Durch den Brexit fürchtet fast jeder zweite CFO leichte negative Folgen für das Geschäft. Im Arbeitsalltag rücken Digitalisierungsthemen auf der Agenda vor.

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11.05.17
Wirtschaft

CFOs fürchten Nachteile durch den Brexit

Die Pläne der britischen Regierung für den Brexit werden immer konkreter – und mit ihnen auch die Einschätzungen der CFOs zu diesem Thema. Die Zahl der Finanzchefs, die Nachteile für ihr Unternehmen fürchten, steigt.

Die Weichen für einen harten Brexit sind gestellt: Juristen befassen sich mit den Folgen des Brexits für gängige Verträge, in den Banken laufen Prüfungen für neue Euro-Zentralen. Und auch die Finanzchefs in den Unternehmen sehen inzwischen immer klarer, wie sich ein Austritt der Briten aus der EU auf ihr Umfeld auswirken wird. Das zeigt die jüngste Befragung des FINANCE CFO Panels, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth & Partners Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer aktuellen Markteinschätzung befragt hat.

Bereits bei der vorangegangenen Befragung im Herbst bewertete die Mehrzahl der CFOs das Brexit-Votum negativ. Bei den Auswirkungen auf das eigene Unternehmen herrschte allerdings noch Unsicherheit: Gaben damals noch mehr als 20 Prozent der Teilnehmer an, die Folgen des Brexits noch nicht abschätzen zu können, waren es bei der jüngsten Befragung Ende März nur noch 6 Prozent. Inzwischen glauben außerdem 45 Prozent der CFOs, dass der Brexit leicht negative Auswirkungen auf das Geschäft ihres Unternehmens haben dürfte – das sind etwa doppelt so viele wie im Herbst (22 Prozent). Nur noch 44 Prozent der Befragten glauben, dass der EU-Austritt der Briten keine Folgen für ihr Unternehmen hätte (Herbst: 50 Prozent). 

Digitalisierung wird im Arbeitsalltag wichtiger

Der Brexit ist nicht das einzige Thema, das die CFOs momentan umtreibt. Auch die Digitalisierung ist oben auf der Agenda, mit ihr befassen sich die CFOs inzwischen deutlich intensiver als im Herbst. Der Anteil der Finanzchefs, die die Digitalisierung von Prozessen in der Finanzabteilung zu ihren drei Top-Prioritäten im Arbeitsalltag zählen, ist auf 12,5 Prozent gestiegen (Herbst 2016: 9 Prozent).

Der Anteil der CFOs, die die Digitalisierung des Geschäftsmodells zu ihren drei wichtigsten Tätigkeitsbereichen zählen, hat sich deutlich von 13 auf 24 Prozent erhöht. „Ich denke, dass sich die Tendenz verstärken wird, auch wenn die klassischen Optimierungsmaßnahmen auf der CFO-Agenda derzeit noch über den Digitalisierungsthemen stehen“, sagt Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance bei  Horváth & Partners.

Viele CFOs haben derzeit allerdings mit den verschiedenen Technologien, durch die sich Prozesse in der Finanzabteilung neu aufzusetzen lassen, nur wenige Erfahrungen gesammelt. Am weitesten verbreitet ist die Cloud-Technologie: 50 Prozent der Befragten nutzen diese nach eigenen Angaben bereits im Unternehmen. Weitere 32,5 Prozent haben die Einführung geplant. Das könnte in Zukunft auch für Big-Data- sowie für Predictive-Analytics-Projekte gelten. Sie sind zwar derzeit erst bei 19 Prozent der Befragten im Einsatz, weitere 39 Prozent arbeiten allerdings an der Einführung in ihrem Unternehmen.

CFOs sind bei Robotics und künstlicher Intelligenz skeptisch

Skeptischer sind die CFOs noch hinsichtlich Robotics und künstlicher Intelligenz: Zwei Drittel der Befragten nutzen Robotics nicht und planen auch nicht, damit zu beginnen. Lediglich 5 Prozent der CFOs arbeiten mit Robotics, weitere 21 Prozent planen die Einführung. Ähnlich sehen die Werte für den Einsatz künstlicher Intelligenz aus. Bei der Blockchain gaben drei Viertel der Befragten an, keine Einführung der Technologie zu planen.

Dies dürfte sich erst ändern, wenn es mehr konkrete Angebote für die Nutzung in der Finanzabteilung gibt. Verschiedene Finanzinstitute und Technologieunternehmen arbeiten derzeit daran. „Themen wie Robotics, Artificial Intelligence oder auch Blockchain sind für die meisten CFOs als technische Möglichkeiten noch sehr neu. Wo genau sie sich einsetzen lassen, ist vielen CFOs noch nicht so stark präsent“, sagt Achim Wenning, Leiter des Business Segments „CFO Strategy & Transformation“ bei Horváth & Partners. Seiner Einschätzung nach brauchen die Finanzchefs mehr Handlungsempfehlungen, wie sich die komplexen Technologien konkret einsetzen lassen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Eine ausführliche Auswertung des FINANCE CFO Panels können Sie im Bereich FINANCE-Research kostenlos herunterladen. Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.