Oddo-Seydler-Bank-Vorstandschef Christophe Tadié berichtet von seinen Erfahrungen mit Corporate Access in Coronazeiten.

Oddo Seydler Bank

20.01.21
Wirtschaft

Corporate Access in Corona: „Online kriegen CFOs keine zweite Chance“

Wie funktioniert Corporate Access, wenn physische Treffen nicht möglich sind? Oddo BHF hat erste Erfahrungen gesammelt. Das sind die Tipps und Learnings für CFOs und Investoren.

Kontaktbeschränkungen, Reiseverbote & Co.: Corona erschwert nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch das Knüpfen wichtiger beruflicher Kontakte. CFOs und ihre Investoren können ein Lied davon singen, dabei sind Investorengespräche und Liquiditätssicherung gerade jetzt so wichtig wie nie.

Wie funktioniert Corporate Access in Zeiten von Corona? Erste Erfahrungen hat jetzt Christophe Tadié, Managing Partner der Oddo BHF Gruppe , gesammelt. Wegen der Corona-Pandemie musste das jährliche „Oddo BHF Forum“ in diesem Jahr vom zum ersten Mal digital stattfinden. Das Event wird jährlich von der Bank ausgerichtet, um den Austausch von potentiellen Investoren und Corporate-Kunden der Bank zu fördern.

Auf Seiten der Bank war der Aufwand zwar sehr hoch: „Das war eine ganz neue Erfahrung für uns und hat enorm viel Vorbereitungszeit in Anspruch genommen, viel mehr als die physische Veranstaltung“, so Tadié, der im Juli 2020 die Position von René Parmantier übernommen hat und vorher unter anderem als CFO der Bank arbeitete. Doch für CFOs und Investoren hat ein virtuelles Corporate Access einige Vorteile.

Online-Corporate-Access lockt mehr Investoren an

Tatsächlich war die Anzahl der Investoren mit 1.100 doppelt so hoch wie im Vorjahr. „Wäre die Roadshow nicht digital gewesen, wären nicht so viele gekommen“, ist Tadié sicher. Denn gerade für Investoren aus den USA ist der lange Reiseweg oft eine große Hürde. „Es waren dreimal so viele Investoren aus Großbritannien und den USA da. Das sind die, die oft nicht so häufig persönlich vertreten sind, gleichzeitig aber die größten Summen platzieren – also für CFOs eine der wichtigsten Investorengruppen.“ Auch auf Unternehmensseite konnte die Bank mehr Teilnehmer zählen. Insgesamt besuchten 310 Unternehmensvertreter die Veranstaltung, 2020 waren es 250.

Neben einem Online-Rahmenprogramm mit Diskussionen zu finanzwirtschaftlichen Themen gab es auch eine Plattform, auf der sich die Teilnehmer in kleinen und großen Gruppen austauschen konnten. Denn die Anzahl der Teilnehmer alleine reicht nicht aus. Vor allem müssen sie sich untereinander vernetzen, was digital eine Herausforderung sein kann. Kleine informelle Meetings – wie sie sonst auch physisch stattfinden – sind essentiell, denn dabei werden die Deals besprochen. „Das passiert meist eher spontan, im Gegensatz zu einer Roadshow, bei der Unternehmen gezielt zu einer viel kleineren Menge an Investoren fahren“, so Christophe Tadié.

Tadié: Kleine informelle Onlinemeetings sind wichtig

Diese Spontanität ist virtuell schwer umzusetzen, dennoch hat sich die Bank ein System für solche Gespräche überlegt. Sie hat Online-Meetings veranstaltet, für die sich die Teilnehmer vorher oder auch noch während der Veranstaltung anmelden mussten. Insgesamt wurden 10.000 Termine vergeben, im Vorjahr waren es 6.400. Diese Meetings konnten von einer ganz unterschiedlichen Personenanzahl besucht werden, so konnten Gespräche zwischen zwei bis 80 Personen gebucht werden. Am meisten fanden die Gespräche in Fünfergruppen statt, wobei zwei bis drei Investoren teilgenommen haben, so die Erfahrung der Bank.

Bei bestehenden Investoren klappt das virtuelle Gespräch für Beziehungspflege gut. Doch bei neuen Investoren sei die Lage schwieriger, da diese erst Vertrauen aufbauen müssen. Dieses Problem habe man durch eine größere Anzahl von Terminen adressieren können, berichtet Tadié. Wegen der höheren Besucherzahl seien letztlich dennoch mehr Deals als im Vorjahr während der Veranstaltung geschlossen wurden, schätzt der Banker.

Einheitliche Plattform für CFOs und Investoren

Damit so etwas gut funktioniert, braucht es aber die entsprechende Technik. Anders als bei der virtuellen Roadshow, wo häufig für jeden Investor eine andere Technologieplattform genutzt wird, kommt es hier auf eine einheitliche standardisierte Plattform an, die alle Besucher benutzen können. Dazu nutzte Oddo BHF die Plattform von Group Elephant.

Doch damit ist der Technologiepunkt nicht abgehakt. „Wir haben vorher alle Teilnehmer geschult, wie die Plattform funktioniert“, berichtet Tadié. Dieser Schritt sei enorm wichtig für CFOs, damit sie bei den Investoren einen guten Eindruck hinterlassen. CFOs sollten die Plattform einwandfrei beherrschen – das ist ein zusätzlicher Vorbereitungsaufwand im Vergleich zu einem physischen Meeting. „Technische Probleme oder Unbeholfenheit sind bei solchen Terminen peinlich. Das ist nicht wie ein persönliches Gespräch, wo man mit seiner persönlichen Art überzeugen kann – online kriegen CFOs keine zweite Chance“, warnt Tadié.

Und es gibt noch mehr Fettnäpfchen. „Wenn CFOs zu spät kommen, kommt das online viel schlechter rüber als persönlich, wo man die Situation dann mal mit einem kleinen Witz auflockern kann“, sagt der Banker. Viele CFOs beherrschen aber die Art und Weise, wie man Onlinegespräche führt, inzwischen gut – immerhin finden seit bald einem Jahr fast alle Meetings auf diese Weise statt.

„Technische Probleme oder Unbeholfenheit sind bei solchen Terminen peinlich.“

Christophe Tadié, Managing Partner der Oddo BHF Gruppe

Wie werden Corporate-Access-Events künftig stattfinden?

Für die Zukunft kann sich der Vorstandschef durchaus ein hybrides Modell vorstellen. „Die Zahlen sprechen für sich. Gerade wenn Investoren außerhalb Europas, sowie die aus den USA, virtuell zugeschaltet werden und Gespräche in kleineren Gruppen führen können, ist das ein Plus. Der Rest der Veranstaltung kann physisch stattfinden.“

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de