Das Italien-Risiko der deutschen Banken

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24.10.18
Wirtschaft

Das Italien-Risiko der deutschen Banken

Die Haushaltskrise in Italien könnte für deutsche Banken zum Problem werden – allen voran für die Deutsche Pfandbriefbank.

Italien streitet mit der EU über den Haushalt und die Neuverschuldung. Die drohende Schuldenkrise treibt die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen nach oben. Am gestrigen Dienstag zog die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe nach einer leichten Erholung am Vortrag wieder auf über 3,5 Prozent an. Der Spread zu zehnjährigen Bundesanleihen beträgt über 300 Basispunkte. Als kritische Marke gilt eine Rendite von 4 Prozent. Ab dort könnte Italien eine Staatsschuldenkrise drohen, glauben Beobachter.

Deutsche Banken besorgt diese Entwicklung, haben sie doch beträchtliche Italien-Risiken in ihren Büchern. Das größte Italien-Risiko trägt – gemessen am Eigenkapital – die Deutsche Pfandbriefbank. Das Bankhaus Metzler beziffert das sogenannte „Sovereign Risk“ – also die Höhe der Investments in Italo-Anleihen – per Ende Juni auf 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht rund 72 Prozent des Eigenkapitals, das laut Metzler bei 2,9 Milliarden Euro liegt. Der Bund hat im Frühjahr seinen Anteil an der Bank bis auf einen kleinen Restbestand verkauft. Neu als Aktionär eingestiegen ist die RAG-Stiftung mit knapp 5 Prozent.

Deutsche Bank hat Milliardenkredite im Feuer

Bei dem Immobilienfinanzierer Areal Bank summieren sich die Italien-Risiken auf 40 Prozent des Eigenkapitals. Rund 1 Milliarde Euro an Italien-Risiken stehen Metzler zufolge 2,5 Milliarden Euro an Eigenkapital gegenüber. 

Deutlich besser sieht diese Quote bei Commerzbank und Deutsche Bank aus, was hauptsächlich deren Größe geschuldet ist. Absolut betrachtet ist das Italien-Risiko der Commerzbank mit 8,5 Milliarden Euro zwar erheblich größer als das der Deutschen Pfandbriefbank und der Aareal Bank zusammen. Mit 28 Milliarden Euro steht diesem Betrag jedoch deutlich mehr Eigenkapital gegenüber. 

Bei der Deutschen Bank sieht diese Quote sogar noch etwas freundlicher aus. Mit 1,8 Milliarden Euro macht das Italien-Risiko nach Absicherungsgeschäften nur rund 2,2 Prozent der 62,7 Milliarden Euro Eigenkapital aus. Relativ zu ihrer Größe ist die Deutsche Pfandbriefbank deshalb wesentlich stärker in italienischen Staatsanleihen engagiert als die beiden Großbanken.

Für die Deutsche Bank liegt das weitaus größere Risiko im Kreditbuch, glaubt Metzler. Die Bank schreibt in diesem Zusammenhang von Unternehmenskrediten mit einer Netto-Größenordnung von 7,9 Milliarden Euro. Hinzu kämen weitere 8 Milliarden Euro aus dem Privatkundengeschäft.

Moody’s stuft Italien-Rating herab

Die seit Juni amtierende Regierung aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega ist sich mit der Europäischen Union uneins darüber, wie die Neuverschuldung von Italien ausfallen soll. Der Haushaltsentwurf der Italiener sieht vor, dass die Neuverschuldung auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigt. Die vorherige Regierung hatte noch 0,8 Prozent zugesichert.

Die EU hat gestern Nachmittag in einem historisch einmaligen Vorgang die Haushaltspläne Italiens für das kommende Jahr abgelehnt, da die Budgetpläne mit dem EU-Stabilitätspakt nicht im Einklang stünden. Der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa unnachgiebig: „Es ändert sich nichts. Die Herren der Spekulation mögen abtreten, es gibt keinen Weg zurück.“

In Italien zeichnet sich damit ein massiver Konflikt mit der EU ab. Die Ratingagentur Moody’s hatte das Kreditrating Italiens vor wenigen Tagen bereits um eine Stufe von Baa2 auf Baa3 herabgestuft. Das Rating liegt damit nur noch eine Stufe oberhalb des Ramschstatus.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de