Intensiviert Daimler sein China-Engagement? Medienberichten zufolge laufen Gespräche über eine Erhöhung seiner Anteile an seinem Joint Venture mit BAIC.

Daimler AG

05.12.18
Wirtschaft

Daimler will offenbar Kontrolle über China-Joint-Venture

Daimler plant Medienberichten zufolge die Mehrheit an seinem Joint Venture mit dem chinesischen Staatskonzern BAIC zu übernehmen. Damit würden die Schwaben dem Vorstoß von BMW folgen.

Der Autohersteller Daimler erwägt offenbar, die Mehrheit an seinem chinesischen Joint Venture Beijing Benz Automotive (BBAC) zu übernehmen. Die Stuttgarter befänden sich mit ihrem chinesischen Partner Beijing Automotive Industry (BAIC) in Gesprächen darüber, ihren bisherigen 49-Prozent-Anteil auf 65 Prozent aufzustocken. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter der Berufung auf Personen, die mit den Gesprächen vertraut sein sollen.

Daimler beabsichtige seinen Einfluss im weltweit größten Absatzmarkt für Autos zu verstärken, so die Agentur weiter. Die Schwaben produzieren seit 2005 gemeinsam mit BAIC, dem fünftgrößten Automobilhersteller der Volksrepublik. Gleichzeitig ist das Joint Venture auch Heimat des größten Forschungszentrums aller Daimler JVs weltweit. Erst im Sommer kündigten Daimler und BAIC an, gemeinsam 650 Millionen Euro in die Produktion von Elektroautos zu investieren.

Daimler folgt dem Vorstoß BMWs

Daimler erklärte, man wolle sich zu Spekulationen nicht äußern. Man sei mit der bestehenden Partnerschaft zufrieden. Allerdings würde die Übernahme der Mehrheit an dem Joint Venture durchaus Sinn machen: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete BBAC einen Umsatz von 18,5 Milliarden Euro bei einem Ergebnis von 1,75 Milliarden Euro. Allerdings hat Daimler derzeit nur begrenzten Zugriff auf die Gewinne des Joint Ventures.

Bislang dürfen ausländische Autobauer nicht mehr als 50 Prozent an Gemeinschaftsunternehmen halten, sie müssen mit einem lokalen Partner zusammenarbeiten. Im April diesen Jahres kündigte die chinesische Regierung allerdings an, diese Joint Venture-Pflicht schrittweise zu lockern. Ab 2022 dürfen die ausländische Autohersteller die Mehrheit halten.

Vor Kurzem erst kündigte BMW als erstes Unternehmen an von der Regelung Gebrauch zu machen. Die Münchener wollen ihre Anteile am Joint Venture BMW Brilliance Automotive ab 2022 auf 75 Prozent erhöhen. Dafür wird BMW-CFO Nicolas Peter 3,6 Milliarden Euro an den chinesischen Partner CBA überweisen.

FINANCE-Köpfe

Nicolas Peter, BMW Group

Nicolas Peter ist ein BMW-Eigengewächs. Er beginnt seine Karriere 1991 in der Absatzfinanzierung und sammelt im Konzern auch internationale Erfahrung.

1999 steigt er zum Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung bei der BMW France auf. 2002 wechselt der studierte Jurist zu BMW nach Schweden, wo er die Vertriebsorganisation leitet. Im Oktober 2011 übernimmt Peter die Leitung für die Vertriebsregion Europa. Finanzvorstand der BMW Group wird Nicolas Peter im Januar 2017.

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Wie reagiert Daimler-Großaktionär Li Shufu?

Für Daimler ist die Situation allerdings etwas delikater als für den Konkurrenten BMW. Denn der Daimler-Großaktionär, der Milliardär Li Shufu, ist gleichzeitig Eigentümer von Geely, dem größten chinesischen Autokonzern in Privatbesitz und Konkurrent von BAIC. Die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen, dürfte Daimler einiges an Diplomatie abverlangen.

Li Shufu, der 9,7-Prozent an Daimler hält, verkündete Anfang des Jahres, dass er die Stuttgarter „auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität begleiten“ will. Gleichzeitig ist er Besitzer des chinesischen Mobilitätsdienstes Cao Cao mit zehn Millionen Kunden.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de