Die Mehrheit der befragten CFOs sieht den Brexit negativ. Eine konkrete Einschätzung zu Folgen für das eigene Unternehmen trauen sich viele aber noch nicht zu.

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16.11.16
Wirtschaft

CFOs bewerten Brexit-Votum negativ

Die Mehrheit der deutschen Finanzchefs kann dem geplanten EU-Austritt der Briten nichts Positives abgewinnen. Im Arbeitsalltag befassen sich die CFOs stark mit internen Umbauprozessen – die Digitalisierung spielt dabei als Treiber allerdings noch keine große Rolle.

Die deutschen CFOs bewegen sich derzeit in einer stürmischen außenpolitischen Großwetterlage. Seit Ende Juni steht fest, dass die Mehrheit der Briten für einen Austritt ihres Landes aus der EU ist – und in den Finanzabteilungen hätten sich viele ein anderes Ergebnis gewünscht. Das ergibt das jüngste FINANCE CFO Panel, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth & Partners Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer aktuellen Markteinschätzung befragt hat.

Die Stimmungslage beim Thema Brexit ist eindeutig: Mehr als 80 Prozent der CFOs bewerten das Votum für den Austritt negativ. Nur knapp 2 Prozent der Befragten können der Entscheidung etwas Positives abgewinnen, der Rest sieht den Schritt neutral.

Noch sind die Detailfragen zum Brexit sowie der Zeitplan weitgehend offen. Das macht es für die Finanzchefs schwierig, die möglichen Folgen dieses Schrittes abzuschätzen. Fast jeder vierte Befragte traut sich noch keine Bewertung darüber zu, wie ein vollzogener EU-Austritt der Briten sich auf das eigene Unternehmen auswirken wird. Rund der Hälfte der Finanzverantwortlichen bereitet der Brexit keine schlaflosen Nächte: Sie gehen davon aus, dass dieser nahezu keine Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben dürfte. 

Operativer Umbau prägt Arbeitsalltag der CFOs

In ihrem Arbeitsalltag befassen sich die CFOs ohnehin stärker mit internen Themen. Besonders intensiv arbeiten sie am operativen Umbau ihres Unternehmens. Dieser zählt für mehr als 40 Prozent der Teilnehmer des FINANCE CFO Panels derzeit zu den drei wichtigsten Themen im Tagesgeschäft. Nahezu ebenso viele Finanzchefs befassen sich mit Arbeiten an der Finanzstruktur sowie mit M&A-Themen.

Zwar priorisieren CFOs den operativen Umbau ihrer Unternehmen, die Digitalisierung von Prozessen in der Finanzabteilung zählt dagegen für nicht einmal jeden zehnten Befragten zu den Top-3-Prioritäten. Die Treiber sind derzeit noch andere: „Oft sind standardisierte Prozesse das Ziel“, beobachtet Kai Grönke, Partner bei Horváth & Partners. „Der Wunsch nach harmonisierten Geschäftsprozessen mit einheitlichen KPIs ist im Moment noch die Hauptmotivation für einen internen Umbau. Ich bin mir aber sicher, dass die Digitalisierung künftig Anlass zu weiteren Umbauten geben wird“, sagt Grönke.

Denn auch eine fortschreitende Digitalisierung in anderen Unternehmensbereichen kann dazu führen, dass der CFO-Bereich sich anpassen muss: „Wenn sich beispielsweise durch Industrie 4.0 die Wertschöpfungsprozesse verändern, dann bedeutet dies auch veränderte Anforderungen an die Unternehmenssteuerung und veränderte KPIs“, sagt Achim Wenning, Spezialist für Finance Excellence bei Horváth & Partners. Er geht davon aus, dass CFOs in den kommenden Jahren in ihr Steuerungskonzept investieren müssen, um es an die neuen Geschäftsmodelle anzupassen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Eine ausführliche Auswertung des FINANCE CFO Panels können Sie im Bereich FINANCE-Research kostenlos herunterladen. Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.