Seit einigen Monaten eskaliert die Auseinandersetzung zwischen Wirecard und Financial Times immer mehr. Jetzt soll sogar ein Audio-Mitschnitt aufgetaucht sein, der die Reputation der Financial Times bedroht.

Wirecard

22.07.19
Wirtschaft

Wirecard setzt FT mit Audio-Mitschnitt unter Druck

Einen womöglich drohenden neuen Negativartikel der Financial Times kontert Wirecard mit einer Tonbandaufnahme, die die Zeitung schwer unter Druck setzt. Der Konflikt eskaliert.

Der Kampf um die Deutungshoheit zwischen dem Dax-Konzern Wirecard und der „Financial Times“ (FT) eskaliert: Das „Handelsblatt“ zitiert aus einem Schreiben der Anwälte von Wirecard an die Financial Times, wonach der Münchner Zahlungsdienstleister „unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Financial Times und Shortsellern“ habe.

Vor diesem Hintergrund fordert Wirecard die FT auf, „von jeder Veröffentlichung abzusehen, die direkt oder indirekt zu Marktmanipulation oder Insiderhandel im Zusammenhang mit Wirecard-Aktien führen könnte“. Dies ist ein schwerer Angriff gegen die journalistische Freiheit der britischen Traditionszeitung, die mit ihren Berichten schon mehrere heftige Kurseinbrüche der Wirecard-Aktie provoziert hat. Angesichts der Indizien fordert Wirecard die FT-Führung dazu auf, eine interne Untersuchung zu starten, um einem möglichen „Fehlverhalten“ der eigenen Mitarbeiter nachzugehen.

Verschwörung von „Nick X.“ zu Lasten Wirecards?

Der Dax-Konzern stützt seinen ungewöhnlichen Vorstoß auf die Tonbandaufzeichnung eines Gesprächs zwischen einem britischen Hedgefondsmanager, den das Handelsblatt als „Nick X.“ identifiziert, und einem potentiellen Komplizen. In dem Gespräch soll „Nick X.“ seinem Gegenüber offenbart haben, dass ein neuer kritischer Artikel der FT über Wirecard unmittelbar bevorstünde. Er solle eine Short-Position aufbauen und seinen Tippgeber dann an den Gewinnen beteiligen, soll Nick X. nach Angaben des Handelsblatts gesagt haben. Eine Verifikation des Audio-Materials durch Dritte gibt es bislang aber noch nicht.

Mit dem Anfertigen einer geheimen Tonbandaufnahme – nach Ansicht Wirecards „legal in Übereinstimmung mit allen anwendbaren britischen Gesetzen“ – hebt der Dax-Konzern die Vorwürfe gegen die FT, unfair zu arbeiten, auf eine neue Ebene. Wirecard vertritt schon seit geraumer Zeit öffentlich die Position, wonach FT-Journalisten angeblich gemeinsame Sache mit Shortsellern machen, um die Wirecard-Aktie ins Taumeln zu bringen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt infolgedessen gegen einen Journalisten der Financial Times. Ihr soll nun auch der besagte Audiomitschnitt vorliegen.

Die Financial Times weist Wirecards Vorwürfe entschieden zurück: „Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der FT mit Shortsellern oder anderen dritten Parteien, was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von FT-Artikeln über Wirecard angeht“, zitiert das Handelsblatt eine Sprecherin der Financial Times. Bei den Vorwürfen handele es sich um „einem weiteren Ablenkungsangriff auf den Journalismus der FT“.

HSBC schlägt sich auf die Seite von Wirecard

Abseits der harten Auseinandersetzung mit der FT kann Wirecard am heutigen Montag jedoch einen Mutmacher verbuchen: Die HSBC hat ihr Kursziel für Wirecard auf 225 Euro angehoben und ihre Kaufempfehlung untermauert. Die Bank sieht Chancen, dass die Münchner ihr Umsatzziel für das kommende Jahr um 15 bis 20 Prozent nach oben schrauben könnten.

Das Kursziel liegt 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Bis zum heutigen Mittag zählt die Wirecard-Aktie denn auch mit einem Plus von knapp 2 Prozent zu den besten Performern im Dax. Aber auch die HSBC kritisiert, dass ,die Corporate Governance sowie die Kommunikation des Zahlungsdienstleisters „unterentwickelt“ seien.

Wann endet Wirecards Achterbahnfahrt? (Kurs seit Jahresbeginn)

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