vergangener Woche von 55 auf unter 30 Euro eingebrochen. Aktuell notiert die Aktie bei 33 Euro. Echte Erholungschancen dürfte das Papier erst dann haben, wenn die Ergebnisse der beiden Sonderprüfungen durch KPMG und Warth & Klein vorliegen. Wie lange das dauern wird, dazu gibt Grenke keine Prognose ab.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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