Bei Wirecard spitzt sich die Lage immer weiter zu. Der FINANCE-Ticker fasst die wichtigsten Geschehnisse zu dem Zahlungsdienstleister zusammen.

Wirecard AG

19.10.20
Wirtschaft

Wirecard-Ticker: Das Aktuellste zum Bilanzskandal

Der Zahlungsdienstleister Unzer übernimmt das Kartenterminalgeschäft von Wirecard. Nach EY gerät jetzt auch KPMG ins Zwielicht. Alle neuen Entwicklungen in unserem Wirecard-Ticker.

19. Oktober 2020

17:10: Investor übernimmt Wirecard Retail Services

Der Heidelberger Zahlungsdienstleister Unzer, der bis vor Kurzem noch unter dem Namen „Heidelpay“ auftrat, übernimmt Teile des Skandalkonzerns Wirecard. Konkret geht es um das Geschäft mit Kartenlesegeräten am Point of Sale, das in der ebenfalls insolventen Firma Wirecard Retail Services GmbH gebündelt ist. Unzer übernimmt mit Rückwirkung zum 01. Oktober 2020 den Geschäftsbetrieb und die Mitarbeiter am Standort Aschheim. Das teilte der Insolvenzverwalter Philip Heinke von der Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte mit.

16. Oktober 2020

12:30 Uhr: Wirecard-Zerschlagung: nur noch zwei mögliche Käufer

Der italienische Zahlungsdienstleister Sia soll nicht mehr im Rennen um die Wirecard-Sparten sein. Das berichtet das Onlineportal „Finance Forward“. Demnach sollen nur noch die Santander-Bank und der Mobilfunkanbieter Lycamobil über eine Übernahme verhandeln.

13. Oktober 2020

13:42 Uhr: KPMG gerät ins Zwielicht

Nach EY ist jetzt auch KPMG ins Zwielicht geraten. Einem Bericht der Financial Times zufolge sollen KPMG-Mitarbeiter bei dem ominösen Mauritius-Deal beraten haben, einem Epizentrum des Wirecard-Skandals. Im Forensikbericht von KPMG wird die Rolle des eigenen Hauses allerdings nicht thematisiert. Alle Hintergründe zu dieser Enthüllung gibt es hier.   

8. Oktober 2020

11:34 Uhr: Scholz präsentiert „Aktionsplan“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht haben einen „Aktionsplan gegen Bilanzbetrug“ präsentiert, in den vor allem Lehren aus dem Wirecard-Skandal einfließen sollen. Zum einen schlagen die Minister vor, die Bafin zu stärken und ihr „hoheitliche Rechte gegenüber Kapitalmarktunternehmen“ zu verleihen. Zum anderen wollen die beiden Minister in die Wirtschaftsprüfung eingreifen. Ihr wichtigster Punkt: Die Wirtschaftsprüferrotation soll künftig alle zehn Jahre verpflichtend sein. Bislang konnten Unternehmen den gleichen Prüfer zweimal hintereinander für zehn Jahre auswählen. Mit der Halbierung dieser Zeit soll verhindert werden, dass Prüfer „betriebsblind“ werden, sagte Lambrecht.

29. September 2020

14:00 Uhr: Erneute Razzia bei Wirecard

Bei Wirecard gibt es offenbar erneut eine Durchsuchung. Einem Medienbericht zufolge soll die Staatsanwaltschaft München I das Aschheimer Unternehmen aufgesucht haben. Es sollen auch Beamte des Bundeskriminalamts dabei gewesen sein, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Es soll sich demnach um ein weiteres Verfahren handeln. Dem Vernehmen nach gehe man inzwischen auch dem Verdacht der Geldwäsche nach, schreibt die Zeitung.

9.00 Uhr: SIBS kauft rumänische Töchter von Wirecard

Der Verwertungsprozess der internationalen Beteiligungen der Wirecard-Gruppe kommt voran. Auch die rumänischen Töchter der Wirecard Sales International Holding haben einen Käufer gefunden: Wirecard Romania geht an den europäischen Zahlungsdienstleister SIBS. Das teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Dienstag mit. Wirecard Romania bietet Zahlungsdienstleistungen für große Banken in Rumänien und Moldawien an. Ihre Tochtergesellschaft Romcard ist im rumänischen Zahlungsverkehr tätig und die Tochter Supercard Solutions & Services auf dem Markt für händlerbezogene Value-Add-Services. Mit der Transaktion will SIBS sein Geschäft in Osteuropa ausbauen.

Laut dem Insolvenzverwalter zeigen Investoren auch „erhebliches Interesse“ an weiteren Tochtergesellschaften: Insbesondere bei der PT Prima Vista Solusi, PT Wirecard Technologies Indonesia und Wirecard (Vietnam) Company Limited befände man sich im fortgeschrittenen Verkaufsprozess.

25. September 2020

13.34 Uhr: Bafin wegen EY-Prüfungsberichten in Erklärungsnot

Die Finanzaufsicht Bafin begründete ihr Nichteingreifen im Fall Wirecard bisher immer damit, dass sie dafür nicht zuständig gewesen sei, weil es sich nicht um einen Finanz-, sondern einen Technologiekonzern handele. Doch dieses Alibi bröckelt, denn der „Spiegel" berichtet, dass die Entwicklungen bei der Wirecard-Bank die Bafin sehr wohl hätten besorgen müssen.

Der Bericht beruht auf bislang unveröffentlichten Prüfungsberichten, die von EY für die Jahre 2017 und 2018 erstellt wurden und die der Bafin vorgelegen haben sollen. In dem EY-Bericht heißt es wörtlich: „Insgesamt erachten wir die Verfahren und Prozesse der WDB im Kreditgeschäft nur mit Einschränkungen für ausreichend." Explizit nicht ausreichend seien die Prozesse zur Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse und zur Beurteilung der Wertberichtigungen. 

22. September 2020

13.44 Uhr: Markus Braun legt Haftbeschwerde ein

Markus Braun hat offenbar genug von der Untersuchungshaft: Der Ex-Vorstandschef von Wirecard drängt nach zwei Monaten in U-Haft auf seine Freilassung. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, hat Braun nun Haftbeschwerde eingelegt. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts München.

Braun hat dem Bericht zufolge einen Antrag über 70 Seiten eingereicht, in dem er den Tatverdacht gegen ihn erneut zurückweist. Dem Antrag zufolge hätte Braun gar nicht erst in Untersuchungshaft genommen werden dürfen, da die Begründung für die Haft nicht nachvollziehbar sei, so die Anwälte von Braun. Der Haftrichter hat nun drei Tage Zeit, über die Haftbeschwerde zu entscheiden.

12.41 Uhr: Wirecard verkauft Österreich-Geschäft

Offenbar hat die österreichische Insolvenzverwalterin Ulla Reisch einen Käufer für das Österreich-Geschäft von Wirecard gefunden: „Wie das Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, steht der Geschäftsbereich „Wirecard Central Eastern Europe“ kurz vor dem Verkauf an die Frankfurter Private-Equity-Gesellschaft Aurin. Der Kaufpreis beträgt dem Bericht zufolge knapp 4 Millionen Euro.


Im Rahmen des M&A-Deals werden etwa 25 Mitarbeiter übertragen, rund 100 Mitarbeiter wurden offenbar bereits entlassen, heißt es in dem Bericht. Das Insolvenzgericht soll dem Deal am heutigen Dienstag zustimmen. Das Österreich-Geschäft ist ein Payment-Service-Provider und wickelt in dieser Funktion Zahlungen für verschiedene Kunden, darunter die österreichische Lotterie und die Staatsbahn ÖBB, ab.

21. September 2020

16:45 Uhr: APAS schiebt Schuld von sich

Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS wehrt sich gegen den Vorwurf, Sie sei von EY im Wirecard-Skandal gewarnt worden und hätte früher ermitteln müssen. Es ist nicht ihre Aufgabe, Fehler in der Rechnungslegung börsennotierter Konzerne aufzudecken. Die APAS prüft lediglich, ob ein Wirtschaftsprüfer gegen seine Berufspflichten verstoßen habe, so die Auffassung der APAS.

14. September 2020

16:45 Uhr: Kritik an KfW-Risikomanagement

Die zur KfW gehörende Ipex-Bank soll noch im September 2019 eine Wirecard-Kreditline über 100 Millionen Euro verlängert haben. Das berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf eine Informationsbitte der Bundestagsabgeordneten aus dem Finanzausschuss, die dem Magazin vorliegt. Die Linie war ursprünglich im September 2018 bewilligt worden.

Zwischen Bewilligung und Verlängerung waren jedoch Verdachtsmomente auf Unregelmäßigkeiten bei dem Zahlungsdienstleister publik geworden. Die Verlängerung werfe „kein gutes Licht auf das Risikomanagement der KfW“, zitiert der „Spiegel“ den Obmann der Linken im Finanzausschuss, Fabio de Masi. Die KfW-Tochter hat ihre Rückzahlungsansprüche dem Bericht zufolge inzwischen zu massiven Abschlägen an den irischen Kreditverwerter Trinity Investments abgestoßen.

7. September 2020

11:06 Uhr: Staatsanwaltschaft friert Vermögen ein

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat Privatvermögen von Ex-Wirecard-Managern in erheblichem Umfang eingefroren. Nach Informationen der F.A.Z. geht es um Konten, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen im Gesamtwert von einer halben Milliarde Euro. Dazu gehören auch viele Vermögenswerte des in Haft sitzenden Ex-CEOs Markus Braun und des flüchtigen Jan Marsalek. Die sichergestellten Gelder sollen herangezogen werden, um Forderungen von Gläubigern und Geschäftspartnern Wirecards zu bedienen.

