Der  Renminbi wird zur weltweiten Handelswährung

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24.10.12
Wirtschaft

Der Renminbi wird zur weltweiten Handelswährung

Der Renminbi etabliert sich zunehmend als weltweite Handels- und Anlagewährung. Bis 2015 sollen Geschäfte im Wert von rund 2 Billionen US-Dollar und damit über die Hälfte des gesamten chinesischen Handelsvolumens in Renminbi abgerechnet werden. Auch europäische Unternehmen können von dieser Entwicklung profitieren.

Chinesische Unternehmen sehen die heimische Währung Renminbi in Zukunft als weltweit wichtigste Handels- und Anlagewährung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der HSBC, bei der 692 Unternehmen aus Festlandchina befragt wurden. Den Prognosen zufolge werden bis 2015 Geschäfte im Wert von rund 2 Billionen US-Dollar und damit mehr als die Hälfte des gesamten chinesischen Handelsvolumens in Renminbi abgerechnet. Darüber hinaus plant jedes dritte chinesische Unternehmen, die lokale Währung verstärkt auch für Anlagezwecke zu nutzen.

Vorteile für europäische CFOs bei Fakturierung in Renminbi

„Da die chinesischen Behörden die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Öffnung und Internationalisierung des Renminbi weiter ausbauen, wird der Einsatz des Renminbi im internationalen Handel weiter zunehmen“, sagt Noel Quinn, Regional Head of Commercial Banking Asia Pacific bei der HSBC. „Wir beobachten eine erhöhte Nachfrage, den Renminbi als Transaktionswährung zu verwenden.“ Internationale Unternehmen, die vom chinesischen Wachstum profitieren möchten, sollten ebenfalls die Vorteile des Renminbis prüfen, rät Quinn.

Auch für europäische Unternehmen wird das Reich der Mitte immer wichtiger als Absatzmarkt. Sie können in ihrem Chinageschäft sogar davon profitieren, wenn sie ihre Handelsgeschäfte in Renminbi abwickeln. Sie können beispielsweise Preisnachlässe bei Geschäften mit chinesischen Geschäftspartnern erhalten. Die Hälfte aller chinesischen Unternehmen gab demnach an, dass sie durchaus bereit seien, bessere Konditionen für Renminbi-Geschäfte einzuräumen als für vergleichbare Transaktionen etwa in US-Dollar oder Euro. 41 Prozent der Unternehmen räumen demnach Preisnachlässe von 3 Prozent und mehr ein.

Darüber hinaus können die europäischen Firmen auch die Wechselkursproblematik bei ihren chinesischen Tochtergesellschaften reduzieren und das Devisenmanagement in ein zentrales Konzerntreasury einbinden. Die Margen können im Reich der Mitte deutlich über denen in Deutschland liegen, wenn die chinesischen Gesellschaften das Devisenmanagement lokal betreut.

„Die Internationalisierung des Renminbi ist ein natürlicher Prozess“

Die chinesischen Unternehmen sind sich der Vorteile für ihre ausländischen Vertragspartner bei der Abwicklung der Handelsgeschäfte in Renminbi bewusst. Lediglich 15 Prozent gaben in der HSBC-Umfrage an, dass ihre Vertragspartner nur unzureichend von ihrer jeweiligen Auslandsbank bei Renminbi-Geschäften unterstützt würden. Auch die Währung ist demnach nun deutlich besser verfügbar. Nur 14 Prozent der Befragten stellten fest, dass ihre ausländischen Vertragspartner derzeit keinen Zugang zum Renminbi haben oder erhaltene Renminbi-Zahlungen nicht nutzen können.

„Es ist ermutigend zu sehen, dass der Renminbi von Unternehmen zunehmend als Handels- und Anlagewährung gewählt wird“, sagt Montgomery Ho, Head of Commercial Banking, HSBC China. „Die Unternehmen aus Festlandchina stellen sich auf eine erhöhte Wechselkursflexibilität ein und profitieren von deutlich einfacheren Renminbi-Geschäften.“ Die Internationalisierung des Renminbi sei ein natürlicher Prozess, der vom chinesischen Wirtschaftswachstum und der Handelsentwicklung vorangetrieben werde. „Wir sind davon überzeugt, dass die chinesische Währung bis 2015 zu einer der wichtigsten Handelswährungen aufsteigen wird“, sagt Ho.

Zahlungsverkehr in und mit China

Seit Juni 2010 ist es manchen chinesischen Banken und Unternehmen in Festlandchina erlaubt, im grenzüberschreitenden Handel mit Waren und Dienstleistungen den Renminbi als Zahlungsmittel zu verwenden. Geschäfte mit diesen Unternehmen können also in der lokalen Währung abgewickelt werden. Unternehmen haben inzwischen bei verschiedenen Banken die Möglichkeit, Renminbi-Konten in Deutschland zu eröffnen. Damit können die Firmen, ihre Handelsgeschäfte von Deutschland aus direkt in der chinesischen Landeswährung abwickeln. Die UniCredit bietet das ihren Unternehmenskunden beispielsweise seit Herbst 2011 an, die HSBC ermöglicht es ihren Firmenkunden schon seit Herbst 2010.

Doch für europäische Unternehmen sind das Cashmanagement und der Zahlungsverkehr in und mit China nach wie vor nicht einfach. Das Land öffnet sich jedoch auch in diesem Bereich zunehmend. Seit diesem Sommer beteiligt sich die Deutsche Bank beispielsweise an einem Pilotprojekt zur Vereinfachung von internationalen Überweisungen nach China und aus China heraus. Die vereinfachten Regeln gelten jedoch nicht für jeden.

Asiatische Banken wollen Marktanteile in der Handelsfinanzierung gewinnen

Im Global Transaction Banking (GTB) sind Citigroup, J.P. Morgan, Deutsche Bank, HSBC und Standard Chartered sehr bekannte Namen. Deutschlands größtes Geldhaus will in diesem Unternehmensbereich eigenen Angaben zufolge weitere Marktanteile in allen Kundensegmenten, Produktbereichen und regionalen Märkten hinzugewinnen. Im Gegensatz zum Investment Banking bindet GTB weniger Kapital und ist weniger riskant, was es für Banken immer attraktiver macht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass asiatische Banken hart daran arbeiten, in der Handelsfinanzierung Marktanteile von ihren europäischen Wettbewerbern zu übernehmen. Kah Chye Tan, Global Head of Trade Finance and Working Capital, sagte Mitte Oktober 2012, „große asiatische Banken füllen das Loch“ in der Handelsfinanzierung, das die mit dem Schuldenabbau beschäftigten Bank hinterlassen haben. Er betonte jedoch, dass diese „Umverteilung des Marktes“ eine Rückkehr zu einem normalen Gleichgewicht sei.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de