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06.11.17
Wirtschaft

Brexit: Investoren harren aus

Die Brexit-Verhandlungen laufen schleppend. Noch reagieren institutionelle Investoren zurückhaltend, doch die Stimmung wird langsam schlechter.

Sie wollen nichts überstürzen. Die Mehrheit der institutionellen Investoren reagiert noch nicht auf die schwergängig laufenden Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Das zeigt das aktuelle Brexometer, das vierteljährlich vom Finanzdienstleister State Street herausgegeben wird. 60 Prozent der weltweit befragten 100 institutionellen Investoren planen derzeit keine Veränderungen bei ihren Anlagen in Großbritannien. Lediglich 18 Prozent wollen Gelder abziehen, 10 Prozent sogar aufstocken.

Die Zahlen sprechen dafür, dass die Mehrheit der Investoren noch nicht davon überzeugt ist, dass es einen harten Brexit geben wird. An den starken Auswirkungen des Austritts auf die Branche hat aber keiner mehr Zweifel: 82 Prozent der Institutionellen gehen davon aus, dass der Brexit ihr Geschäftsmodell verändern wird. Ein Fünftel rechnet sogar mit deutlichen Auswirkungen.

Nach Brexit größere Probleme beim Reporting

Die größten Schwierigkeiten erwarten die institutionellen Anleger bei den Meldepflichten, die durch Regluarien wie Solvency II oder die europäische AIFM-Richtlinie für Alternative Investment Funds Managers entstehen. Die Investoren rechnen damit, dass diese Bereiche nach dem Brexit stärker in den Fokus rücken müssen.

Bislang können Investoren – wie auch die Unternehmenswelt – sich kaum auf die konkreten Auswirkungen des Brexits vorbereiten. „Trotz der großen Schlagzeilen werden die Brexit-Verhandlungen nur einen begrenzten Einfluss auf die Märkte bis 2018 haben, wenn die Konturen der Übergangsvereinbarung und der finalen Einigung klarer werden“, kommentiert Bill Street, Head of Investments für den EMEA-Raum bei State Street. Ohne zu wissen, wie das Verhältnis Großbritanniens zum Binnenmarkt der EU künftig aussehen wird, können die Investoren kaum reagieren.

Ein Grund dafür, warum Investoren immer noch moderat auf die möglichen Auswirkungen des Brexits reagieren, liegt auch an der Entwicklung der britischen Wirtschaft. Laut Bill Street ist diese widerstandsfähiger als erwartet. Aber die Wertentwicklung des Pfunds ist volatil, und die Schwäche der Währung heizt in Großbritannien bereits die Inflation an.

Kursentwicklung Pfund/Euro seit Juni 2016

Vertrauen in globales Wirtschaftswachstum sinkt

Mit der ersten Zinserhöhung seit zehn Jahren will die Bank of England nun der ansteigenden Inflation entgegenwirken – statt der angepeilten Teuerungsrate von 2 Prozent liegt sie in Großbritannien derzeit bei rund 3 Prozent. Eines hat die Bank of England im Rahmen ihrer Zinsentscheidung allerdings deutlich gemacht: Vor den Auswirkungen des Brexits und dem daraus resultierenden langsameren Wirtschaftswachstum in Großbritannien kann die Geldpolitik nicht schützen.

Welche Auswirkungen der Brexit über den britischen Markt hinaus haben wird, ist ebenfalls noch unklar: Unter den institutionellen Investoren sinkt jedenfalls insgesamt das Vertrauen in das weitere globale Wirtschaftswachstum. 40 Prozent der Befragten rechnen laut dem Brexometer in den kommenden Jahren mit einer positiven Entwicklung. Das sind 7 Prozent weniger als im ersten Quartal.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Der Austritt Großbritanniens aus der EU bringt auch für CFOs viele Herausforderungen mit sich. Unsere Themenseite zum Brexit hält Sie auf dem Laufenden.