4. September 2020

10.45 Uhr: Ermittlungen gegen FT-Journalisten eingestellt

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen zwei Journalisten der „Financial Times“ (FT) im Zusammenhang mit deren Berichterstattung über Wirecard eingestellt. Nach Angaben der Behörde hätten sich keine hinreichenden Anhaltspunkte gefunden, die Verdachtsmomente hätten stützen können. Die Berichterstattung der FT-Reporter sei grundsätzlich zutreffend gewesen und unmittelbare Kontakte mit Shortsellern seien nicht festgestellt worden, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren gegen FT-Journalisten eingeleitet, nachdem diese kritisch über Asien-Geschäfte von Wirecard berichtet hatten. Vor allem wurden sie der Zusammenarbeit mit Shortsellern verdächtigt, die noch vor Erscheinen des Artikels auf einen fallenden Aktienkurs gewettet hatten. Nun deuten die Ermittlungen aber darauf hin, dass „weitere Personen, die sich im Umfeld der Beschuldigten befanden oder vom Erscheinen der Berichte wussten, die entsprechenden Informationen weitergegeben haben“.

10.30 Uhr: Wirecard-Skandal Thema im Bundestag

Der Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters Wirecard soll mit Hilfe eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses noch im September aufgearbeitet werden. Erzwingen wollen dies die Oppositionsparteien Grüne, FDP und die Linken, die gemeinsam über die entsprechende Mehrheit für die Berufung eines solchen Gremiums verfügen. Neben der Rolle des Bundesfinanzministeriums von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz soll auch der Wirecard-Lobbyismus von Seiten des Kanzleramts während einer China-Reise thematisiert werden.

2. September 2020

11.05 Uhr: Staatsanwaltschaft prüft Millionenkredit zwischen Braun und Marsalek

Die Münchener Staatsanwaltschaft durchleuchtet abermals ein millionenschweres Darlehen zwischen den früheren Wirecard-Vorständen Markus Braun und Jan Marsalek. Ende Februar 2019 hatte CEO Braun seinem COO Marsalek 50 Millionen Euro geliehen. Braun selbst erhielt das Geld durch einen Darlehensvertrag mit der Deutschen Bank. Bereits im vergangenen Jahr war die Behörde Geldwäschehinweisen nachgegangen, konnte damals aber keinen Anfangsverdacht für eine Straftat feststellen, teilten die Ermittler der Nachrichtenagentur Reuters mit. Nun sei das Verfahren aufgrund der aktuellen Entwicklungen wieder aufgenommen worden.

10.10 Uhr: Wirecard-Aktionäre wollen an Privatvermögen von Markus Braun

Mehrere geschädigte Wirecard-Anleger haben mit Hilfe der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Leibold sogenannte Arrestanträge beim Münchener Landgericht erwirkt. Mit Hilfe der Arrestbefehle, die sich laut Kanzlei bereits über 2,7 Millionen Euro erstrecken, wollen die Kläger an das Privatvermögen von Ex-Wirecard-Vorstand Markus Braun kommen.  Auch die Staatsanwaltschaft München hat sich bereits über Arrestbeschlüsse Zugriff auf das Vermögen von Braun, ehemaligen Managern und einzelnen Firmen gesichert, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag berichtete. Insgesamt könnten so rund 200 Millionen Euro zurückgeholt werden, hieß es weiter.

1. September 2020

12.49 Uhr: Bundestag setzt Untersuchungsausschuss ein

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag zu Wirecard kommt. Wie die F.A.Z. berichtet, haben nach AfD, FDP und Linke jetzt auch die Grünen nach einer Sondersitzung des Finanzausschusses in Berlin gesagt, den Wirecard-Skandal in einem Untersuchungsausschuss politisch aufzuarbeiten.   

10.30 Uhr: ID-Now kauft Wirecard-Tochter

Der Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat einen Käufer für die die Wirecard-Tochter Wirecard Communication Services gefunden: Das Münchener Start-up ID Now kauft das Leipziger Unternehmen und will auch den Großteil der verbliebenen etwa 150 Mitarbeiter übernehmen. ID Now ist ein Video-Identifikationsdienst, mit dem man etwa per Video ein Bankkonto eröffnen kann – eine Dienstleistung, die durch Corona aktuell stark nachgefragt wird.

Derweil soll scheinbar die Deutsche Bank weiterhin mit dem Kauf von Teilen Wirecards liebäugeln. In einem Posting auf LinkedIn regt der Chef der Unternehmenssparte Stefan Hoops an, zu prüfen, ob eine Übernahme eine sinnvolle Ergänzung sein könnte. Die Einschätzung dafür will er sich auch von Kilian Thalhammer holen, einem ehemaligen Manager im Produktionsbereich von Wirecard, der nun zur Deutschen Bank gestoßen ist.

9.13 Uhr: Ermittler sichern sich Vermögen von Managern

Die Staatsanwaltschaft will mit Arrestbeschlüssen gegen Manager und Firmen Geld retten. Sie haben den Zweck, Beschuldigten Zugriff auf ihr Vermögen zu entziehen. Betroffen sind vier Personen und drei Firmen, konkrete Namen nennt die Staatsanwaltschaft nicht. Bei den Personen soll es teilweise um Summen „bis zum mittleren zweistelligen Millionenbereich“ gehen. Mehreren Medienberichten zufolge seien Ex-CEO Markus Braun und der flüchte Ex-COO Jan Marsalek betroffen.

31. August 2020

11:03 Uhr: Spektakuläre Enthüllungen zu Marsalek

Neue Enthüllungen des „Handelsblatts“ deuten darauf hin, dass der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ein wichtiger Zuträger der russischen Geheimdienste gewesen sein könnte. Demnach könnte Marsalek „eine Art Zahlungskurier“ gewesen sein. Seine vermeintliche Aufgabe: In klandestiner Manier Gelder an Milizen in Syrien, Libyen, der Ukraine und in Afrika weiterzuleiten. Moskau bestreitet offiziell, diese Gruppen zu unterstützen. Trifft dies zu, könnte Marsalek, der sich in der Nähe von Moskau aufhalten soll, für den Kreml „ein Geheimnisträger erster Güte“ gewesen sein. Mehr dazu lesen Sie hier.

9:55 Uhr: Aufsichtsratschef Eichelmann zurückgetreten

Wirecards Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann hat nach Informationen des „Handelsblatts“ am Dienstag vergangener Woche seinen Rücktritt eingereicht. In Kraft ist der Rückzug aber noch nicht – Eichelmann ist verpflichtet, sein Organ noch drei Monate lang auszuüben, außer, Insolvenzverwalter Michael Jaffé entbindet ihn vorher von seinen Pflichten. Seit der Insolvenz werden die fünf Aufsichtsratsmitglieder nicht mehr bezahlt.

Eichelmann, Ex-CFO der Deutschen Börse, war im Juni vergangenen Jahres in den Wirecard-Aufsichtsrat eingezogen und hatte im Januar 2020 dessen Vorsitz übernommen. Angetreten war er als Aufklärer. Er hatte sich auch für die forensische Sonderuntersuchung durch KPMG eingesetzt, die letztlich die Enthüllung des Bilanzskandals ins Rollen brachte. Allerdings fielen in Eichelmanns Amtszeit auch gravierende Falschinformationen des Kapitalmarkts durch den Wirecard-Vorstand, insbesondere zu den Inhalten des KPMG-Reports, den Wirecard der Öffentlichkeit gegenüber fälschlicherweise als Entlastung präsentierte.   

28. August 2020

10:21 Uhr: Neue schlimme Details zur Cash-Burn-Rate

Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat schlimme Zahlen zu Tage gefördert. Demnach hat Wirecard Woche für Woche hohe Summen an Bargeld verbrannt. Unmittelbar vor dem Zusammenbruch des Skandalkonzerns sollen es 10 Millionen Euro pro Woche gewesen sein. Insgesamt hätten nur wenige Tochterfirmen des Konzerns überhaupt Einnahmen erzielt, glaubt Jaffé.

Nach Berechnungen des Insolvenzverwalters hat Wirecard tatsächlich im Jahr 2017 einen Verlust von 99 Millionen Euro eingefahren, 2018 sollen es schon 190 Millionen gewesen sein, 2019 dann gar 375 Millionen Euro. Für all diese Jahre hatte Wirecard offiziell hohe Gewinne verkündet. Gedeckt wurden die Verluste durch immer neue Kredite und Investorengelder. Die Folge: Unterm Strich bilanziert Jaffé 3,2 Milliarden Euro Verbindlichkeiten, bei einer Guthabenposition von 26,8 Millionen Euro.

25. August 2020

15.00 Uhr: Wirecard-Insolvenzverfahren eröffnet

Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der insolventen Wirecard ist eröffnet. Insolvenzverwalter Michael Jaffé will den Konzern deutlich verkleinern und hat harte Einschnitte angekündigt. Auch die Verträge des Vorstands will er insolvenzbedingt kündigen.

8.20 Uhr: Wirecard stellt Mitarbeiter bis auf Weiteres frei

Wirecard hat einem Bericht zufolge einen Teil der Beschäftigten am gestrigen Abend ohne Fortzahlung der Vergütung freigestellt. Wie das Nachrichtenportal „Finance Forward“ berichtete, wurden die verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter per E-Mail über die „Freistellung von der Arbeitsleistungspflicht“ informiert. Am Hauptsitz in Aschheim arbeiten mehr als 1.000 Angestellte. Insider schätzen, dass eine dreistellige Zahl der Beschäftigten ab sofort keine Arbeit mehr hat, so „Finance Forward“. Dem Nachrichtenportal zufolge sollen vor allem Mitarbeiter der Einheiten „Wirecard Global Sales“ und „Wirecard Technologies“ von der Freistellung betroffen sein. Ob die Beschäftigten noch ihr Insolvenzgeld für den Monat August erhalten, sei noch unklar. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Vorgehen von Wirecard scharf.

