Rote Karte nicht gegeben? Findet Thorsten Fischer, Gründer von Flyeralarm und Aufsichtsratschef des Fußballzweitligisten Würzburger Kickers, gar nicht lustig.

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20.04.21
Wirtschaft

FINANCE-Resterampe: Wie ein Foul den DFB Millionen kostet

Wegen einer nichtgegebenen Roten Karte verliert der DFB einen Millionenauftrag. Plus: Ein CFO geht für den Frauenfußball ins Gefängnis. Und: Braucht der CFO ein Rebranding? FINANCE präsentiert die kuriosesten News aus der Finanzwelt.

Würzburg: Investor Thorsten Fischer sieht rot

Jeder Fußballfan kennt es: Man fühlt sich vom Schiedsrichter benachteiligt. „Der hält ihn fest“, „Das war ein glasklarer Elfer!“ oder „Der steht doch 'n Meter im Abseits!“ sind beliebte Ausrufe. Der Geschäftsmann Thorsten Fischer, Gründer der Online-Druckerei Flyeralarm und Aufsichtsratschef des Fußballzweitligisten Würzburger Kickers, wollte nicht mehr schimpfen, er wollte handeln. 

Im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg vor einigen Wochen beobachtete Fischer eine Notbremse eines Nürnberger Fußballers, die aus seiner Sicht dringend eine Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen. Wie ein echter Fußballfan war er danach desillusioniert: „Ich habe den Glauben wie die Hoffnung an eine Gleichbehandlung und seriöses Geschäftsgebaren verloren“, sagte der jeder Fußballromantik beraubte Fischer. Es sei die elfte spielentscheidende Fehlentscheidung in dieser Saison gewesen, fügte er hinzu.

Wo sich der Zorn eines gemeinen Fußballanhängers dann im Alltag verläuft, hatte Fischer einen Weg gefunden, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wehzutun: Der Flyeralarm-Gründer kündigte unmittelbar nach Spielende sämtliche Werbeverträge mit dem Verband. Dies betreffe das komplette Sponsoring für die Nationalmannschaft und den DFB, hieß es in einer Mitteilung. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur geht es für den DFB um Sponsorengelder von knapp 4 Millionen Euro. 

Unter anderem trägt die Bundesliga der Frauen den Namen „Flyeralarm Frauen-Bundesliga“. Nicht mehr lang – und das wegen einer nichtgegebenen Rote Karte (und elf spielentscheidenden Fehlentscheidungen). Eine Weile prangt das Flyeralarm-Logo aber noch auf den Werbebanden des DFB. Der Vertrag läuft noch bis 2023 und alle rechtlichen Pflichten würden erfüllt, sagte ein Sprecher der Fischer'schen Fußballfirma Flyeralarm Global Soccer der „Süddeutschen Zeitung“. Trotz aller Emotionen gilt also: Vertrag ist Vertrag.

CFO veruntreute Millionen für Frauen-Fußball

Wir bleiben (kurioserweise) beim Frauen-Fußball: Ein Schweizer Finanzchef muss nämlich ins Gefängnis, weil er einen erheblichen Betrag in die Frauenmannschaft des FC Neunkirch investierte. An sich nicht illegal, allerdings veruntreute er hierfür dem Vernehmen nach 2 Millionen Schweizer Franken von seinem früheren Arbeitgeber Rimuss, für den er als CFO arbeitete. Das Unternehmen vertreibt Traubensäfte und Weine, macht etwa 30 Millionen Schweizer Franken Jahresumsatz.

Das Schaffhauser Kantonsgericht hatte den Beschuldigten im November 2019 zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, davon sechs Monate unbedingt. Ging der Finanzchef zunächst noch in Berufung, zog er diese jetzt zurück und akzeptierte das Urteil. Er wird sich in der Nähe seines neuen Arbeitsorts im Kanton Aargau in Halbgefangenschaft begeben, wie sein Anwalt mitteilte. So könne er tagsüber seiner Arbeit nachgehen und ist abends und am Wochenende im Gefängnis. Welche Arbeit er hat? Unbekannt. Wir bei FINANCE arbeiten aber schon am Doku-Drama „CFO hinter Gittern“.

Ist es Zeit für ein Rebranding des CFO?

Covestro (früher Bayer Material Science), Exyte (früher M+W Group) oder Traton (einst Volkswagen Truck & Bus): Beispiele für kunstvolle Akronyme oder einfach neue (nicht immer eingängige) Unternehmensnamen gibt es genüge. Wenn das Image altbacken ist, dann braucht es ein Rebranding. 

„Chief Executive Officer“ oder „Chief Financial Officer“ kommen auch langsam in die Jahre, das scheint sich zumindest Elon Musk gedacht zu haben. Die Arbeit der Vorstände ist doch viel zu spannend, um in einen schnöden Titel gepackt zu werden. Es brauchte etwas Königliches: „Ex-CEO Musk“ trägt bei Tesla nun den Namen „Technoking“. Sein „Ex-Finanzchef“ Zach Kirkorn darf sich fortan „Master of Coin“ nennen – ein Anspielung auf das milliardenschwere Asset-Investment in Bitcoin, das Tesla unlängst tätigte. Vielleicht ist das ja eine Inspiration für den ein oder anderen CFO. Vielleicht nennen sich bald die ersten auch offiziell „Cash King“, „Finanzboss“ oder „Star of Ebitda“. 


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