Ein strukturelles Korruptionsproblem sehen CFOs in Deutschland nicht. In anderen Ländern ist das Problem aber deutlich größer, zeigt der Global Fraud Survey von EY.

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15.05.18
Wirtschaft

Wieder mehr Betrugsfälle in deutschen Unternehmen

Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen Monaten wieder mehr Fälle von Betrug und Korruption registriert. Besonders auf das Verhalten junger Mitarbeiter sollten CFOs achten.

Finanzchefs müssen nach wie vor gegen Wirtschaftskriminalität ankämpfen: Der Anteil der Unternehmen, die in den zurückliegenden zwei Jahren einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registriert haben, ist 2017 in Deutschland auf 18 Prozent gestiegen (2016: 14 Prozent). Das zeigt die internationale „Global Fraud Survey“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, für die rund 2.550 CFOs, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung sowie des Compliance-Bereichs aus 55 Ländern befragt wurden. Aus Deutschland nahmen 50 Unternehmen teil.

Ein strukturelles Korruptionsproblem sehen die Befragten hierzulande nicht – anders als die CFOs in Brasilien: Dort stimmen 96 Prozent der Befragten der These zu, Korruption sei im Geschäftsleben weit verbreitet. Während im weltweiten Durchschnitt 38 Prozent zustimmen, sind es in Deutschland 0 Prozent. Wie kommt es dann, dass dennoch gut jedes sechste deutsche Unternehmen in den zurückliegenden zwei Jahren einen größeren Betrugsfall zu vermelden hatte?

Stefan Heißner, Leiter Forensik bei EY, erklärt sich dies auch mit den vergleichsweise strengen Kontrollen. „Wo funktionierende Überwachungsprozesse im Einsatz sind, da wird auch mehr aufgeklärt, auch wenn es insgesamt gesehen gar nicht so viele Betrugs- und Korruptionsfälle gibt“, sagt er. Allerdings sieht er im Fall der Fälle auch die Unternehmen gefordert: „Nicht alle reagieren dann so schnell und konsequent, wie es wünschenswert wäre.“

Betrug und Cyber-Attacken bedrohen Erfolg

Danach befragt, welche Faktoren das größte Risiko für den Erfolg des Unternehmens darstellen, zeichnet sich in Deutschland ebenfalls ein anderes Bild als im weltweiten Durchschnitt. In Deutschland wurden Cyber-Attacken am häufigsten als Risikofaktor genannt (56 Prozent), gefolgt von den Bedrohungen durch Betrug und Korruption sowie Risiken im makroökonomischen Umfeld (je 36 Prozent, Mehrfachnennungen waren möglich). Das Thema Cybercrime hat damit in Deutschland einen deutlich höheren Stellenwert als in der internationalen Betrachtung – dies mag auch daran liegen, dass Cybercrime in den zurückliegenden Monaten deutlich zugenommen hat.

In der Gesamtbetrachtung aller weltweit Befragten rangiert ein verändertes regulatorisches Umfeld an erster Stelle der Risiken (43 Prozent), gefolgt vom makroökonomischen Umfeld (42 Prozent). Der Risikofaktor Cyber-Attacken rangiert mit 37 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz, die Bedrohung durch Betrug und Korruption auf Rang vier (36 Prozent).

CFOs in Deutschland lehnen Barzahlungen ab

Die Manager wurden auch danach befragt, welche Verhaltensweisen sie für gerechtfertigt halten, wenn es um das Überleben des eigenen Unternehmens geht. Dabei zeigt sich: Die Manager in Deutschland ziehen für sich klare Linien. Barzahlungen an Geschäftspartner, um beispielsweise Prozesse zu beschleunigen, sind verpönt, keiner der Befragten würde sich darauf einlassen. Auch eine absichtlich falsche Darstellung von Finanzergebnissen würde keines der deutschen Unternehmen in Betracht ziehen – in der Gesamtauswertung wären dazu immerhin 5 Prozent der Teilnehmer bereit.

Anders sieht es bei Einladungen zu Konzerten oder Sportevents aus: Diese sogenannten Unterhaltungsdienstleistungen halten in Deutschland 16 Prozent der Befragten für gerechtfertigt, weltweit ist es jeder Fünfte. Die Grenzen, was erlaubt ist und was nicht, sind Forensiker Heißner zufolge dabei fließend. Wichtig seien klare unternehmensweite Vorgaben.

CFOs sollten jüngere Kollegen im Auge behalten

Insgesamt scheinen junge Mitarbeiter weniger sensibel für Wirtschaftskriminalität zu sein als ältere Kollegen: Während in der Altersgruppe der Über-35-Jährigen nur 13 Prozent der Befragten Barzahlungen für ein probates Mittel halten, um ein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten, würden in der Gruppe der Unter-35-Jährigen 20 Prozent zu dieser Maßnahme greifen.

Heißner erklärt sich die einerseits mit den Ambitionen der jungen Führungskräfte und dem Druck, den Erwartungen zu genügen, aber auch mit mangelnder Erfahrung – alternative Handlungswege sind mitunter einfach nicht bekannt. Unternehmen sollten daher besonders darauf achten, junge Mitarbeiter für Compliance-Themen zu sensibilisieren und über die negativen Folgen von Verstößen aufzuklären.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de