24. August 2020

8.10 Uhr: Ex-Wirecard-Mitarbeiter wechseln zu Finleap

Nach der Wirecard-Pleite hat die Berliner Fintech-Schmiede sechs ehemalige Mitarbeiter des Zahlungsdienstleisters rekrutiert, darunter auch Jörn Leongrande. Leongrande und die weiteren fünf Mitarbeiter kommen von Wirecard Innovation Labs und sollen für Finleap den neuen Bereich „Finleap Forward“ aufbauen. Mehr zu den Plänen von Finleap lesen Sie hier.

21. August

15.11 Uhr: CFO von Knoop offenbar erneut im Visier der Ermittler

Im Bilanzskandal rückt Wirecard-Finanzchef Alexander von Knoop offenbar erneut ins Visier der Ermittlungsbehörden. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun offenbar auch wegen mutmaßlicher Untreue gegen den CFO. Bereits im Juli wurde gegen den Finanzchef wegen Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Betrug ermittelt. Alexander von Knoop arbeitet unterdessen nach wie vor bei Wirecard – für eine Abberufung wäre der Aufsichtsrat verantwortlich, heißt es in dem Bericht. Bei Wirecard soll von Knoop dem Insolvenzverwalter Michael Jaffé bei der Aufarbeitung der Zahlen helfen. Die Entscheidungsgewalt über die Finanzen habe Jaffé aber derweil übernommen.

14.00 Uhr: Brasilien-Geschäft von Wirecard verkauft

Der Investorenprozess bei Wirecard verzeichnet das erste Ergebnis: Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé gab am Freitag bekannt, dass das Brasilien-Geschäft des Zahlungsabwicklers verkauft wird. Käufer von Wirecard Brazil ist eine Tochtergesellschaft des in New York gelisteten brasilianischen Zahlungsdienstleister PagSeguro Digital. Die Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Deal steht aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der brasilianischen Aufsichtsbehörden.

Jaffé bestätigte zudem, dass es beim Verkauf der englischen Tochter Wirecard Card Solutions vorangeht. Es gebe eine Grundsatzvereinbarung zum Verkauf „bestimmter Kundenbeziehungen und weiterer Vermögensgegenstände“ mit der Railsbank Technology. Weitere Details zu dem Deal sind nicht bekannt.

Weitere Schritte bei der Zerschlagung von Wirecard dürften nicht lange auf sich warten lassen: So sei der Verkaufsprozess der Wirecard North America „bereits weit fortgeschritten“. Hier erwartet er in Kürze finale Erwerbsangebote. Auch beim Acquiring- und Issuing-Geschäft, dem Kerngeschäft von Wirecard, würden die Verhandlungen mit den Interessenten in die nächste Runde gehen. „Es gibt mehrere namhafte Interessenten, die indikative Angebote abgegeben haben“, so der Insolvenzverwalter. Auch bei dem Verwertungsprozess weiterer Beteiligungen von Wirecard gebe es Fortschritte.

 

 

10.00 Uhr: Wirecard soll Käufer für britische Tochter gefunden haben

Wirecard steht offenbar vor dem teilweisen Verkauf des Geschäfts in Großbritannien, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Wirecard Card Solutions, das vor allem Zahlungen für Fintechs abwickelt, soll demnach Gespräche mit dem Wirecard-Wettbewerber Railsbank Technology bestätigt haben. Verträge für den Deal seien aber noch nicht unterschrieben. Zuerst hatte die britische Zeitung „The Times“ berichtet, Railsbank werde Kartentechnologie, Kunden und Mitarbeiter übernehmen. Das verbleibende Geschäft in Großbritannien werde abgewickelt. Der Verkauf wäre der erste seit der Insolvenz des Skandalunternehmens Wirecard. 

19. August

17.05 Uhr: VEB knöpft sich Bafin-Mitarbeiter vor

Die Aktionärsvereinigung VEB fordert eine gründliche Untersuchung der Handelsgeschäfte in Wirecard durch Bafin-Mitarbeiter. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Bafin-Mitarbeiter kurz vor der Pleite verstärkt mit Wirecard-Aktien handelten.

Untersucht werden solle, „ob die erfolgten Mitarbeitergeschäfte ab 2019, aber auch zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandene Positionen in Wirecard oder Derivaten, gleichgültig ob in eigenen Depots mit oder ohne Vermögensverwaltungsauftrag oder in Depots nahestehender Personen in irgendeiner Weise sich auf aufsichtliche Entscheidungen ausgewirkt haben könnten“. Die Vereinigung führt hier etwa das Short-Selling-Verbot auf. Die reine Angabe von prozentualen Größen, wie bisher erfolgt, sei nicht zureichend.

Und die Forderungen gehen noch weiter: In Zukunft sollten alle Handelsgeschäfte für Bafin-Mitarbeiter und ihnen nahestehende Personen verboten werden, wenn die Bafin die Aufsicht über das entsprechende Unternehmen hat, meint VEB.

14. August 2020

10:33 Uhr: Bafin-Mitarbeiter handelten Wirecard-Aktien

Aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen geht hervor, dass die Wirecard-Aktie in der ersten Jahreshälfte in immer stärkerem Maße privat von Bafin-Mitarbeitern gehandelt wurde. Alle Hintergründe dazu lesen Sie hier.

13. August 2020

9.50 Uhr: BKA fahndet nach Jan Marsalek

Nachdem der ehemalige Wirecard-Vertriebsvorstand Jan Marsalek verschwunden ist, fahndet nun das Bundeskriminalamt (BKA) öffentlich nach dem österreichischen Manager. Auch Interpol soll den 40-Jährigen suchen, schreibt die „Welt“. „Die bisherigen Fahndungsmaßnahmen verliefen ohne Erfolg. Aufgrund der derzeitigen Ermittlungsergebnisse wird ein Aufenthaltsort des Gesuchten im Ausland für sehr wahrscheinlich gehalten. Nach ihm wird weltweit gefahndet“, heißt es in einer Mitteilung des BKA Wiesbaden. In der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ bat das BKA zudem um Unterstützung bei der Suche nach Marsalek.

7.43 Uhr: Wirecard fliegt aus dem Dax

Wircard wird am 21. August aus dem Leitindex Dax ausscheiden. Damit verlässt der insolvente Konzern das Börsensegment frühzeitig: Gemäß dem bisher geltenden Regelwerk hätte Wirecard den Dax erst im Rahmen der nächsten regulären Prüfung am 21. September verlassen müssen, so die „Süddeutsche Zeitung“. Angesichts des Wirecard-Bilanzskandals habe die Börse allerdings eine Regeländerung angeregt, der zufolge Unternehmen auch kurzfristig aus den Dax-Auswahlindizes Dax, MDax, SDax und TecDax ausgeschlossen werden können. In einer Umfrage der Börse stimmte eine Mehrheit der Marktteilnehmer nun für eine Änderung der Regeln. Den Platz von Wirecard wird voraussichtlich Delivery Hero oder Symrise einnehmen.

12. August 2020

8.30 Uhr: Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls hatte Hinweise auf Fehlverhalten

Im Fall Wirecard gerät nun auch Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls, die Financial Intelligence Unit (FIU), in den Fokus. Die Behörde hat offenbar Dutzende Hinweise auf möglicherweise strafbare Handlungen von Mitarbeitern der Wirecard-Bank nicht an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergegeben. Das haben Recherchen von NDR und SZ ergeben.

Nun prüft die FIU den Berichten früher eingegangene Meldungen erneut. Es gehe um Hinweise auf Straftaten wie Bilanzfälschung, Betrug, Untreue, Marktmanipulation sowie Insiderhandel, berichtet der NDR. Hierbei seien 97 Meldungen identifiziert worden, „die in möglichem Zusammenhang mit den derzeit erhobenen Vorwürfen" gegen Wirecard-Mitarbeiter stehen könnten, zitierte das Medium die FIU.

10. August 2020

12.44 Uhr: Ist noch mehr Geld abgeflossen?

Laut Medienberichten könnte Wirecard vor der Insolvenz Geld beiseite geschafft haben. Einem Bericht der „SZ“ zufolge, sei eine vereinbarte Kreditlinie von 1,75 Milliarden Euro Ende 2019 erst mit 800 Millionen Euro ausgeschöpft gewesen, zum Zeitpunkt der Insolvenz im Juni allerdings schon zu 1,6 Milliarden Euro. Die Mittel sollen unter anderem an Geschäftspartner ins Asien gegangen sein, so der Verdacht. 

7. August 2020:

14.45 Uhr: Singapur erhebt Anklage gegen Treuhänder

Die Behörden in Singapur haben eine erste Anklage im Fall Wirecard erhoben. Sie werfen einem lokalen Geschäftsmann vor, Dokumente gefälscht zu haben, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Der Geschäftsmann sei jahrelang als Wirecard-Treuhänder in Asien aufgetreten und habe Verbindungen zu „dubiosen“ Partnerfirmen des Zahlungsdienstleisters gehabt.

Ihm wird vorgeworfen, bereits seit März 2016 bewusst falsche Angaben über Treuhandkonten gemacht zu haben. So soll er das Vorhandensein von Guthaben in dreistelliger Millionenhöhe bescheinigt haben, obwohl es dieses Geld nicht gegeben habe. Er hatte das Mandat bis Ende 2019 inne.

6. August 2020:

8.35 Uhr: Ehemaliger Wirecard-Geschäftspartner gestorben

Der Bilanzskandal bei Wirecard wird von einem Todesfall überschattet: Der deutsche Geschäftsmann Christopher B. ist Medienberichten zufolge in der philippinische Hauptstadt Manila gestorben. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sei B. ein wichtiger Kontaktmann des flüchtigen ehemaligen Wirecard-Vorstands Jan Marsalek gewesen.

Dem Bericht zufolge war B. zunächst als Geschäftsführer der Wirecard-Niederlassung auf den Philippinen aktiv. Später führte er gemeinsam mit seiner Frau zwei Partnerfirmen, die als so genannte Third Party Acquirers für einen Großteil des von Wirecard verbuchten Geschäfts sorgten. Wie inzwischen bekannt ist, existiert ein erheblicher Teil der Umsätze und Gewinne des Asiengeschäfts von Wirecard wohl nicht. Auf den Philippinen ermittelten laut „Handelsblatt“ sowohl die Bundespolizei als auch eine Anti-Geldwäsche-Einheit gegen B.

Der Vater von B. erklärte der Zeitung, sein Sohn sei nicht krank gewesen, habe aber einen Schwächeanfall erlitten. Die Familie wisse auch nicht viel. Er glaube aber, „es war eine natürliche Sache". Der „Financial Times" zufolge wollten die philippinischen Behörden keine Angaben zur Todesursache machen. Justizminister Menardo Guevarra sagte der Zeitung aber, er werde prüfen, ob dazu Ermittlungen nötig seien.

4. August 2020:

20:11 Uhr: EY drohen weiter Klagen

Dem Wirtschaftsprüfer EY droht im Bilanzskandal um Wirecard die nächste Klage. Wie die FAZ berichtet, bereitet der Prozessfinanzierer Omni Bridgeway zusammen mit der US-Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan für Wirecard-Anleger eine umfrangreiche Klage in Deutschland vor. 

18:55 Uhr: Finanzausschuss plant Sondersitzung im Bundestag

Am 31. August und 1. September sollen Vertreter des Kanzleramts aus den Bereichen Wirtschaft und Nachrichtendienste, der Bafin, dem Bundesjustizministerium, der bayerischen Staatsregierung, der Deutschen Börse, dem hessischen Wirtschaftsministerium, Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen und der Bundesbank zum Wirecard-Skandal befragt werden. Das will die FAZ aus dem Ausschuss erfahren haben.

In der vergangenen Woche mussten bereits Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier Rede und Antwort stehen. 

16:26 Uhr: Bafin nimmt Wirecard-Bilanzen unter die Lupe

Die Finanzaufsicht Bafin nimmt sich die Wirecared-Bilanzen der Jahre 2017 bis 2019 zur Brust, wie das Handelsblatt berichtet. Anstoß dafür sei, dass Wirecard der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die Mitwirkung an der Prüfung verweigert habe. 

3. August 2020:

17:30 Uhr: Wirtschaftsprüferaufsicht APAS ermittelt gegen EY

Die beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelte Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) ermittelt im Wirecard-Bilanzskandal gegen EY. Dass ein Prüfverfahren läuft, hat die APAS inzwischen bestätigt. Zunächst hatte das „Handelsblatt" darüber berichtet und aus einem vertraulichen Bericht des Ministeriums zitiert. Demnach untersuche die APAS sämtliche Jahres- und Konzernabschlussprüfungen ab dem Jahr 2015 durch EY bei Wirecard „auf die Einhaltung der gesetzlichen und berufsrechtlichen Vorgaben“.

EY wollte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht konkret zu dem Vorgang äußern. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft betonte jedoch, dass sie alle behördlichen Untersuchungen im Fall Wirecard unterstütze und mit allen zuständigen Behörden und Aufsichtsstellen vollumfänglich zusammenarbeite. „Auch uns ist daran gelegen, dass die Vorgänge umfassend, rückhaltlos und rasch aufgeklärt werden", so ein Sprecher.

28. Juli 2020:

09:10 Uhr: Betrug bei Wirecard schon seit 15 Jahren?

Der Zahlungsdienstleister Wirecard war nach Angaben eines ehemaligen Vorstands schon 15 Jahre vor der Insolvenz defizitär. Das berichtet das „Handelsblatt" unter Berufung auf einen ehemaligen Vorstand, der anonym bleiben will. Ab 2008 habe er auch den Aufsichtsratsvorsitzenden darüber informiert, dass die veröffentlichten Zahlen nur durch massive Eingriffe in die Buchhaltung zustande kamen, zitiert die Zeitung. Daraufhin angeblich anberaumte Gespräche mit CEO Braun seien aber ergebnislos geblieben.

24. Juli 2020:

19.04 Uhr: Investorenprozess bei Wirecard schreitet voran

Im laufenden Verkaufsprozess des Skandalunternehmens Wirecard meldet der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé Fortschritte. Die Liquidität habe demnach bis auf weiteres gesichert werden können. Der Investorenprozess komme gut voran.

Gerade für das US-Geschäft, Wirecard North America, scheint es gut auszusehen. Etwa 60 Interessenten hätten hierfür Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet. „In den nächsten Wochen“ könnten die Interessenten konkrete Angebote abgeben.

Auch das Kerngeschäft der Aschheimer, Acquiring und Issuing, stößt Jaffé zufolge Interesse: Hierfür hätten 77 Interessenten Vertraulichkeitsvereinbarungen unterschrieben. „Wir sind zuversichtlich, einen Investor für das Kerngeschäft zu finden, das erhebliche unternehmerische Chancen in einem enorm wachsenden Markt für einen Investor bietet“, kommentiert Jaffé. Daneben laufen zudem weitere Prozesse zum Verkauf anderer Beteiligungen.

11.40 Uhr: Druck auf die Bafin steigt

Die Finanzaufsicht Bafin hat nun auch juristischen Ärger wegen des Wirecard-Skandals. Die Tübinger Anwaltskanzlei Tilp hat beim Landgericht in Frankfurt am Main Klage eingereicht. Die Rechtsanwälte werfen der Bafin „jahrelangen Amtsmissbrauch“ im Fall Wirecard vor und fordern Schadenersatz. Die Finanzaufsicht wehrt sich gegen die Vorwürfe. Mehr darüber lesen Sie hier bei FINANCE-Online.

22. Juli 2020:

16.15 Uhr: Ex-Wirecard-CFO in Haft

Der bis Ende 2017 amtierende Wirecard-CFO Burkhard Ley ist heute in München verhaftet worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch Ex-Wirecard-CEO Markus Braun, der zuletzt auf Kaution frei war, sitzt wieder in Haft. Ebenfalls festgenommen wurde der frühere Accunting-Chef des Münchener Zahlungsabwicklers. Ihnen werden gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen vorgeworfen. Mehr dazu lesen Sie hier bei FINANCE-Online.

11.00 Uhr: Alix Partners untersucht Wirecard-Fall

Die Unternehmensberatung Alix Partners soll eine Untersuchung des Wirecard-Falls aufnehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Die Berater sollen herausfinden, ob – und wenn ja, seit wann – Manager oder Aufsichtsräte des Zahlungsabwicklers von den Unregelmäßigkeiten gewusst haben, die letztlich zu dem Loch von 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz führten. Die Untersuchungsergebnisse dürften auch bei späteren juristischen Verfahren gegen Unternehmensverantwortliche eine wichtige Rolle spielen. Hinzu kommt ihre Bedeutung für Haftungsfragen: Dem „Handelsblatt“ zufolge stellt ein Konsortium aus sechs Versicherern unter Leitung von Chubb eine Managerhaftpflicht über 125 Millionen Euro. Die D&O-Versicherung zahlt jedoch nicht, wenn Vorstände einen Schaden vorsätzlich herbeigeführt haben, etwa weil sie kriminell handelten.

20. Juli 2020:

10.59 Uhr: Marsalek ist offenbar in Moskau

Nach übereinstimmenden Recherchen von „Spiegel“ und „Handelsblatt“ soll Jan Marsalek nicht nach Asien, sondern über Weißrussland nach Moskau geflüchtet sein. Dort befindet er sich nun offenbar auf einem Anwesen des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Mehr zur Russland-Connection und der Fluchtroute Marsaleks finden Sie hier.

17. Juli 2020

9.40 Uhr: Finanzminister Scholz wusste seit 2019 um Manipulationsverdacht

Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll bereits seit anderthalb Jahren von einem Verdacht der Finanzaufsicht Bafin gegen den Zahlungsdienstleister Wirecard gewusst haben. Wie unter anderem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus einem Sachstandsbericht des Finanzministeriums an die Vorsitzende des Finanzausschusses zitiert, sei Scholz am 19. Februar 2019 darüber unterrichtet worden, dass die Bafin im Fall Wirecard „wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Verbot der Marktmanipulation“ Untersuchungen aufgenommen habe. Es sei zudem darauf hingewiesen worden, dass die Bafin in alle Richtungen ermittele. Mehrere Bundesabgeordnete fordern nun einen Untersuchungsausschuss.

9.00 Uhr: Ex-Geschäftsführer einer Wirecard-Tochter packt offenbar aus

Der seit Montag vergangener Woche wegen Betrugsverdachts inhaftierte Ex-Chef der Dubaier Wirecard-Tochter Cardsystems Middle East hat nach Angaben seines Strafverteidigers eine Tatbeteiligung eingeräumt. "Mein Mandant hat sich freiwillig dem Verfahren gestellt und steht - im Gegensatz zu anderen - zu seiner individuellen Verantwortung", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters dessen Anwalt. Die Tochtergesellschaft Cardsystems Middle East spielte eine zentrale Rolle im Asiengeschäft von Wirecard.

16. Juli 2020

14.35 Uhr: Karl-Theodor zu Guttenbergs Firma beriet Wirecard

Prominenter Berater: Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner Investment- und Consultingfirma Spitzberg Partners zwischen 2016 und 2020 mit Wirecard zusammengearbeitet. Wie der „Spiegel“ berichtet soll zu Guttenbergs Firma dem Zahlungsdienstleister beim Erwerb eines chinesischen Mitbewerbers beratend und unterstützen zur Seite gestanden haben. In dem Zusammenhang soll er auch mit der Bundesregierung „die Möglichkeiten wohlwollender Begleitung im bilateralen Verhältnis mit China eruiert“ haben, hieß es in dem Artikel.

„Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Zugang zu noch Kenntnis von etwaigen Diskrepanzen in der Bilanzierung“, hat zu Guttenberg inzwischen öffentlich erklärt. Seine Firma sei „entsetzt und schockiert über die jüngsten Enthüllungen und Entwicklungen“ und habe das Beratungsmandat für Wirecard beendet.

14.20 Uhr: Wirecard soll Partnerschaften frei erfunden haben

Nicht nur bei den Bilanzen sondern auch bei den Kooperationen soll Wirecard einem Medienbericht zufolge viel Phantasie bewiesen haben. Laut Recherchen des „Wall Street Journals“ hätten sich eine Vielzahl der von Wirecard in den vergangenen Jahren angekündigten Partnerschaften als substanzlos oder inhaltlich falsch herausgestellt. So habe Wirecard beispielsweise noch im Februar 2020 eine „offizielle Entwicklungspartnerschaft“ mit SAP bekanntgegeben, die laut Aussagen des Softwareherstellers nie unterschrieben oder zu Veröffentlichung freigegeben worden sei. Allerdings hat SAP auch keine Schritte gegen Wirecard eingeleitet.

15. Juli 2020

14:10: Esma untersucht Rolle von Bafin und DPR im Wirecard-Skandal

Die europäische Wertpapieraufsicht Esma knüpft sich im Wirecard-Skandal die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) vor. Man werde die aufsichtsrechtlichen Maßnahmen der Bafin und der DPR in prüfen, teilte die Esma am Mittwoch mit. Der Zusammenbruch von Wirecard habe das Vertrauen der Anleger in die Bilanzierung und den Finanzmarkt untergraben. Es sei daher notwendig, diese Ereignisse zu untersuchen, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Die Prüfung werde bis zum 30. Oktober 2020 abgeschlossen.

11.26 Uhr: Bafin führte 2017 Sonderprüfungen bei Wirecard Bank durch

Die Finanzaufsicht Bafin hat die Wirecard Bank bereits im Sommer 2017 im Rahmen von zwei Sonderprüfungen genauer unter die Lupe genommen. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, untersuchte die Bafin vom 3. Juni bis zum 21. Juli 2017 das Kreditgeschäft der Wirecard Bank. Eine weitere Prüfung zur Geldwäschebekämpfung fand zwischen dem 2. und dem 4. Juli 2019 statt. Genauere Ergebnisse der beiden Prüfungen sind nicht bekannt. Sonderprüfungen gelten als das „schärfste Schwert der Bafin“, so die Nachrichtenagentur. Als Bank mit einer Vollbanklizenz fiel die Wirecard Bank unter die Aufsicht der Behörde.

8.30 Uhr: Bafin zeigt Markus Braun wegen Insiderhandels an

Im Wirecard-Skandal hat die Bafin Ex-Vorstandschef Markus Braun nun auch wegen Insiderhandels im Visier. Eine Sprecherin der Behörde sagte, man habe bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige gegen die MB Beteiligungsgesellschaft erstattet, hinter der Braun steht. Es geht um drei verschiedene Transaktionen im Vorfeld der Insolvenz.

14. Juli 2020

12.30 Uhr: Bafin hegt Verdacht auf Insiderhandel

Ein User des Onlineforums „finanzen.net“ hatte schon vor dem Absturz von Wirecard einen Post veröffentlicht, indem er behauptete, dass EY Wirecard kein uneingeschränktes Testat ausstellen wird. Der Post wurde bereits gelöscht. Das „Handelsblatt“ hätte diesen aber noch vorliegen und auch im Internet kursieren noch Screenshots. Die Bafin hat den Fall an die Staatsanwaltschaft München weitergegeben.

13. Juli 2020

10.30 Uhr: Erste Klagen aus den USA

Zwei US-Kanzleien haben Sammelklagen gegen Wirecard eingereicht. Die erste Klage gab es von der New Yorker Kanzlei Rosen Law Firm, wenige Tage später zog Bragar Eagel & Squire nach. Unter anderem werfen sie Wirecard eine falsche Darstellung der Finanzergebnisse vor. Auch EY nehmen sie ins Visier und werfen dem Prüfer vor, nicht gemäß geltenden Prüfungsgrundsätzen gearbeitet zu haben.

9.45 Uhr: Neue Gerüchte um Marsalek

Um den gesuchten ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ranken sich zunehmend die wildesten Gerüchte. Laut einem Bericht der „FT“ soll er versucht haben, eine Miliz in Lybien aufzubauen. Auch soll er die Formel des russischen Nervengifts Novitschok kennen. Laut „FT“ verfügt die Zeitung über Dokumente, die beides beweisen sollen. Sie spricht außerdem davon, dass Marsalek Kontakte zu russischem Geheimdienst- und Militärkreisen hat.

Auch soll er in Österreich die FPÖ mit Informationen aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) versorgt haben, berichtet „Die Presse“.

9.20 Uhr: Was hat Kukies mit Braun besprochen?

Medienberichten zufolge soll Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, im Herbst 2019 zwei Mal mit dem ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun gesprochen haben. Worum es in den Gesprächen ging, will das Bundesfinanzministerium nicht mitteilen. 

Die Opposition poltert: „Das ist einfach völlig inakzeptabel“, zitiert die „FT“ etwa Fabio De Masi, Bundestagsabgeordneter der Linken. „Angesichts des Umfangs und des Ausmaßes des Wirecard-Skandals und des regulatorischen und politischen Versagens bei der Bewältigung hat die breite Öffentlichkeit ein Grundrecht auf Wissen.“

10. Juli 2020

9.55 Uhr: Nun auch Ermittlungen wegen Geldwäsche

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nun auch wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen Verantwortliche von Wirecard. Anlass sind diverse Strafanzeigen, die in diesem, aber auch schon im vergangenen Jahr eingegangen sind. Auch in den USA, in Singapur und auf den Philippinen wird ermittelt. Zudem wurden nun auch Wirecard-Geschäftsräume in Dublin von den Behörden durchsucht. Ein früheres Ermittlungsverfahren der Münchener Staatsanwälte wegen Geldwäscheverdachts war 2012 mangels Tatverdachts eingestellt worden.

9. Juli 2020

9.10 Uhr: US-Justizministerium nimmt Wirecard ins Visier

Der tief gefallene Zahlungsdienstleister Wirecard beschäftigt einem Medienbericht zufolge nun auch US-Behörden. Laut einem Bericht des "Wall Street Journals" vom Mittwoch untersucht das Justizministerium in Washington, ob der Dax-Konzern möglicherweise in einen 100 Millionen US-Dollar schweren Bankbetrug in Zusammenhang mit einer Online-Verkaufsplattform für Marihuana involviert ist. Im konkreten Fall sollen zwei Geschäftsleute mithilfe von Zahlungsabwicklern und anderen Parteien US-Banken getäuscht haben, um Debit- und Kreditkartenzahlungen für Marihuana-Produkte abwickeln zu können.

7. Juli 2020

17.05 Uhr: Investorenprozess für Wirecard-Geschäft gestartet

Bei Wirecard startet der Abverkauf: Das Kerngeschäft des insolventen Konzerns, das Acquiring und Issuing-Geschäft sowie weitere davon unabhängige Geschäftsbereiche der Konzerngesellschaften warten weltweit auf neue Eigentümer. Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé haben sich bereits mehr als 100 Interessenten gemeldet. Nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung könnten diese mit der Due Diligence beginnen. Am weitesten fortgeschritten ist dem Insolvenvzerwalter zufolge der Verkauf der US-Gesellschaft Wirecard North America, der von der Investmentbank Moelis & Company begleitet wird. Mehr als 1.500 Mitarbeiter der insolventen Gesellschaften erhalten künftig Insolvenzgeld. 

6. Juli 2020

9.45 Uhr: Wirecards Kerngeschäft soll defizitär gewesen sein

Die „Financial Times“ holt im Fall Wirecard wieder aus: Einem aktuellen Bericht zufolge hätten die direkt unter Wirecard-Kontrolle stehenden Gesellschaften offenbar schon seit Jahren rote Zahlen geschrieben. Das gehe aus Anhängen zu der Sonderprüfung von KPMG hervor. Demnach hätten die Geschäfte unter direktem Wirecard-Einfluss etwa 2018 einen operativen Verlust von 74 Millionen Euro eingefahren. Die Zahlen für den Gesamtkonzern hatten hingegen steigende Gewinne ausgewiesen.

9.27 Uhr: Wo steckt Jan Marsalek?

Der sich auf der Flucht befindliche ehemalige Wirecard-COO Jan Marsalek ist womöglich doch nicht in China oder auf den Philippinen, wie bisher vermutet. Laut dem philippinischen Justiz-Staatssekretär Menardo Guevarra seien die Daten, die die Einreise des Österreichers auf den Philippinen am 23. Juni und die Weiterreise nach China am nächsten Tag zu belegen schienen, gefälscht. Die Beamten der Einwanderungsbehörde, die die gefälschten Daten in die Systeme eingetragen haben sollen, seien von ihren Aufgaben entbunden worden und würden zur Rechenschaft gezogen, berichtet Reuters.

Guevarra hatte schon kurz nach der angeblichen Einreise Marsaleks von Auffälligkeiten gesprochen, da der Manager wohl auf keiner Überwachungskamera am Flughafen zu sehen war. Man könne jedoch nicht völlig ausschließen, dass Marsalek auf den Philippinen sei: „Wir sind ein Inselstaat, und es gibt Schlupflöcher, durch die Ausländer unbemerkt schlüpfen können“, zitiert ihn Reuters. 

3. Juli 2020

10.30 Uhr: Fälscht Wirecard schon seit 2014?

Gehen die Bilanzmanipulationen bei Wirecard länger zurück als gedacht? Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge soll die Führungsriege bereits 2014 damit angefangen haben, Umsätze und Erlöse aufzupumpen. Davon gehe die Staatsanwaltschaft München I aus. Ziel der mutmaßlichen Betrügereien sei es gewesen, den Konzern finanzkräftiger und somit attraktiver erscheinen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft stütze sich dabei auf zahlreiche interne Unterlagen von Wirecard, heißt es weiter.

2. Juli 2020

17.09 Uhr: Deutsche Bank an Wirecard Bank interessiert?

Die Deutsche Bank prüft in Abstimmung mit der Bafin, dem Insolvenzverwalter der Obergesellschaft Wirecard AG und dem Vorstand der Wirecard Bank mögliche finanzielle Hilfen. „Wir können uns grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten diese Unterstützung zu gewähren, sofern es erforderlich werden sollte“, hieß es seitens der Bank.

Einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge, bringt sich die Deutsche Bank damit womöglich in eine gute Ausgangsposition für eine Übernahme der Wirecard Bank, welche im Gegensatz zur Mutter nicht insolvent ist. Eine mit dem Thema vertraute Person sagte dem Handelsblatt, dass die Deutsche Bank über einen Überbrückungskredit nachdenke, um dann zu einem späteren Zeitpunkt dort einzusteigen. Das Frankfurter Institut wolle stärker im Zahlungsverkehr aktiv werden, lautete die Begründung.

12:56 Uhr: Sechs Wirecard-Töchter insolvent

Wirecard hat nun auch für sechs seiner Töchter Insolvenz angemeldet, wie das Amtsgericht München bekannt gab. Auch dafür übernimmt Michael Jaffé die Insolvenzverwaltung. Es handelt sich dabei um Wirecard Acceptance Technologies, Wirecard Sales International Holding, Wirecard Service Technologies, Wirecard Issuing Technologies, Wirecard Technologies und Wirecard Global Sales.

11.55 Uhr: Softbank will wohl Zusammenarbeit beenden

Ein weiterer schwerer Schlag für Wirecard: Nun will wohl die Softbank das fünfjährige Abkommen zur Zusammenarbeit kündigen, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Verweis auf Insider. Der Deal hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Die Softbank hatte im April 2019 über eine Wandelanlehie etwa eine halbe Milliarde Dollar investiert.

Zudem wurde ein strategischer Kooperationsvertrag geschlossen, wonach Wirecard digitale Zahlungen für andere Unternehmen aus dem Softbank-Portfolio übernehmen sollte – ein wichtiger Deal für Wirecard. Außerdem sollte die Softbank die Expansion in Japan und Südkorea unterstützen.

10.44 Uhr: Aldi Süd kehrt Wirecard den Rücken

Und wieder springt ein wichtiger Kunde bei Wirecard ab: Jetzt hat Aldi Süd dem Zahlungsdienstleister den Rücken gekehrt. Die Meldung, über die „Finanzszene.de“ zuerst berichtete, hat Aldi Süd bestätigt. Der Handelskonzern setzt nun auf Payone, ein Joint Venture der deutschen Sparkassen und der französischen Ingenico. Zuvor hatten sich etwa schon der Mitfahrdienst Grab oder der Telekomkonzern Orange von Wirecard verabschiedet.

1. Juli 2020

11.28 Uhr: Razzia bei Wirecard

Am Mittwochmorgen ist die Staatsanwaltschaft beim Skandalkonzern Wirecard angerückt. Dutzende Ermittler hätten in einer groß angelegten Durchsuchung fünf Gebäude in Deutschland und Österreich durchsucht, darunter waren die Firmenzentrale im Münchner Vorort Aschheim und zwei Objekte in Österreich. Das erklärte die Staatsanwaltschaft München.

Dabei sei es in erster Linie um die Vorwürfe der Bilanz- und Marktmanipulation gegangen, die unter anderem gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun erhoben werden. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll auch das Privathaus von Braun in Wien durchsucht worden sein.

08.38 Uhr: Oldenburger haben Brauns Deals finanziert

Nach einem Bericht des „Spiegel“ könnte die Oldenburgische Landesbank die jüngsten Aktienkäufe von Markus Braun finanziert haben, mit denen der Ex-CEO noch im Mai versucht hatte, sich gegen die nervöse Investorenstimmung zu stemmen – innerhalb der Periode, in der Vorstände eigentlich keine Aktien des eigenen Unternehmens kaufen dürfen. Etwa zur gleichen Zeit habe Braun einen Kredit über 120 Millionen Euro bei der Oldenburgischen Landesbank aufgenommen, der mit zwei seiner Immobilien im Wert von 30 Millionen Euro besichert gewesen sei. Auf eine Anzeige eines österreichischen Anwalts hin ermitteln nun auch die österreichischen Behörden gegen den seit gestern Abend auch offiziell gefeuerten Braun und seinen Adlatus Jan Marsalek wegen Marktmanipulation und Betrugs. 

08.03 Uhr: Investorensuche gestartet

Der Gläubigerausschuss von Wirecard und Insolvenzverwalter Michael Jaffé haben einen internationalen Investorenprozess für diverse Unternehmensteile von Wirecard gestartet. Dafür sollen mehrere Investmentbanken eingeschaltet werden. Die Details bekommen Sie hier.

30. Juni 2020

9.21 Uhr: Wirecards US-Tochter setzt sich ab

Das Wirecard-Reich zerfällt: Nun hat die US-Tochter des Pleitekonzerns angekündigt, sich selbst zum Verkauf zu stellen, um in einen sicheren Hafen zu gelangen. Die Amerikaner betonen, eine „sich selbst tragende Einheit“ zu sein, die „weitgehend autonom“ vom insolventen Mutterkonzern agiere. Sie war entstanden, nachdem Wirecard im Jahr 2016 das Prepaid-Kreditkartengeschäft der Citigroup übernommen hatte. Dafür hatte Wirecard über 200 Millionen Euro bezahlt.

29. Juni 2020

14.02 Uhr: Marsalek will sich doch nicht stellen

Nun scheint es offiziell zu sein: Wirecards Ex-Vorstand Jan Marsalek, der sowohl das Drittpartner- als auch das Asiengeschäft des Skandalkonzerns verantwortet hat, befindet sich auf der Flucht. Seine Aussage aus der vergangenen Woche, sich der Justiz stellen zu wollen, ist hinfällig, wie NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichten. Der Manager ist in Asien untergetaucht und soll sich jüngsten Informationen zufolge auf den Philippinen oder in China aufhalten. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Nach Informationen des „Handelsblatts“ sucht inzwischen auch Interpol nach dem Österreicher.  

12.49 Uhr: Deutsche Börse will Dax-Regeln ändern

Die Deutsche Börse will als Lehre aus dem Wirecard-Skandal die Regeln zur Mitgliedschaft im Dax überprüfen. „Das Vertrauen in den Kapitalmarkt hat offensichtlich gelitten”, erklärte der Börsenbetreiber. „Deshalb haben wir uns entschlossen, die Regelwerke unter Einbindung der Regulatoren und die Regeln für die Zugehörigkeit zur Dax-Familie einer vertieften Prüfung zu unterziehen und zu überarbeiten.” Bis zum Abschluss dieses Konsultationsprozesses dürften allerdings noch mehrere Monate vergehen.

11.44 Uhr: Fahnder suchen verschwundene Millionen

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, untersuchen Fahnder bei Wirecard nun auch diverse Transaktionen und Darlehensgeschäfte, über die Gelder in stattlicher Millionenhöhe aus dem Konzern abgeflossen sein sollen – an unbekannte Empfänger. Im Zentrum der Untersuchungen steht der Kauf eines indischen Zahlungsdienstleisters im Oktober 2015 für 340 Millionen Euro, die größte Akquisition der Wirecard-Geschichte. Nach Informationen der Zeitung hat der Konzern überraschend auch seinen Rechtsbeistand ausgetauscht. Die Compliance-Kanzlei Ufer Knauer ist ihr Mandat demnach schon nach wenigen Wochen wieder los. Nun lässt sich Wirecard von dem Compliance-Anwalt André Große Vorholt von der Kanzlei Luther vertreten. 

11.15 Uhr: Hedgefonds machen Riesen-Reibach

Über 1,1 Milliarde Euro haben Shortseller nach einer Zählung der „Financial Times“ in der vergangenen Woche durch die Wirecard-Pleite verdient. Am meisten kassierte mit 220 Millionen Euro der US-Hedgefonds Slate Path Capital. Der Hedgefonds TCI des bekannten Investors Chris Hohn machte 192 Millionen Euro, Marshall Wace 150 Millionen. 

10.03 Uhr: Erste Kaufinteressenten für Wirecard

Nach Informationen der FAZ bringen sich die ersten Kaufinteressenten für bestimmte Teile von Wirecard in Stellung. In ihrem Bericht nennt die Zeitung den Zahlungsdienstleister Worldline, der gerade auch Ingenico übernimmt, sowie ungenannte Private-Equity-Investoren.  

26. Juni 2020

12.22 Uhr: Brüssel setzt die Esma auf Wirecard an

Die EU-Kommission setzt die europäische Finanzaufsicht Esma auf den Wirecard-Skandal an. Einen ersten Untersuchungsbericht soll die Esma schon bis zum 15. Juli abliefern. Die Esma soll laut der Vorgabe aus Brüssel auch untersuchen, ob die Reaktion der Aufsichtsbehörden angemessen gewesen ist.

9.08 Uhr: Befindet sich Jan Marsalek in China?

Die SZ berichtet, dass sich der ehemalige COO von Wirecard womöglich in China aufhalten könnte. Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde zufolge soll Jan Marsalek am Dienstag in das südostasische Land eingereist sein und sich am Mittwoch über den Flughafen Cebu nach China aufgemacht haben. Es gibt jedoch keine Videoaufnahmen, die belegen, dass er auch tatsächlich an Bord der Flugzeugs gegangen ist. Gegen Marsalek und andere ehemalige Wirecard-Vorstände ermittelt die Staatsanwaltschaft München, es liegen Haftbefehle vor. 

25. Juni 2020

18.11 Uhr: Michael Jaffe soll Insolvenzverwalter werden

Der Münchner Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Michael Jaffe soll sich um den Insolvenzfall Wirecard kümmern, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Dem Amtsgericht München zufolge sei Jaffe als Sachverständiger bestellt worden, um ein Gutachten über den Insolvenzantrag zu erstellen. Bekannt wurde Jaffe in seiner Rolle als Insolvenzverwalter des Medienkonzerns von Leo Kirch. Derzeit ist Jaffe auch Insolvenzverwalter der Firma P&R, die Schiffscontainer in großem Stil als Anlageobjekt verkauft hat. Es stellte sich heraus, dass ein großer Teil der Container überhaupt nicht existierte.

16.26 Uhr: Shortseller Hohn: „Wirecard ist nicht zu retten.“

Der britische Hedgefonds-Mangager Christopher Hohn hat mit Leerverkäufen der Wirecard-Aktie bereits 200 Millionen Dollar verdient. Er glaubt, dass die Lage bei Wirecard aussichtslos ist: „Wirecard hat in meinen Augen keine Assets, die als Übernahmekandidat attraktiv wären“, sagte er im „Handelsblatt“. Die Firma sei nicht zu retten. Hohn kritisiert auch den Aufsichtsrat von Wirecard, der diese Machenschaften viel zu lange zugelassen habe. „Der gesamte Aufsichtsrat hat versagt und sollte zur Verantwortung gezogen werden“, so Hohn, der bei Wirecard schon Ende April personelle Konsequenzen gefordert hat. Seine in Verruf geratene Branche sieht er durch den Fall Wirecard rehabilitiert: „Shortseller spielen eine wichtige Rolle, um Betrug ans Licht zu bringen.“

15.34 Uhr: Welche Rolle spielten die Banken?

Wirecard muss Insolvenz anmelden – und es steht die Frage im Raum, welche Rolle die kreditgebenden Banken dabei gespielt haben. Nach Informationen der F.A.Z. fanden die Verhandlungen mit den Banken unter großem Zeitdruck statt. Die gesamte Liquidität des Konzerns, die in der Wirecard-Bank liegt, stand laut F.A.Z. dem Wirecard-Konzern nicht mehr zur Verfügung. Das Geld hätte somit nicht einmal mehr gereicht, um etwa die Gehälter der Mitarbeiter zu zahlen. Die Gläubigerbanken wollten hier aber nicht einspringen, heißt es.

Doch es gibt auch andere Stimmen aus dem Umfeld der Verhandlungen. So zitiert die F.A.Z. eine Person mit dem Satz: „Von uns hat keiner den Stecker gezogen. Die Gespräche waren bis zuletzt konstruktiv.“ Eigentlich hatten sich die Banken gerade erst darauf verständigt, wenigstens noch bis Freitag still zu halten und danach zu entscheiden.

Die größten Verluste verzeichnen laut F.A.Z. Commerzbank, LBBW, ABN Amro und ING. Diese hätten Wirecard jeweils 200 Millionen Euro an Kreditlinie zugesagt, die je nach Bank von Wirecard zu 90 bis 95 Prozent gezogen worden sein sollen. 80 Millionen Euro kamen von der DZ Bank und der Deutschen Bank, 175 Millionen Euro von der österreichischen Raiffeisenbankengruppe.

14.49 Uhr: Bafin hat Warnungen eines Whistleblowers erhalten

Einem Bloomberg-Bericht zufolge soll die Bafin schon vor mehr als einem Jahr Insiderinformationen zu Unregelmäßigkeiten bei Wirecard erhalten haben. Das gehe aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten hervor. Das erhöht den Druck auf Bafin-Chef Felix Hufeld, der bereits Fehler eingestanden hatte. Er muss am 1. Juli dem Finanzausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen.

10.31 Uhr: Wirecard stellt Insolvenzantrag

Jetzt ist es passiert: Wirecard hat Insolvenzantrag gestellt. Als Gründe nennt der Dax-Konzern drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Für Tochtergesellschaften werden weitere Insolvenzanträge geprüft.

Wird Wirecard den Bilanzskandal überleben?

24. Juni 2020

18.30 Uhr: Marsalek will sich wohl Justiz stellen

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge will sich Wirecards Ex-COO Jan Marsalek offenbar der Münchener Staatsanwaltschaft stellen. Sein Kalkül sei es, dafür im Gegenzug gegen Kaution und weitere Auflagen nicht in Untersuchungshaft zu müssen, schreibt die Zeitung weiter. So war es zumindest bei dem Ex-CEO Markus Braun abgelaufen.

Marsalek soll sich jetzt auf den Philippinen aufhalten. Auch die Philippinen selbst haben inzwischen Ermittlungen im Zuge des Bilanzskandals bei Wirecard eingeleitet und suchen Marsalek. Laut Justizminister Menardo Guevarra habe er die Einwanderungsbehörde angewiesen, die Möglichkeit zu prüfen, ob Marsalek im Land sein könnte.

13.55 Uhr: Banken halten noch ein paar Tage still

Wirecard hat noch Luft zum Atmen. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ erfahren hat, wollen die kreditgebenden Banken bei ihrer Entscheidung, ihre Wirecard-Kredite fällig zu stellen, noch einige Tage warten. Es geht um 1,75 Milliarden Euro. Die Zeit wollen sie nutzen, um sich ein besseres Bild von der langfristigen Überlebensfähigkeit des taumelnden Dax-Konzerns zu machen. Dabei sprechen sie auch mit zentralen Geschäftspartnern von Wirecard wie den Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard. Sollten diese Wirecard als Mittelsmann nicht mehr akzeptieren, wäre dies ein schwerer Schlag für die Geschäftsperspektiven des Zahlungsdienstleisters.

13.30 Uhr: Besteht Haftbefehl gegen Marsalek?

Nach Informationen des „Handelsblatt“ soll ein Haftbefehl gegen den früheren Wirecard-COO Jan Marsalek ausgestellt worden sein. Der österreichische Manager wurde zuletzt in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, vermutet. Dem Bericht zufolge taucht Marsalek in der Datenbank der philippinischen Einwanderungsbehörde letztmalig mit einer Reise Anfang März auf, es gebe nun aber „Indizien“, dass er kürzlich zurückgekehrt sein könnte. Aus Marsaleks Umfeld heißt es der Zeitung zufolge, er sei nicht auf der Flucht und stehe über einen Anwalt im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft kommentierte dies bisher nicht.

11.02 Uhr: Markus Braun kassiert Margin Call

Ex-Chef Markus Braun hat einen Großteil seiner Wirecard-Aktien verkauft – und das offenbar nicht ganz freiwillig. Auslöser war nach Medienberichten ein Margin Call der Deutschen Bank, die dem Manager 2017 einen Wertpapierkredit über 150 Millionen Euro gegeben hatte. Im Schnitt erzielte Braun immer noch einen Kurs von fast 30 Euro je Aktie. Mehr dazu lesen Sie hier.

08.51 Uhr: Befindet sich Ex-COO Marsalek in Asien?

Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ soll sich Jan Marsalek, der in der vergangenen Woche gefeuerte COO von Wirecard, nach Asien abgesetzt haben. Nach Informationen der Zeitung, die sich auf Unternehmenskreise beruft, soll sich Marsalek, die rechte Hand von Wirecard-Chef Markus Braun, in der philippinischen Hauptstadt Manila aufhalten. Dort befindet sich auch das Zentrum des Bilanzbetrugs, da es zwei philippinische Banken waren, bei denen die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro eigentlich hätten deponiert sein sollen. Marsalek war im Vorstand sowohl für das Asien- als auch für das Drittpartnergeschäft zuständig, für dessen Betrieb die Treuhandkonten hätten dienen sollen.

Es ist möglich, dass nach Marsalek bereits gefahndet wird. Auf die Frage, ob der Manager per Haftbefehl gesucht werde, sagte eine Sprecherin der Münchener Staatsanwaltschaft: „Das kann ich weder bestätigen noch dementieren.“ Nach Aussagen von Freunden Marsaleks soll er dort nach entlastendem Material suchen. Ex-Wirecard-Chef Braun hatte sich vorgestern der Polizei gestellt und wurde gestern nach einem Termin bei der Haftrichterin gegen Zahlung einer Kaution von 5 Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt.

23. Juni 2020

14.55 Uhr: Markus Braun kommt gegen Kaution frei

Der am Montagabend festgenommene Ex-Vorstandschef Markus Braun kommt gegen 5 Millionen Euro Kaution und weitere Auflagen frei. Das hat die zuständige Ermittlungsrichterin in München am Dienstagnachmittag entschieden. Braun muss sich nun jede Woche einmal bei der Polizei in München melden. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge kann Braun, der Österreicher ist und einen Wohnsitz in Wien hat, Deutschland verlassen. Er muss aber die wöchentliche Meldeauflage in München einhalten; ansonsten droht Untersuchungshaft.

13.10 Uhr: Weitere Wirecard-Manager im Visier

Neben Markus Braun rücken offenbar weitere ehemalige Manager von Wirecard ins Visier der Ermittler. Auch dem inzwischen entlassenen COO Jan Marsalek droht dem Online-Portal der Wochenzeitung "Zeit" zufolge die Untersuchungshaft. Eine Sprecherin der Münchener Staatsanwaltschaft, die in dem Fall ermittelt, wollte gegenüber der Nachrichtenagentur Dpa weder bestätigen noch dementieren, dass Marsalek ebenfalls per Haftbefehl gesucht werde.

10.00 Uhr: Ex-Wirecard-Chef Markus Braun in Haft

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Wirecard-Chef, Markus Braun, festgenommen. Der Manager stellte sich der Justiz, nach dem ein Haftbefehl erlassen worden war, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag mitteilte. Braun will nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit den Ermittlern koopieren. Ihm werden Marktmanipulation sowie "unrichtige Anagben" in Bilanzen vorgeworfen.

22. Juni 2020

16.49 Uhr: Wirecard kündigt COO Jan Marsalek außerordentlich

Wirecard hat Jan Marsalek mit sofortiger Wirkung als Vorstand abberufen. Überraschend kommt der Schritt nicht: Der Konzern hatte den COO bereits am 18. Juni bis zum Ende des Monats freigestellt, nun folgte die außerordentliche Kündigung. Eine Begründung liefert der Zahlungsdienstleister damals nicht. Auch in der nun erfolgten Mitteilung nannte der Konzern keine weiteren Hintergründe zur Abberufung.

15.30 Uhr: Bafin-Chef Hufeld spricht von „totalem Desaster“

Der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, sprach auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt von einem „totalen Desaster“ und räumte Fehler der Behörde ein. „Es ist eine Schande, das so etwas passiert ist“, zitiert ihn Reuters. So hätten private und öffentliche Institutionen, inklusive seiner eigenen Behörde, versagt. „Wir sind nicht effektiv genug gewesen, einen solchen Fall zu verhindern. Ich nehme die öffentliche Kritik voll und ganz an“, heißt es weiter laut Reuters.

14.30 Uhr: Bankbestätigungen waren wohl offensichtlich falsch

Laut Cezar Consing, dem Chef der Bank of the Philippine Islands (BPI), seien die angeblichen Bankbestätigungen für Treuhandkonten von Wirecard bei der philippinischen Bank wohl offensichtlich gefälscht gewesen.

„Als man uns das sogenannte Zertifikat gezeigt hat, war sehr klar, dass es falsch war“, sagte er gegenüber Reuters. Er habe am 15. Juni davon erfahren, als die Wirtschaftsprüfer von EY angefragt hätten, ob das Dokument echt sei, so Reuters weiter. Die Bank habe dann festgestellt, dass ein „sehr niedrigrangiger“ Manager das gefälschte Zertifikat unterzeichnet habe. Er sei entlassen worden.

13.00 Uhr: Moody’s setzt Rating aus

Nach einer Herabstufung auf Ramsch-Niveau hat Moody’s wenige Tage später nun das Rating für Wirecard komplett zurückgezogen. Es gebe Unregelmäßigkeiten in der Bilanz, die noch aufzuklären seien, heißt es. Die Agentur verfüge nicht mehr über ausreichende Informationen, um eine Bewertung über die Kreditwürdigkeit des Zahlungsabwicklers abzugeben.

02.48 Uhr: 1,9 Milliarden existieren wohl nicht

Wirecard lässt eine weitere Bombe platzen: Die 1,9 Milliarden Euro, die sich eigentlich auf Treuhandkonten in den Philippinen befinden sollten, bestehen „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht“, schreibt das Unternehmen.

„Der Vorstand geht außerdem davon aus, dass die bisherigen Beschreibungen des sogenannten Drittpartnergeschäfts (Third Party Aquiring) durch die Gesellschaft unzutreffend sind. Die Gesellschaft untersucht weiter, ob, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang dieses Geschäft tatsächlich zugunsten der Gesellschaft geführt wurde“, heißt es weiter.

Da die 1,9 Milliarden Euro auf der Aktivseite der Bilanz fehlen, nimmt Wirecard die vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2019 und das 1. Quartal 2020 zurück sowie weitere Prognosen. Auswirkungen auf Abschlüsse vergangener Geschäftsjahre könnten nicht ausgeschlossen werden.

Die Gespräche mit den Banken über die Fortführung von Kreditlinien dauernd derweil an. Darüber hinaus prüfe Wirecard weitere Maßnahmen, um eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten. 

19. Juni 2020

21.29 Uhr: Wirecard arbeitet mit Houlihan Lokey

Wirecard hat die Investmentbank Houlihan Lokey mandatiert. Houlihan Lokey werde nun gemeinsam mit Wirecard einen Plan zur „nachhaltigen Finanzierungsstrategie“ des Unternehmens entwickeln, heißt es seitens des Unternehmens.

Wirecard stehe derzeit in Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium, bekräftigt der Zahlungsdienstleister weiter.

17.30 Uhr: Spekulanten erhöhen Wetten auf Wirecard

Einem Reuters-Bericht zufolge haben Hedgefonds ihre Wetten auf fallende Wirecard-Kurse deutlich erhöht. Demnach liegen die Netto-Leeverkaufspositioneninzwischen bei fast 17 Prozent. Die größte Position hält mit 2,5 Prozent der Hedgefonds Coatue. Vor der Nachricht, dass EY die Bilanz nicht testiert, lagen die Netto-Leeverkaufspositionen insgesamt noch bei etwa 10 Prozent.

14.06 Uhr: Wirecard spricht mit Banken

Wirecard gibt bekannt, dass sich das Unternehmen „in konstruktiven Gesprächen mit seinen kreditgebenden Banken befindet hinsichtlich der Fortführung der Kreditlinien und der weiteren Geschäftsbeziehung“. Sollte Wirecard im Laufe des heutigen Tages keine testierte Bilanz vorlegen, könnten Kredite von bis zu 2 Milliarden Euro gekündigt werden.

12.48 Uhr: CEO Markus Braun tritt zurück

In einer knappen Mitteilung gibt Wirecard bekannt, dass CEO Markus Braun im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zurücktritt. James H. Freis wird zum Interims-CEO mit Einzelvertretungsberechtigung berufen.

Der Druck auf den langjährigen CEO war massiv angestiegen, nachdem die Banken BDO Unibank und die Bank of the Philippine Islands (BPI), bei denen 1,9 Milliarden auf Treuhandkonten liegen sollten, laut Bloomberg jede Geschäftsbeziehung mit Wirecard abstritten.

Zudem kündigten sich von immer mehr Seiten Klagen gegen Wirecard an. Sowohl die DWS als auch Union Investment haben angekündigt, die Einleitung rechtlicher Schritte gegen Wirecard zu prüfen. Auch Aktionärsvertreter werden gegen Wirecard aktiv.

18. Juni 2020

18.18 Uhr: Vorstand Jan Marsalek geht

Vorstandsmitglied Jan Marsalek wird mit sofortiger Wirkung widerruflich bis zum 30. Juni 2020 von seiner Tätigkeit als Vorstand freigestellt. Eine Begründung liefert der Zahlungsdienstleister nicht.

Zudem wird James H. Freis mit sofortiger Wirkung zum Compliance-Vorstand bestellt. Der 49-Jährige sollte den Posten ursprünglich erst zum 1. Juli übernehmen. Er wird das neugeschaffene Ressort „Integrity, Legal and Compliance“ verantworten.

11.08 Uhr: Wirecard spricht von „betrügerischen Vorgängen“

Wirecard präzisiert die Ursache dafür, dass EY noch weitere Prüfungen vornehmen muss, um ein Testat auszustellen. „Der Grund liegt in aktuellen Mitteilungen der beiden die Treuhandkonten seit 2019 führenden Banken, wonach die betreffenden Kontonummern nicht zugeordnet werden konnten. Der verantwortliche Treuhänder steht in kontinuierlichem Kontakt mit den Banken und der Wirecard AG“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Bei den die Treuhandkonten führenden Banken handele es sich um zwei asiatische Banken, die über Investmentgrade-Ratings verfügen. Der seit 2019 amtierende Treuhänder nehme in Asien zahlreiche Mandate wahr.

„Wir stehen im Austausch mit dem vor Ort anwesenden Treuhänder“, so CEO Markus Braun. „Ob betrügerische Vorgänge zum Nachteil der Wirecard AG vorliegen, ist derzeit unklar. Die Wirecard AG wird Anzeige gegen unbekannt erstatten", heißt es weiter.

10.43 Uhr: Wirecard verschiebt Jahresabschluss 2019

Schlechte Nachrichten für Wirecard-Aktionäre: Der Zahlungsdienstleister verschiebt nun schon zum vierten Mal die Vorlage der Geschäftszahlen 2019. Der Grund: EY kann noch kein Testat erteilen, weil der Wirtschaftsprüfer keine „ausreichenden Prüfungsnachweise“ für Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro erlangen konnte.

„Es bestehen Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder beziehungsweise aus dem Bereich der Banken, welche die Treuhandkonten führen, unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden, damit dieser ein unrichtiges Vorstellungsbild über das Vorhandensein der Bankguthaben beziehungsweise die Führung von Bankkonten zugunsten der Wirecard-Gesellschaften erhalte“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Sollte der testierte Abschluss bis zum 19. Juni nicht vorliegen, könnten Wirecard Kredite in Höhe von bis zu 2 Milliarden Euro gekündigt werden. Die Aktionäre sind entsetzt, der Aktienkurs rutscht zeitweise um 66 Prozent auf knapp 35 Euro in den Keller.

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